Umfassende weltweite Krise: 2. Halbjahr 2011 – Die amerikanische Zündschnur am europäischen Schuldenpulverfass - Explosion der Staatsschulden der westlichen Staaten


- Pressemitteilung des GEAB vom 16. Dezember 2010 -



Umfassende weltweite Krise: 2. Halbjahr 2011 – Die amerikanische Zündschnur am europäischen Schuldenpulverfass - Explosion der Staatsschulden der westlichen Staaten
Im 2. Halbjahr 2011 werden sich die Investoren weltweit der Erkenntnis stellen müssen, dass der Westen einen großen Teil der Schulden, die er in den letzten zwei Jahrzehnten angehäuft hat, nie zurückzahlen wird. Wir gehen davon aus, dass der Moment der Wahrheit im Oktober 2011 erreicht werden wird. Denn dann werden viele amerikanische Städte, Gemeinden und Bundesstaaten, denen die Bundesregierungen finanziell nicht mehr zur Seite wird stehen können, de facto oder auch de jure bankrott sein, während gleichzeitig die europäischen Staaten einen großen Teil ihrer Schulden (1) refinanzieren müssen.

Die Medienhysterie über die Staatsschulden der Randstaaten der Eurozone und das sich daraus angeblich zwingend ergebende Auseinanderbrechen der Eurozone hat die Bedingungen für eine entsprechende Panik der Investoren geschaffen, die auf dieser Seite des Atlantiks dann die Staatsanleihenblase platzen lassen wird. Einen kleinen Vorgeschmack von dem, was uns bevorsteht, konnte man im November 2010 schon auf dem Markt für amerikanische « Munis (2) » bekommen, als ein Mini-Krach im Verlauf von nur wenigen Tagen die gesamten Gewinne eines ganzen Jahres vernichtete. Dieser extreme Kurseinbruch, den wir übrigens schon in der 46. Ausgabe des GEAB vom Juni vorhergesagt hatten und dem auch der Anleihenversicherer Ambac zum Opfer fiel (3), blieb der allgemeinen Öffentlichkeit fast vollständig verborgen (4). Denn die britisch-amerikanische Medienlandschaft (5) hatte es geschafft, die weltweite Aufmerksamkeit auf die « Eurokrise » und das bevorstehende Ende des Euro-Währungsraums zu konzentrieren. Die Hysterie erreicht hier beinahe schon das Niveau der Berichterstattung über die Schweinegrippe (6). Richtig ist jedoch, dass in der Kombination von europäischer Staatsschuldenkrise und Krach auf dem amerikanischen Markt für Städte – und Gemeindeanleihen einiges an Sprengstoff steckt. Nach unserer Auffassung befindet sich das internationale Finanzsystem in einer Lage, die mit der vom Frühjahr 2008 vergleichbar ist, als der Konkurs von Bear Stearn den Konkurs von Lehman Brothers und den Zusammenbruch der Wall Street im September 2008 vorbereitete. Aber die Leser des GEAB wissen zur Genüge, dass die Medien nur selten vor den wirklich großen Gefahren warnen. Falschen Alarm hingegen lösen sie gerne aus (7).

Entwicklung der Nettogeldabflüsse aus den offenen Fonds, die das Geld ihrer Anleger in Munis investieren (2007 bis November 2010) (in Milliarden USD) - Die Abflüsse waren bedeutender als im Oktober 2008 - Quelle: New York Times, 11/2010
Entwicklung der Nettogeldabflüsse aus den offenen Fonds, die das Geld ihrer Anleger in Munis investieren (2007 bis November 2010) (in Milliarden USD) - Die Abflüsse waren bedeutender als im Oktober 2008 - Quelle: New York Times, 11/2010
In dieser 50. Ausgabe des GEAB analysieren wir, welche Entwicklung die Schuldenkrise der westlichen Staaten, und hier besonders die der USA und der europäischen Länder, nimmt, und zeigen Optionen auf, wie Vorkehrungen getroffen werden können. Auch widmen wir ein Kapitel den strukturellen Folgen der Wikileaks auf den Einfluss der USA in den internationalen Beziehungen. Weiterhin enthält diese Dezemberausgabe die schon beinahe traditionelle Evaluierung unserer Vorhersagen; für das Jahr 2010 lagen wir nach unserer Einschätzung richtig zu 78%. Weiterhin geben wir strategische Empfehlungen für Euroland (8) und die USA. Zu guter Letzt veröffentlichen wir erstmalig den GEAB-$–Index, der in Zukunft monatlich einen Überblick über die Entwicklung des Dollars im Vergleich zu den anderen großen Weltwährungen ermöglichen soll (9).

