Welche Sprachen werden die Menschen in Europa im Jahr 2025 sprechen? Für die nächsten zwanzig Jahren zeichnen sich Entwicklungen für das linguistische Gleichgewicht in Europa ab, die bisher niemandem erwartete


- Auszug GEAB N°13 (18. März 2007) -



Welche Sprachen werden die Menschen in Europa im Jahr 2025 sprechen? Für die nächsten zwanzig Jahren zeichnen sich Entwicklungen für das linguistische Gleichgewicht in Europa ab, die bisher niemandem erwartete
Die LEAP/E2020-Forschungsgruppe interessiert sich seit mehr als einem Jahrzehnt auch sehr intensiv für die Entwicklungen der europäischen Sprachenlandschaft.

Diese Untersuchungen haben bei Weitem nicht nur ein kulturelles Interesse; vielmehr versteht LEAP/E2020 seine Arbeiten auch als Hilfsmittel für individuelle und kollektive Entscheidungen ((Eltern für die Fremdsprachenausbildung ihrer Kinder, Lehrpläne von Bildungseinrichtungen, Universitäten, Sprachenpolitik von Regierungen und Bewerberprofile für multinationale Unternehmen). Weichenstellungen im Bereich der Sprachenausbildung müssen sehr früh vorgenommen werden, nämlich wenn die neue Generation noch zur Schule geht. Und Irrtümer bei der Einschätzung des zukünftigen Sprachenbedarfs führen dazu, dass die Kenntnisse der neuen Generation nicht auf die Erfordernisse, die sie in der Zukunft im allgemeinen und insbesondere in ihrem Arbeitsleben antreffen werden (für wirtschaftliche, kulturelle und politische Kontakte), ausgerichtet sind.

Diese Voraussagen sind darüber hinaus auch bedeutend für die politische Entwicklung der EU, denn Sprachen sind nicht nur objektive Kommunikationsmittel, vielmehr vehikulieren sie Visionen der Welt und der Gesellschaft. Und mit Blick auf diese neuen Entwicklungen kann man auch besser die Umwälzungen einschätzen, die dem Projekt der europäischen Integration bevorstehen (1).

Die Entwicklung der sprachlichen Landschaft in der EU sind natürlich zu großem Maße auch mit den weltweiten Entwicklungen verknüpft (2), aber aufgrund ihrer demokratischen Struktur; ihrer Einwohnerzahl (500 Millionen), ihrer großen sprachlichen Vielfalt und der langen Traditionen ihrer Sprachen ist die EU ein Sprachraum, der seine eigene sprachliche Logik produziert, die sich insbesondere aus seiner langen Geschichte der sprachlichen Berührungspunkte und Befruchtung innerhalb Europas erklärt.

Für LEAP/E2020 wird die sprachliche Entwicklung der EU in den nächsten zwanzig Jahren daher von zwei historischen Mustern und fünf entscheidenden Faktoren bedingt.


A- Zwei historische Muster

1. Letztendlich sind es immer die Menschen, die für sich und ihren Eliten die allgemein gebräuchliche Sprache bestimmen, und nicht umgekehrt.

2. Stellung und Attraktivität einer Sprache hängen immer von der Stellung und Attraktivität der sie tragenden Kultur ab.


Zu 1: Egal ob es Latein war, das ab dem 16. Jahrhundert an Bedeutung verlor, oder Französisch ab dem 19. Jahrhundert, Deutsch nach 1945 oder Russisch nach 1989, immer wieder zeigt die moderne europäische Geschichte, dass die Menschen systematisch ihre Eliten dazu zwingen, ihre Sprache zu sprechen, die diese häufig, mehr oder minder freiwillig, zu Gunsten von Fremdsprachen vernachlässigt hatten. Da jeder Mitgliedstaat der EU demokratisch verfasst ist, wird sich diese historisch immer wieder bewiesene Sprachenhoheit der europäischen Völker noch verfestigen. Daraus folgt, dass die Auffassung oder Wünsche der Eliten zu den Sprachen, die man "heute sprechen müsse" überhaupt nichts darüber aussagen, wie sich die EU sprachlich entwickeln wird. Jedoch erliegen die Eliten in ihrem Streben, sich als eine besondere Kaste mit besonderen Fähigkeiten, Sitten und Usancen vom "einfachen" Volk abzusetzen (was ja gerade eines der wichtigen Wesensmerkmale der Eliten ist) sehr gerne der Versuchung, Fremdsprachen als Verkehrssprache innerhalb der Kaste anzunehmen, um so ihre besondere Stellung, ihre Gemeinsamkeit mit anderen Mitgliedern der Elite und ihren Unterschied zum "einfachen" Volk zu symbolisieren.

