GLOBAL SYSTEMIC CRISIS Press clippings
|
Vierter Faktor - Rezession in den USA
- Auszug GEAB N°19 (18. November 2007) -
Die GEAB-Leser wissen seit dem 18. November 2007, dass die USA sich in einer Rezession befinden. Die klassischen Medien fanden sich endlich im Dezember 2008 bereit, diese Tatsache endlich einzuräumen!
LEAP/E2020 vertritt bekanntlich die Auffassung, dass die US-Wirtschaft sich schon seit Anfang 2007 in einer Rezession befindet. Und diese Einschätzung halten wir sehr wohl aufrecht, auch wenn die offiziellen Statistiken der US-Regierung krampfhaft versuchen, ein anderes Bild zu zeichnen. Wir werden in diesem Teil des GEAB nicht nur die Auswirkungen der Rezession auf die in den USA tätigen Banken darstellen, sondern auch aufzeigen, wie weitgehend die US-Statistiken sich von jeglicher Realität entfernt haben. Sie dienen nicht mehr dazu, die Wirklichkeit abzubilden, sondern sollen nur noch im Interesse derjenigen, die sie herausgeben, eine Fassade aufrechterhalten, hinter der sich die traurige Wahrheit versteckt.
Seit Erscheinungsbeginns des GEAB konnten wir mehrfach nachweisen, wie und in welchem Umfang die offiziellen US-Zahlen manipuliert wurden, um den politischen und wirtschaftlichen Anforderungen und Wünschen des Moments zu genügen. Zahlen zu Inflation, Arbeitslosigkeit, Arbeitsplätzen, Wachstum, Bruttosozialprodukt... wir haben jeweils dargelegt, wie diese Statistiken gefälscht wurden und damit jeglicher Aussagekraft über den Zustand und die Aussichten der US-Wirtschaft entbehren. Man kann sogar davon ausgehen, dass die US-Regierung, wenn sie den Mut dazu fände, mit diesen Statistiken so verfahren würden, wie es den Zahlen über der Geldmenge M3 erging, deren Veröffentlichung schlicht und einfach eingestellt wurde (1).
Aber natürlich verhindern das allgemeine Augenmerk, das diese Statistiken genießen, und die Bedeutung für Politik und Wirtschaft, die ihnen zugeschrieben wird, eine solche Lösung. Also bleibt der US-Regierung nur die Lösung, die auch andere Regierungen im übrigen anwenden, nämlich die Zahlen zu manipulieren und zu hoffen, dass sich die Wirklichkeit von der Fiktion inspirieren lasse. Frankreich bezüglich seiner Arbeitslosenquote und Großbritannien bezüglich seiner Armutsstatistik verfahren in identischer Weise. Die USSR und die Länder des Ostblocks hatten sich zu Meister in der Kunst entwickelt, Statistiken zu produzieren, die keinerlei Bezug zur Wirklichkeit aufwiesen. Die US-Regierung vermittelt den Eindruck (2), sie wolle den kommunistischen Regierungen nacheifern.
Deshalb wollen wir, zusätzlich zu den anderen Statistiken, die wir im Lauf der letzten zwei Jahre analysiert haben, uns einmal in aller Schnelle zwei Statistiken genauer anschauen, die immer als Beweis angeführt werden, dass die US-Wirtschaft sich nicht in einer Rezession befinde, nämlich die Arbeitsmarktzahlen, also die Zahl der Arbeitsplätze und die Arbeitslosenzahlen.
Nach den letzten offiziellen Verlautbarungen (Oktober 2007) wären 166.000 neue Arbeitsplätze entstanden und die Arbeitslosenquote hätte konstant bei 4,7% der arbeitswilligen Bevölkerung gelegen (3). Diese Zahlen bezeugen eine Wirtschaft, der es vielleicht nicht blendend, aber zufrieden stellend geht. Der Pferdefuß bei diesen Zahlen sowie auch bei denen der Vormonate besteht jedoch darin, dass diese Statistiken sich auf Zuwächse an Arbeitsplätzen in Wirtschaftssektoren stützen, in denen dies einfach nicht sein kann. So wären die 166.000 neuen Arbeitsplätze des Monats Oktober insbs. erzielt worden, weil 25.000 neue Arbeitsplätze bei den Finanzdienstleistungen und 14.000 im Baugewerbe geschaffen worden wären. Diese beiden Bereiche sind jedoch zur Zeit notleidend und Hintergrund von beinahe täglichen Nachrichten über Unternehmenskonkurse und Massenentlassungen. Merkwürdig ist auch, dass eine andere offizielle Arbeitsmarktstatistik, die jedoch aufgrund einer Erhebung in den US-Haushalten erstellt wird und die ärgerlicher Weise nicht den selben Veröffentlichungsgrad erreicht wie die andere, zu ganz anderen Ergebnissen kommt. Nach ihr gingen im Oktober 2007 211.000 Arbeitsplätze verloren (4).