In dieser Pressemitteilung der 50. Ausgabe des GEAB geben wir einen Einblick in unsere Vorhersagen über die Explosion der Schuldenblase der westlichen Staaten.

Die westliche Schuldenkrise verschärft sich unter dem wachsenden Druck von vier Faktoren mit hoher Geschwindigkeit:

- Der ausbleibende Aufschwung in den USA, der die Kommunen, Kreise, Bundesstaaten und auch die Bundesebene (10), die sich alle in den letzten Jahren an großzügig fließende Steuereinnahmen und großzügige Finanzierungsmöglichkeiten gewöhnt hatten, in die Zahlungsunfähigkeit treibt (11).

- Der mit hoher Geschwindigkeit nachhaltig schwindende Einfluss der USA in der internationalen Geldpolitik, an den globalen Finanzmärkten und in den internationalen Beziehungen (12), womit sich auch ihre Fähigkeit, ausländisches Kapital in die USA zu locken, verringert (13).

- Das weltweit rückläufige Angebot an billigen Krediten, wodurch sich die Verschuldungskrise der Eurozonen-Randländer wie Griechenland, Irland, Portugal und Spanien (sowie Großbritannien) (14) massiv verschärft. Allmählich stellt die Situation auch die entscheidenden Länder wie die USA, Deutschland und Japan (15), die alle 2011 große Anteile ihrer Schulden refinanzieren müssen, vor große Probleme, ihre Defizite zu finanzieren.

- Die Wandlung der Eurozone in das quasi-staatliche Euroland, dessen Umgang mit Staatschulden immer stärker das Maß aller Dinge für die Finanzierung öffentlicher Schulden in Europa wird.

Diese vier Faktoren produzieren Entwicklungen und Reaktionen, die je nach Land/Region unterschiedlich sind.

Das Schuldenpulverfass Europas: Nun werden auch die Investoren zur Kasse gebeten

Europa wandelt sich mühsam aber letztendlich doch mit bisher unvorstellbarer Geschwindigkeit von der Eurozone in ein quasi-staatliches Euroland. Das Mühsame an diesem Prozess erklärt sich nicht ausschließlich mit den Unzulänglichkeiten des gegenwärtigen europäischen politischen Personals, wie die Altvorderen Helmut Schmidt, Valéry Giscard d’Estaing und Jacques Delors in einer endlosen Reihe von Interviews zum Besten geben. Sie selbst hatten nie mit einer Krise von diesem Ausmaß zu tun.

Mühsam ist diese Wandlung auch, weil die notwendigen Veränderungen an der politischen Struktur der EU immens (16) sind und den handelnden Personen dafür jegliches demokratisch legitimiertes Mandat fehlt. Das treibt die Regierungen der europäischen Mitgliedstaaten in das Dilemma, auf der einen Seite mit Nachdruck zu leugnen, was sie auf der anderen Seite machen, nämlich die Eurozone in eine quasi-staatliche Struktur umzuwandeln, die weitreichende wirtschaftliche, soziale und steuerrechtliche Zuständigkeiten erhalten wird (17). Sie können sich offensichtlich nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Wähler und insbes. die wichtigen Akteure in Wirtschaft und an den Finanzmärkten grundsätzlich mit dieser Politik einverstanden sind und lediglich erwarten, dass die anstehenden Entscheidungen transparent und nachvollziehbar getroffen werden (18). Denn eigentlich ist die wesentliche Entwicklung schon vorgezeichnet. Wir werden sie eingehend in dieser Ausgabe des GEAB darstellen.