Zu 2: Das zweite Muster erlaubt den Ablauf der Entwicklung, die sich nach dem ersten Muster zwangsläufig ergibt, mit relativ präzisem Zeitrahmen vorherzusehen. Der allmähliche oder manchmal auch brutale Niedergang der Macht und der kulturellen Attraktivität einer Kultur, die eine dominierende Sprache trägt, entscheidet über die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit der die sprachliche Präferenz des einfachen Volkes für seine nationale Sprache oder eventuell für eine neue dominierende Sprache sich durchsetzt.

Diese beiden Muster bestimmen den Handlungsrahmen, in dem die sprachliche Entwicklung der EU sich abspielen wird.


B- Fünf entscheidende Faktoren

Für die EU hat die LEAP/E2020-Forschungsgruppe fünf strategische Schlüsselfaktoren herausgearbeitet, die das neue Sprachenbild der EU für die nächste Generation bestimmen werden:

1. Das Wiedererstarken der deutschen Sprache: Das Ende der Trennung des europäischen Kontinents und das Wiederentstehen Mitteleuropas als zusammenhängende Region als die Folge daraus, sowie ein Verblassen der Erinnerungen an die Schrecken des Zweiten Weltkrieg führen aktuell dazu, dass Deutsch bis zum Jahr 2025 zu einer der großen transeuropäischen Sprachen erstarkt. Die einsetzende Demokratisierung der EU, also die wachsende Bedeutung der öffentlichen Meinungen im europäischen Entscheidungsprozess, unterstützt auch die Bedeutung der deutschen Sprache, die ja die Muttersprache von 100 Millionen Menschen in Europa ist.

2. Die Wiederbelebung der französischen Sprache: Das Bevölkerungswachstum in Frankreich (und in den französischsprachigen Ländern, aus denen ein großer Teil der Einwanderung in die EU kommt) führt bereits zu einer Redynamisierung des Französischen unter den transeuropäischen Sprachen. Mit beinahe 80 Millionen Muttersprachlern ist Französisch zur zweithäufigsten Muttersprache in Europa aufgestiegen, und der Trend nach oben setzt sich fort. Die verblassende Erinnerung an die Zeit von 1940 bis 1944, in der die Sprache eines Landes, das vor dem Ansturm der deutschen Truppen ohne viel Widerstand zusammenbrach und anschließend eine Politik der Kollaboration betrieb, als Sprache der politischen Eliten beinahe ausgelöscht wurde (3), trägt ebenfalls dazu bei, dass die französische Sprache wieder an Dynamik gewinnt.

3. Das Ende des Anglo-Amerikanischen als Hegemoniesprache der Moderne: Das Ende der Weltordnung, wie sie aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist, und dessen letzter Akt, das Erlöschen des amerikanischen Einflusses, gerade auf der Weltbühne gegeben wird, nimmt dem Englischen (oder genauer gesagt dem Amerikanischen) die Dynamik, die diese Sprache in Europa und der Welt zur allgemeinen Verkehrssprache werden ließ. Diese Entwicklung wird noch verstärkt durch die Schwächung des Englischen in seinem angestammten Sprachraum: in vielen Staaten der USA ist Spanisch zu Lasten des Englischen auf dem Vormarsch; im Vereinigten Königreich verleihen die Autonomie - und Unabhängigkeitsbestrebungen in Irland, Wales und Schottland den keltischen Sprachen mehr Bedeutung, was dazu geführt hat, dass die Verwendung des Englischen auf den Britischen Inseln zurück geht (so dass Englisch heute in der EU an der Zahl der Muttersprachler gemessen nur noch an dritter Stelle liegt und weiter an Boden verliert). In den nächsten zwanzig Jahren wird sich Englisch bzw. Amerikanisch noch als internationale subsidiäre Verkehrssprache halten, also als ein allgemein weit verbreitetes und leicht zugängliches Kommunikationsmittel mit einem sehr begrenzten Wortschatz.