Entwicklung der Zahl der Arbeitsplätze in den USA (September 2001 bis April 2007) - Vergleich der beiden unterschiedlichen Berechnungsmethoden - Quelle Befuddlemonkey
Wie kann es zu solch unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Die Erklärung ist relativ simpel: Durch die Berechnungsmethode des US-Statistikamtes (Bureau of Labour Statistics), der aber wohlbekannt ist, weil dieses Amt ihn sogar ausdrücklich auf seinem Internetauftritt beschreibt (5): "Das Unerfreuliche bei dieser Berechnungsmethode oder bei jeder anderen Berechnung, die sich auf chronologische Serien stützt, liegt darin, dass dabei eine vorhersehbare Fortsetzung der kontinuierlichen Entwicklung oder der Verhältnisse vorausgesetzt wird, und dass damit zu befürchten ist, dass diese Methode Schwierigkeiten damit haben wird, verläßliche Einschätzungen zu produzieren, wenn die Wirtschaftsentwicklung sich umkehrt oder Tendenzen sich abrupt verändern". Mit anderen Worten ist diese Methode nur dann verläßlich, wenn die Wirtschaftsentwicklung geradlinig verläuft. Brüche vermag sie nicht darzustellen. Bei der US-Wirtschaft kann man für den Verlauf der letzten Monate kaum von einer kontinuierlichen Wirtschaftsentwicklung sprechen, vielmehr stellten die Immobilien- und Finanzkrise Brüche in den in den letzten Jahren herrschenden Wirtschaftstendenzen dar. Um es noch klarer zu sagen: Nach unserer Auffassung entbehrt diese Statistik jeglicher Aussagekraft. Die andere Statistik, die sich auf die US-Haushalte stützt, hat wenigstens das Verdienst, auf eine reale Erhebung gegründet zu sein, auch wenn die Zahl der befragten Haushalte sehr gering ist.
Die Statistik über die Arbeitslosenquote wendet einen vergleichbaren Zaubertrick an. Da sie sich auf die Zahl der Personen stützt, die zur Zeit der Erhebung als Arbeitssuchende gemeldet sind, ignoriert sie beispielsweise 465.000 Amerikaner, die sich nicht als arbeitslos gemeldet haben, obwohl sie arbeitslos und auf Arbeitssuche sind. Unter solchen Vorgagen kann sicher gestellt werden, die Arbeitslosenquote nicht in alarmierend hohe Prozentzahlen klettert.
Selbst die Finanzmedien fangen an, immer häufiger das häßliche Wort von der Rezession zu gebrauchen, wenn sie z.B. über bestimmte Regionen der USA berichten, u.a. Kalifornien, wirtschaftliches Schwergewicht des Landes mit einem Anteil am BSP von 13%. So erschien ein Artikel in MarketWatch/Dow Jones, der offen die Frage stellte: "Ist Kalifornien in Rezession?" (6). Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat für sich und den Staatshaushalt diese Frage schon beantwortet (7). Wegen rückläufiger Steuereinnahmen beschloss er, die Staatsausgaben um 10% zu senken. An der Atlantikküste stellt die New York Times die Frage "Rezession? Welche Rezession?" und beantwortet schon in der ersten Zeile: "Wenn es wie eine Rezession aussieht und sich wie eine Rezession anfühlt..."
Kalifornien - Einfamilienhäuser - Zahl der unverkauften Einheiten pro Monat /Quelle kalifornischer Verband der Bauentwickler
Natürlich stecken die USA schon in einer Rezession, die massive Arbeitsplatzverluste in beinahe allen Wirtschaftsbereichen zur Folge hat, in der große Teile der Bevölkerung durch das Platzen der Immobilienblase erhebliche Vermögensverluste erleiden mussten, der Zugang zu Krediten erschwert wird (8), die Immobilienpreise sinken (9), der Wert des Dollars fällt und die Inflation zulegt (10), die Steuereinnahmen von Bund, Staat und Gemeinden (11) sowie der Konsum der Privathaushalte zurückgehen (12) ... Diese Wirklichkeit werden die offiziellen Statistiken nicht mehr lange verschleiern können, denn die Zahlen, die andere Quellen ausspucken (Unternehmen, Stiftungen, unabhängige Forschungseinrichtungen...) stimmen alle in ihrer Aussagen in einem Punkt überein: Die Rezession? Sie ist sehr wohl schon da!