Problematisch für die Regierungen der Eurozonen-Länder ist auch, dass viele der Entscheidungen der europäischen Regierungen von den großen Wirtschafts- und Finanzmedien kommentiert und kritisiert werden, von denen keines in der Eurozone angesiedelt ist, sondern in der Dollar- und Pfundzone, in der jede Stärkung des Euro als Katastrophe empfunden wird. Sie haben also gesteigertes Interesse daran, die zwingende Wandlung der Eurozone zu Euroland soweit wie möglich zu behindern und hinauszuzögern (19).

Dennoch verlieren die Querschüsse an Wirkung. In der « Griechenlandkrise » ging der Wechselkurs des Euro im Vergleich zum Dollar noch stärker zurück als in der Fortsetzung der Eurokrise « Irland ». Ab Frühjahr 2011 wird eine negative Berichterstattung nur noch zu vernachlässigbaren Ausschlägen führen. Bleibt als entscheidender Faktor für eine weitere gedeihliche Entwicklung von Euroland neben der Qualität des politischen Personals in Europa (insoweit muss man auf die Wahlen hoffen, die ab 2012 in den wichtigsten Eurozonen-Mitgliedstaaten anstehen) die Frage nach einer ausreichenden demokratischen Legitimation für den weitreichenden strukturellen Umbau der Europäischen Union (20). Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass bis 2012/2013 aus demokratischer Sicht das Pferd von hinten aufgezäumt wird: Erst werden die notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Krise zu meistern, und wird dann in einem zweiten Schritt die demokratische Legitimation dafür geschaffen (21).

Vergleich der Erträge von Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit in Euroland - Quelle: Thomson Reuters Datastream, 16/11/2010
Vergleich der Erträge von Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit in Euroland - Quelle: Thomson Reuters Datastream, 16/11/2010
Wenn die Anleger erst einmal verstehen werden, was sich hinter der Debatte über die Einführung von Eurobonds (22), die seit einigen Wochen an Intensität zunimmt, überhaupt verbirgt, wird die Blase der Schulden der westlichen Staaten schneller platzen als sich dies bisher jemand vorstellen kann (23). Denn spätestens ab Ende 2011 werden vor dem Hintergrund der dauerhaften Einrichtung des europäischen Rettungsfonds in Sachen Eurobonds die Karten auf den Tisch gelegt werden (24). Dann werden Spekulanten, die zurzeit massiv griechische und irische Anleihen sowie Anleihen von anderen insolvenzverdächtigten Eurozonenländern kaufen, zu ihrer Überraschung feststellen, dass die europäische Solidarität für sie nicht gelten wird. Da mögen die Regierenden heute auch etwas ganz anderes sagen (25).

Wir gehen also davon aus, dass die Lösung der Schuldenkrise darin liegen wird, den Anlegern aufzuerlegen, ihre Staatsanleihen in Euro-Anleihen umzutauschen, deren Zinsen und Rückzahlung von allen Euroländern garantiert werden. Die Zinsen für „Euro-Bonds“ werden deutlich niedriger sein, und der Umtausch würde nur mit einem Abschlag von 30 bis 50% erfolgen. Denn bis dahin wird die Lage auf den nationalen Anleihenmärkten noch prekärer geworden sein. Die bis 2013 neu gewählten europäischen Regierungen (26) hätten auch eine ausreichende demokratische Legitimation für einen solchen Zwangsumtausch, dessen erste Opfer die großen, auch europäischen Banken (27) sein würden. Es ist sehr gut möglich, dass einigen staatlichen, privilegierten Gläubigern wie China, Russland und den Erdöl exportierenden Ländern ein Tausch zu besseren Bedingungen angeboten wird. Für sie wird die ganze Aktion damit insgesamt sehr positiv zu Buche schlagen. Denn mit einem Schlag würden ihre unsicheren Anlagen in sichere umgewandelt.