Sprachen in Europa
Sprachen in Europa
4. Der Absturz des Russischen: Die zwangsweise Einführung des Russischen nach 1945 in den sowjetischen Satellitenstaaten wurde so brachial gehandhabt, dass nach dem Fall des Eisernen Vorhangs diese Sprache niemand mehr sprechen geschweige denn lernen wollte; daher wird Russisch für noch mindestens 10 Jahre eine in der EU aus politischen Gründen vernachlässigte Sprache bleiben. Aber falls die Errichtung einer friedlichen EU-Russland-Beziehung, eventuell verstärkt durch eine erfolgreiche strategische Partnerschaft, gelingen sollte, geht LEAP/E2020 davon aus, dass sich das Russische, das als Relaissprache für alle slawischen Sprachen zu dienen geeignet ist, sich in der östlichen EU ab dem Jahr 2015 als Verkehrssprache durchsetzen wird (was nicht mit dem Statut einer offiziellen EU-Sprache zu verwechseln ist, was das Russische mangels EU-Beitritts nicht werden wird).

5. Die wachsende Bedeutung des Spanischen als Weltsprache: Die wachsende Bedeutung des Spanischen als Weltsprache bedingt nicht, dass Spanisch sich zu einer dominierenden transeuropäischen Sprache entwickeln wird. Jedoch wird die zunehmende Wichtigkeit Latein-Amerikas und überhaupt die rasche Ausdehnung des spanischen Sprachraums in Nord-Amerika dazu führen, dass Spanisch neben Englisch und Französisch, die ebenfalls in vielen Ländern außerhalb Europas verbreitet sind, die dritte europäische Weltsprache werden wird. Aber die geringe Zahl der spanischen Muttersprachler in der EU, die sprachliche Zersplitterung Spaniens in seine Regionalsprachen, insbs. im Baskenland und Katalanien, sowie die Existenz einer weiteren romanischen Sprache, des Französischen, als eine der großen transeuropäischen Sprachen, wird zur Folge haben, dass zumindest bis 2025 Spanisch nicht zu einer der wichtigen transeuropäischen Sprachen aufsteigen wird.

Diese Entwicklungen werden sich durch die wachsenden Anforderungen an intra-europäische Kommunikation noch verstärken, die sich insbs. darin äußern werden, dass im europäischen Meinungsbildungsprozess immer mehr Gruppen oder auch Einzelpersonen wichtiger werden, die sich teure Übersetzungen oder Verdolmetschungen nicht leisten können und daher darauf angewiesen sein werden, andere Sprachen nur passiv zu beherrschen, was sehr erleichtert wird, wenn man eine Sprache auch aktiv beherrscht, die aus der selben Sprachfamilie stammt. Parallel dazu werden sich auch die Computerübersetzungsprogramme immer stärker durchsetzen, die ermöglichen, Texte in vielen Sprachen weitflächig zu dennoch geringen Kosten zu verteilen.

Abschließend möchten wir damit feshalten: Auch wenn im Jahr 2025 der bekannte Ausspruch von Umberto Eco "Die Sprache Europas ist die Übersetzung" immer noch richtig sein wird, so ergibt sich für LEAP/E2020 doch das folgende Bild einer Sprachenkarte Europas (die abhängig von den verschiedenen Aktivitätsbereichen natürlich Unterschiede aufweisen wird), in der die nationalen und regionalen Sprachen von herausragender Bedeutung sein werden - auch wenn die herrschende Meinung der aktuellen Eliten des europäischen Integrationsprozesses das ganz anders sehen mag:

1. Vier dominierende transeuropäische Sprachen, nämlich Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch, von denen natürlich nur drei offizielle EU-Sprachen sein werden, von denen wiederum die EU-Eliten in zwanzig Jahren zwei als "ihre" Sprachen auserkoren haben werden, nämlich Französich und Deutsch (denn Englisch bzw. Amerikanisch wird nicht mehr eine Sprache sein, die ihren Nutzer sozial heraushebt) (4).
2. Drei europäische Sprachen als Weltsprachen, nämlich Englisch, Französisch und Spanisch.

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Noten:

(1) Natürlich werden neben diesen großen Entwicklungen noch bereichsspezifische Situationen überdauern, in denen die eine oder die andere Sprache in besonderen Nischen ihre besondere Stellung bewahren wird.

(2) Denn der Aufschwung der asiatischen Sprachen wie Chinesisch oder Tagalog, oder auch Arabisch, werden das globale Sprachengleichgewicht verschieben. Jedoch auf die Sicht einer Generation berechnet werden die Weltsprachen europäischer Herkunft weiterhin wichtige Argumente für sich sprechen haben, da sie auch außerhalb des europäischen Kontinents verbreitet sind, insbs. in Afrika und Amerika.

(3) Wegen des Zusammenbruchs der "Grande Nation" vor den Armeen Hitlers.