Für die großen auf dem US-Markt tätigen und dabei besonders für die großen US-Banken hat dies verheerende Auswirkungen auf Einnahmen und Vermögen. Ihr komplettes Geschäftsmodell der letzten Jahre funktioniert nicht mehr mit Verbrauchern und Unternehmen, die unter der Rezession leiden. Da die reelle Wirtschaft keine Gewinnmargen mehr produziert, die Schuldner ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können und Unternehmen nicht mehr entstehen und sich entwickeln, kann die Finanzwelt Wall Street keine Profite mehr generieren.
Der Wertverlust des Dollars wird diese Entwicklung nicht aufhalten. Im Gegenteil, die schwächere US-Währung wird zu einer importierten Inflation führen (wie schon in vorhergehenden Ausgaben des GEAB ausgeführt). Das ist für die Banken, die auf einem Riesenberg von Krediten sitzen, auch alles andere als eine gute Nachricht.
--------
Noten:
(1) Vgl. die Pressemitteilung von LEAP/E2020 vom 24. März 2006.
(2) Vgl. hierzu in der 18. Ausgabe des GEAB unsere Analysen über den immer stärkeren Einfluss der amerikanischen Aktienmärkte auf ihr Funktionieren
(3) Quelle : US Bureau of Labor Statistics, v. 02.11.2007
(4) Quelle : New York Times, v. 03.11.2007
(5) Quelle : US Bureau of Labor Statistics, CES Net Birth/Death Model
(6) Quelle : MarketWatch/DowJones, v. 09.11.2007
(7) Quelle : CApoliticalnews, v. 06.11.2007
(8) Quelle : CNBC, v. 02.11.2007
(9) Quelle : National Realty News, v. 31.10.2007
(10) Selbst Bloomberg berichtet über die Tatsache, dass ein Star des US-Rap in seinem letzten Video-clip lieber mit 500 Euroscheinen als mit Dollarscheinen wedelt. Quellen : Bloomberg, v. 14.11.2007 und YouTube, v. 19.11.2007.
(11) Quelle : USAToday, v. 31.10.2007
(12) Quelle : MarketWatch/DowJones, v. 08.11.2007
|
GEAB N°65 - Zusammenfassung
- 17. Mai 2012 -
Umfassende weltweite Krise / 2. Halbjahr 2012 - Vier Faktoren voller Sprengkraft treffen zusammen: Banken-Börsen-Renten-Schulden
Euroland macht sich, insbesondere dank der Wahl des neuen Präsidenten Frankreichs Francois Hollande, die LEAP/E2020 schon seit vielen Monaten vorhersagte, daran, sich bis Ende 2012 ein mittel - und langfristiges politisches, wirtschaftliches und soziales Gemeinschaftsprojekt zu geben. Währenddessen bleiben die Operateure an den internationalen Finanzmärkten Gefangene ihrer Reflexe, mit denen sie nur auf die kurzfristigen Aspekte wie die Kapriolen der griechischen Politik, die Zweifel am Entstehen einer Eurolandgovernance und auf die Staatsschuldenrisiken reagieren… (Seite 2)
Lesen Sie die Pressemitteilung
Welche Sprachen sollte ihr Kind lernen, damit sie ihm auch in zwanzig Jahren noch nützlich sind? Vorschau auf die wichtigen Verkehrssprachen in Europa und der Welt bis 2030
Über das kulturelle Interesse hinaus, das wir dieser Problemstellung entgegenbringen, konzipieren wir diese Antizipation als ein Entscheidungshilfsmittel sowohl für Eltern bei der Sprachenwahl für ihre Kinder wie auch der Bildungseinrichtungen (öffentliche Schulen, Universitäten, Staaten wie auch internationale Unternehmen). Die individuellen und gesellschaftlichen Weichenstellungen beim Sprachenlernen sind ja in der Tat auf sehr lange Sicht bedeutsame Entscheidungen, die mit einem Vorlauf von 20 bis 30 Jahren getroffen werden müssen… (Seite 12)
Abonnieren Sie
Strategische und praktische Empfehlungen
- Devisen und Gold: Halten Sie den Kurs
- Renten: Wie Sie Ihr Kapital bewahren
- Aktienmärkte: Letzte Möglichkeit, dem Chaos zu entgehen
- Banken: Maximales Misstrauen ist angesagt
- Staatsanleihen: Die Falle schnappt zu (Seite 23)
Abonnieren Sie
Der GlobalEurometer - Ergebnisse & Auswertung
Die Mehrheit der Befragten, die meint, dass große Banken in ihrem Heimatland bis Ende 2012 in Konkurs gehen könnten, verstärkt sich von 61% im Vormonat auf nunmehr 66%… (Seite 25)
Abonnieren Sie
|