Vergleich der Ausfallrisiken für Staatsschulden und deren Ansteckungsgefahr (blau: Insolvenz – oder Bail-out-Risiko /rot: Ansteckungsgefahr) - Quelle: MarketOracle, 11/2010
Vergleich der Ausfallrisiken für Staatsschulden und deren Ansteckungsgefahr (blau: Insolvenz – oder Bail-out-Risiko /rot: Ansteckungsgefahr) - Quelle: MarketOracle, 11/2010
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Noten:

(1) Großbritanniens Schulden eingerechnet sind das mehr als 1.500 Milliarden € pro Jahr (2011 und 2012)

(2) Munis sind im Finanzjargon die Anleihen der US-Gebietskörperschaften (Städte, Gemeinden und Kreise), mit denen die lokale öffentliche Infrastruktur finanziert wird (Nahverkehr, Gesundheit, Schulen, Abwasser usw.).

(3) Quelle: Reuters, 08/11/2010

(4) In einem Artikel vom 20.11.2010 wundert sich SafeHaven ganz offen über das offensichtliche « Schweigekartell » der großen Finanzmedien.

(5) Die Financial Times hat zum Beispiel seit einem Monat wieder damit begonnen, jeden Tag zwei oder drei Artikel über die sogenannte Eurokrise als Aufmacher seiner Webseite zu bringen. Sie geht sogar soweit, Informationen wie z.B. die Verlautbarungen von Mitgliedern der deutschen Bundesregierung zu manipulieren, um auf diese Art und Weise ein Atmosphäre der « Angst um den Euro » zu schaffen. Selbst die französischen Medien, wie man an diesem Artikel von Jean Quatremer in der Zeitung Liberation sehen kann, merken allmählich, dass die Financial Times zum Propagandawerkzeug verkommen ist.

(6) Nur zum Vergleich: Kein Investor hat in der « Griechenlandkrise » oder der « Irlandkrise » Geld verloren, wohingegen bei dem nicht lange zurückliegenden Kurseinbruch am Muni-Markt abertausende Anleger hohe Summen abschreiben mussten. Dennoch wird viel mehr Druckerschwärze auf die Eurokrise als auf die Muni-Krise verwandt.

(7) Wie wir schon in vorhergehenden Ausgaben des GEAB schrieben, gibt es zwischen der Berichterstattung über die « Eurokrise » und der Schweinegrippeepidemie von vor einem Jahr viel Ähnlichkeit. Es handelt sich dabei um den Versuch der Manipulation der öffentlichen Meinung, die mit viel Aufwand betrieben wird. Zum einen geht es darum, die Menschen von den wahren Problemen abzulenken; die Schweinegrippe sollte die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise in den Hintergrund verdrängen – die Eurokrise soll von der weitaus schlimmeren Situation in den USA und Großbritannien ablenken. Zum anderen soll ein Umfeld der Angst kreiert werden, das bestimmte Kreise für ihre Geschäftsinteressen ausnutzen können. Bei der Schweinegrippe konnten Pharmakonzerne erhebliche Gewinne machen, bei der Eurokrise erwirtschaften Investoren mit spekulativen Geschäften mit griechischen und irischen Schulden riesige Profite. Bei der Schweinegrippe blieben die Regierungen auf gigantischen Mengen Impfstoffen und Masken sitzen; bei der Eurokrise wird sich noch herausstellen, wer auf den Verlusten aus Spekulationswetten, die nicht aufgehen werden, sitzen bleiben wird. Nach diesem Sommer müsste eigentlich klar sein: Wer sein Geld aus dem Euro abzieht, um in Dollar zu investieren, vernichtet Vermögen. Quelle: Bloomberg, 18/11/2010