(4) Die, wie dies bei den herrschenden Eliten immer der Fall ist, sich nicht vorstellen können, dass die Entwicklungen der Zukunft nicht in direkter Fortsetzung der Entwicklungen der Vergangenheit ablaufen könnten, denen sie ihren Status als Eliten verdanken. Deshalb ist es für die derzeitigen Eliten der europäischen Integration nicht vorstellbar, dass die herrschende Tendenz von 1980 bis 2000, nämlich der Aufschwung des Anglo-Amerikanischen, der ihre Sprachkenntnisse bestimmte, sich nicht fortsetzen werde.

Lundi 29 Octobre 2007

GEAB N°61 - Zusammenfassung

- 17. Januar 2012 -

Umfassende weltweite Krise – 2012: Das Jahr der Zeitenwende in den internationalen Machtverhältnissen
Mit dieser 61. Ausgabe des GEAB jährt es sich nun zum sechsten Mal, dass die Mitarbeiter von LEAP/E2020 mit ihren Abonnenten und Lesern seines monatlichen Informationsbriefs ihre Vorhersagen über die Entwicklung der umfassenden weltweiten Krise teilen. Und zum ersten Mal in diesen vergangenen Jahren sagen wir in dieser Januarausgabe, die eine Übersicht über unsere Vorhersagen für dieses Jahr enthält, ein Jahr voraus, in dem sich die Krise nicht einfach weiter verstärken wird, sondern auch die ersten Elemente der „Welt von Morgen“ (...) sich herauskristallisieren... (Seite 2)
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USA 2012: Auf dem Weg zur Tragödie eines QE3
Die amerikanische Finanzpolitik steht heute vor der Herausforderung der Staatschuldenkrise, deren ultimatives Opfer sie sein werden. Wie LEAP/E2020 vorhergesehen hat, wird die Schuldenkrise der Eurostaaten 2011 der Zünder sein, der die US-Schuldenbombe 2012 zur Explosion bringt, auch wenn in einer Medienkampagne verzweifelt versucht wird, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Der massive Verkauf von US-Staatsanleihen durch die großen Zentralbanken im zweiten Halbjahr 2011 belegt aber die Richtigkeit unserer Vorhersage in beeindruckender Weise… (Seite 7)
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VORHERSAGEN 2012: 20 MAL RAUF UND 15 Mal RUNTER, 35 SCHLÜSSELTHEMEN FÜR 2012
Up oder Down? Die politische Pattsituation in den USA; Die Londoner City und Wall Street; Der Westen als Interessen- und Wertegemeinschaft; Der Anstieg der Zinsen; Wall Street und die City als Schwarze Löcher des Finanzsystems; Der Wert der chinesischen Währungsreserven; Das britische Pfund (und die Gilts); Die Entstehung eines neuen europäischen Souveräns: Euroland; Der « kleine kalte Krieg » zwischen USA und China; Italien; Die Eurokrise; Die Bedeutung des Dollars in den globalen Handelsbeziehungen; Die Ratingagenturen; Die « große europäische Staatsschuldverschreibung » (GESSV); MerkHollMont ; Ron Paul ; Der weitere Vormarsch von Gold im internationalen Währungssystem; Die Rezessflation; Die Zahl, die Größe und der Einfluss der westlichen Banken; Sarkozy, Cameron, Netanjahu und Medwedew; Die Reifung der BRICS zu einem wichtigen Akteur auf der internationalen Bühne; Die Türkei verlässt das westliche Lager; Die europäische Tobin-Steuer; Die laizistischen und prowestlichen Bewegungen in der islamischen Welt; Wachstum; Klagen und Strafverfahren gegen Bankvorstände und Hedge Fonds- Manager; Der Zerfall des Weltwährungssystems in drei Zonen: Dollar, Euro, Yuan; Die allgemeine Abwertung der Schulden der westlichen Staaten; Die Wutbürger; Die EU als „Europa“; QE3 als Wunderwaffe zur Rettung der US-Wirtschaft; Die Fähigkeit der USA zu Militäreinsätzen; Die Meerenge von Hormus und eine neue Fassette der Krise im Mittleren Osten; Schottlands Unabhängigkeit; Die Nützlichkeit der G20 (page 19)
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Der GlobalEurometer - Ergebnisse & Auswertung
(...) nimmt auch die Mehrheit zu, die die Auffassung vertritt, europäische Bekämpfungsmaßnahmen der Krise seien wirksamer als nationale Alleingänge (80% im Januar 2012 im Vergleich zu 77% im Vormonat) … (Seite 36)
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