(8) In Übereinstimmung mit der Methodik der politischen Antizipation beschäftigen wir uns natürlich auch schon seit einigen Jahren mit der Frage, ob der Euro nicht eines Tages zusammen brechen könnte. Dafür gibt es nach unserer Aufassung nur ein einziges plausibles Szenario, nämlich wenn zumindest zwei der großen Euroland-Mitgliedstaaten von Parteien regiert würden, die ein Interesse am Wiederauflammen intereuropäischer Konflikte hätten. Wir gehen für die nächsten zwanzig Jahre von einer Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios aus, die sich bei Null bewegt. Vorhersagen mit einem noch längeren Zeithorizont machen wir nicht. Unsere Schlussfolgerung mag sehr enttäuschend für die sein, die DM, franc oder einer anderen Währung nachtrauern; sie wird auch den Wirtschaftswissenschaftlern nicht gefallen, die glauben, dass ihre Theorien für die Wirklichkeit wichtiger sind als Fakten; und zuletzt nicht einigen Briten, die sich nur schwerlich vorstellen können, dass der europäische Kontinent seinen Weg in Wirtschafts- und Finanzfragen ohne sie weitergehen könnte. Sogar der Vorsitzende der Bank of England Mervyn King geht davon aus, dass die Eurozone unter dem Druck der Krise schneller zusammenwachsen werde. Das geht jedenfalls aus Gesprächsprotokollen von US-Diplomaten hervor, die Wikileaks veröffentlichte. (Quelle: Telegraph, 06/12/2010). Wir konzentrieren daher unsere Arbeiten auf die Antizipation der sicherlich nicht einfach zu bewerkstelligenden Wandlung der Eurozone in Euroland unter dem Druck der umfassenden weltweiten Krise. Insoweit hat die Flut an kritischen Artikeln und Analysen der britischen und amerikanischen Presse gegen den Euro auch etwas Gutes. Sie zeigen auf, wo die Stolpersteine auf dem Weg zu einer echten Gemeinschaftswährung liegen. Damit können sie auch leichter vermieden werden.

(9) Und nicht im Vergleich zu willkürlich ausgewählten Währungen, wie das beim Dollar Index der Fall ist.

(10) Die New York Times präsentiert auf ihrer Webseiten ein sehr lehrreiches Spiel mit dem Namen “Sie bringen den Haushalt in Ordnung”. Dabei kann jeder Besucher versuchen, den Bundeshaushalt entsprechend seiner politischen und sozialen Leitentscheidungen in Ordnung zu bringen. Daran kann man sehen, dass das Problem nur deshalb nicht gelöst wird, weil der entsprechende politische Wille dafür in Washington fehlt. Quelle: New York Times, 11/2010

(11) Quellen: CNBC, 26/11/2010; Le Temps, 10/12/2010; USAToday, 30/11/2010; New York Times, 04/12/2010

(12) Da die USA ihre Defizite nur durch tägliche massive Kapitaleinfuhr finanzieren können, sind ihr Vertrauenskapital und Einfluss in den internationalen Beziehungen entscheidende Grundvoraussetzungen für ihr finanzielles Überleben. Das Vertrauenskapital des US-Außenministeriums und überhaupt der USA wurde durch die neuesten Enthüllungen deutlich geschmälert. Und am Scheitern der neuesten Verhandlungen zwischen Israel und Palästina kann man ablesen, dass der Einfluss der USA weltweit am Schwinden ist. Das hatte auch schon der G20-Gipfel in Seoul gezeigt. Wir kommen darauf in dieser Ausgabe des GEAB noch im Einzelnen zurück. Quellen: Spiegel, 08/12/2010; YahooNews, 07/12/2010; YahooNews, 08/12/2010

(13) Sogar die chinesische Regierung vertritt die Auffassung, dass die US-Verschuldung bei Weitem schlimmer sei als die der Euro-Staaten. Quelle: Reuters, 08/12/2010

(14) Erst Island und Irland, dann USA und Großbritannien. Das ist die Abfolge der Staatsbankrotte, die LEAP/E2020 schon vor mehr als zwei Jahren vorhergesagt hatte. Es dauert etwas länger als wir damals antizipierten, aber 2001 könnte die Entwicklung etwas von ihrer Verspätung wieder einholen. Großbritannien versucht gerade, sein Überleben durch eine gewaltige Amputation des Sozialstaats zu retten. Diese Politik ist sehr unpopulär, wie man an den teilweise gewalttätigen Ausschreitungen der Studenten sehen kann, die sich sogar die Königliche Familie, was äußerst selten ist, als Zielscheibe ihrer Wut ausgesucht hatten. Aber der Umfang der britischen Verschuldung, die Tatsache, dass das Land finanziell auf sich allein gestellt ist sowie die Rettung der Banken auf Kosten der Steuerzahler lassen diese Politik als soziales, politisches, wirtschaftliches und finanzielles Vabanquespiel erscheinen. Die Regierung in Washington scheint mit ihrer Untätigkeit alles daran zu setzen, dafür zu sorgen, dass 2011 wirklich das Jahr wird, in dem « die Dollarmauer fällt », wie LEAP/E2020 schon im Februar 2006 vorhergesagt hatte.

(15) Wie schon Liam Halligan im Telegraph 11/12/2010 schreibt: Das ansteigende Zinsniveau erschwert den US-Schuldendienst – und Neuverschuldung. Damit tritt nun das ein, was LEAP/E2020 seit nunmehr mehr als zwei Jahren vorhergesagt hat: Das weltweite Sparguthaben wird bald nicht mehr ausreichen, die Kapitalnachfrage des Westens und insbes. der USA zu befriedigen.

(16) Europäischer Rettungsfonds, Regulierung der Hedge Fonds, Begrenzung der Bankerboni, Regulierung der Rating-Agenturen, Haushaltskontrolle, vertiefende Reform der Finanzregulierung des europäischen Binnenmarkts, Errichtung der ersten europäischen Rating-Agentur usw. Quellen: European Voice, 26/10/2010; Deutsche Welle, 05/11/2010; Reuters, 13/07/2010; ABBL, 08/12/2010; BaFin, 16/11/2010

(17) Wolfgang Schauble, der deutsche Finanzminister ist zurzeit der einzige Politiker in Europa, der Tacheles redet. In seinem Interview mit der Bildzeitung äußert er, dass im Laufe der nächsten zehn Jahre die Länder der Eurozone noch eine weite Strecke in Richtung einer politische Union zurücklegen werden. Karl Lamers, der ehemalige außenpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, bezeichnet die Krise als Chance für Europa und Deutschland. Und dann gibt es sogar in den USA mit Rex Nutting im Wall Street Journal vom 08/12/2010 jemanden, der in diese Richtung argumentiert. Unter den Technokraten der EU-Institutionen spricht sich der Präsident der Europäischen Zentralbank für eine « Haushaltsföderation » der Eurozone aus. Quelle: EUObserver, 13/12/2010; DeutschlandFunk, 09/12/2010; EUObserver, 01/12/2010

(18) Seit mehr als einem Jahrzehnt sind die Menschen in Europa « europäischer » (im Sinne einer politischen Union) als die nationalen Eliten. Das europäische Verfassungsprojekt wäre in den Referenden in den Niederlande und Frankreich nie abgelehnt worden, wenn nicht viele pro-Europäer mit Nein gestimmt hätten, weil ihnen der Verfassungsvertrag nicht ausreichend Garantien für eine demokratische Fortentwicklung der Europäischen Union bot, sondern vielmehr die Demokratisierung damit auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben wurde.

(19) Die europäischen Regierungen sind wie die Schildkröte in der Fabel von Jean de La Fontaine « Der Hase und die Schildkröte », nur dass das Rennen auch noch von dem Hasen kommentiert wird.

(20) Wie wir schon seit mehr als zwei Jahren schreiben: Europäische Sparpolitik wird politisch nur durchsetzbar sein, wenn die steuerlichen Belastungen und sozialen Einschnitte gerecht verteilt werden und gleichzeitig die EU sich zu einer politischen Entität weiterentwickelt, die demokratisch kontrolliert wird und weitreichende soziale Kompetenzen erhält. Die mangelnde demokratische und soziale Dimension ist die wahre Achillesferse von Euroland, nicht die Verschuldung seiner Randstaaten. Zur Veranschaulichung dieses Aspekts empfehlen wir, sich die interessante Reihe von Reportagen anzusehen, die die New York Times im Laufe des Sommers 2010 in Auftrag gegeben hatte. Die Reihe trägt den bezeichnenden Titel: « The Austerity Zone: Life in the New Europe »

(21) Es ist inzwischen so offensichtlich geworden, dass die die amerikanischen Eliten nicht mehr verstehen können, was eigentlich in Europa am Entstehen ist. Das führt inzwischen so weit, dass in den US-Universitäten die Haushaltskürzungen als Begründung dafür genommen werden, die Unterrichtung von Fremdsprachen auszudünnen. Wie immer werden knappere Finanzen gerne dafür genutzt, Interessen zu befördern, die mit den Sparzwängen nichts zu tun haben, nämlich Englisch als einzig unterrichtenswerte Sprache zu verankern. Aber natürlich wird das dadurch erleichtert, dass die meisten Amerikaner überhaupt nicht mehr verstehen, dass Englisch nicht mehr dabei ist, zur allgemeinen und ausschließlichen Weltsprache aufzusteigen. Aber beide Motive vereinen sich herausragend in der Ansicht von Richard N. Haas, ehemaliger wichtiger Funktionsträger im amerikanischen Außenministerium unter G. W.Bush und heute Präsident des einflussreichen Council of Foreign Relations. Er plädiert massiv dafür, Deutsch, Französisch und Russisch aus dem US-Universititätscurriculum zu streichen. Solch bornierte Persönlichkeiten, die sich dennoch für die intellektuelle Elite der Welt halten, verbauen den US-Studenten von heute jede Möglichkeit, die Welt von morgen überhaupt noch verstehen zu können. LEAP/E2020 hat auf den GlobalEurope-Seminaren in Den Haag und Washington 2004 und 2005 nicht gezögert, den amerikanischen Teilnehmern vorzuhalten, sie seien intellektuell nicht mehr in der Lage, die Welt des 21. Jahrhunderts überhaupt zu verstehen. Wir halten es daher auch für hilfreich, erneut die Aufmerksamkeit auf unsere Antizipation zum Thema "Welchen Sprachen werden die Menschen in Europa im Jahr 2025 sprechen?; zu lenken.

(22) Das sind Anleihen, die für alle Euroländer sowie auch die EU-Mitgliedstaaten, die sich an diesem System beteiligen wollen, aufgelegt werden. Schließlich haben sich alle EU-Mitgliedsstaaten (mit Ausnahme Großbritanniens) im Mai 2010 an der Errichtung des europäischen Rettungsfonds beteiligt.

(23) Auch wenn offizielle Stellen in Frankreich und Deutschland es noch dementieren: Euro-Anleihen stehen immer auf der Tagesordnung, wenn die Regierenden Europas sich informell treffen. Quelle: Euroinvestor, 10/12/2010

(24) Es ist sehr gut möglich, dass im Frühjahr 2012 die Einrichtung von Euro-Anleihen in Frankreich –und vielleicht zeitgleich auch in Deutschland- Gegenstand der Wahlkämpfe sein wird.

(25) Im Telegraph vom 27/11/2010 unterstreicht Liam Halligan, einer der kundigsten britischen Beobachter der weltweiten Krise, vollkommen zu Recht, dass Angela Merkel (und andere Regierungen Eurolands) sehr wohl fest entschlossen ist, Anleger ein Teil des Risikos ihrer Investitionen in irische, griechische oder andere wackelige Staatsanleihen tragen zu lassen. Aber das wird nicht in der Panik eines allgemeinen Krachs geschehen, sondern von den Staaten geplant und unter Ausnutzung eines Mini-Krachs, der sicherlich kommen wird. So haben souveräne Staaten mit einer starken demokratischen Legitimation schon immer ihre Verschuldungsprobleme gelöst.

(26) Nach unseren Analysen ist davon auszugehen, dass es Regierungen sein werden, die von der Bankenlobby so unabhängig sein werden, wie dies seit den neunziger Jahren nicht mehr der Fall war.

(27) Das wäre sozusagen Wertberichtung von Bilanzpositionen im Ersatzvollzug.

Jeudi 16 Décembre 2010
LEAP/E2020
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