LEAP/E2020-Warnung für Juli bis Dezember 2008: Die Schockwellen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise schlagen über uns zusammen


- Pressemitteilung des GEAB vom 18. Juni 2008 (Sommerausgabe - 33 Seiten!)-



LEAP/E2020-Warnung für Juli bis Dezember 2008: Die Schockwellen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise schlagen über uns zusammen
In dieser Sommerausgabe 2008 lancieren wir einen Warnruf für die Zeit vom Juli bis Dezember 2008. Denn LEAP/E2020 ist nunmehr davon überzeugt, dass in den kommenden Monaten die gesamte Welt von den Schockwellen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise erfasst werden wird. Das folgende Semester ist damit die Kernphase der aktuellen Krise. Die Turbulenzen der vergangenen zwölf Monate waren insoweit lediglich ein schwacher Vorgeschmack.

Index Verbrauchervertrauen in den USA (1978 bis Mai 2008)  - Quelle:  Briefing.com / Conference Board
Index Verbrauchervertrauen in den USA (1978 bis Mai 2008) - Quelle: Briefing.com / Conference Board
Denn im kommenden Halbjahr werden alle Elemente der Krise (Finanzen, Geldpolitik, Wirtschaft, Geopolitik, Politik...) sich gegenseitig aufschaukeln. Wir wollen nicht erneut auf die einzelnen Sequenzen der Krise, die wir bereits in vorhergehenden Ausgaben des GEAB vorgestellt haben, zurück kommen (1). Vielmehr wollen wir in dieser Ausgabe die Entwicklungen der folgenden sechs Monate in den großen Weltregionen vorstellen. Dafür werden wir acht entscheidende Tendenzen des nächsten Halbjahrs beschreiben, die die Weichen für die Jahre 2009 und 2010 stellen:

1. Der Absturz des Dollars setzt sich fort (1 Euro = 1,75 USD bis Ende 2008) : Die Angst vor dem Zusammenbruch des Dollars und der US-Wirtschaft zernagt den amerikanischen Kollektiv-Optimismus

2. Das globale Finanzsystem: Die Washingtoner Gängelungsversuche zerstören das System

3. Europäische Union: Die Randstaaten rutschen in die Rezession, während der Kern der Eurozone nur eine Abschwächung hinnehmen muss

4. Asien: Der Doppelschlag von Inflation und Exporteinbruch

5. Latein-Amerika: Zunehmende Schwierigkeiten, aber weiterhin Wachstum für die überwiegenden Staaten der Region; Mexiko und Argentinien hingegen in der Krise

6. Arabische Staaten: Die pro-westlichen Regierungen am Rande des Abgrunds / Risiko für eine politische und soziale Explosion von Ägypten bis Marokko bei 60%

7. Iran: Bestätigung einer 70%-igen Wahrscheinlichkeit eines Angriffs bis spätestens Oktober 2008

8. Banken und Spekulationsblasen: Die Blasen prallen aufeinander

Gleichzeitig stellen wir in dieser Sommerausgabe GEAB 26 fünf strategische Empfehlungen vor, die wir während der letzten Monate erarbeitet haben. Sie sollen den Zentralbanken, den Regierungen und den Aufsichtsbehörden für Banken und Behörden helfen, die schweren Auswirkungen der Aufprallphase der Krise zu begrenzen und zu kanalisieren.

Für Privatinvestoren legen wir eine Reihe von acht praktischen Ratschlägen vor, mit denen kostspieligen Fehlentscheidungen während der nächsten sechs Monate vorgebeugt werden soll.

In dieser Pressemitteilung wollen wir unsere Vorhersagen über den bevorstehenden Zusammenbruch des globalen Fianzsystems vorstellen.

Das globale Finanzsystem: Die Washingtoner Gängelungsversuche zerstören das System

Wer ist Eigentümer der US-Schulden ? – Quelle: Fincher
Wer ist Eigentümer der US-Schulden ? – Quelle: Fincher
Indem die US-Regierung Ben Bernanke an die Propagandofront für einen starken Dollar schickt, risikiert sie, dass das globale Finanzsystem auseinander bricht (2).

Denn Ben Bernanke ist die letzte Verteidigungslinie des Dollars. Er allein besitzt noch ein Vertrauensguthaben bei den großen Gläubigern der USA. Wenn das Vertrauen auch in ihn und seine Fähigkeit, den Dollar zu stützen, verschwunden sein wird, wird die Flucht aus dem Dollar massiv einsetzen. Anfang 2006 begann Washington eine Politik der Dollarschwäche mit dem Ziel, das US-Außenhandelsdefizit zu reduzieren und den Wert ihrer (in Dollar ausgewiesenen) Auslandsschulden abzuschmelzen. Diese Politik hat sich inzwischen als große Gefahr für die USA herausgestellt, da die bewusste Überschwemmung der Finanzmärkte mit US-Dollar bei den Gläubigern eine Flucht aus ihren Dollarwerten ausgelöst hat. Inzwischen fließt Kapital aus den USA ab, das Außenhandelsdefizit stagniert auf hohem Niveau und die Inflation hat stark angezogen. Bernanke ist die letzte Trumpfkarte Washingtons in dem psychologischen Kartenspiel über die Zukunft des Dollars. Dass Washington sie ausspielen musste, beweist, dass Washington nun seine letzten Mittel einsetzt, um seine Partnerländer in einem Finanzsystem zu halten, das sie 1944 erschufen und dessen Stützpfeiler die US-Wirtschaft und der Dollar waren (3).

Wenn in einigen Wochen, insbs. nach den Treffen der G8 und anderer internationaler Organisationen deutlich sein wird, dass keine konzertierte internationale Aktion mit dem Ziel einer Stabilisierung der US-Währung möglich sein wird (und von dieser Schwachsinnsidee einer Stärkung des Dollars wollen wir erst gar nicht reden), weil die US-Wirtschaft dann noch weiter in die Rezession geschlittert sein wird, die Welt in Dollar ertrinkt und niemand weiß, wie die Flut endlich eingedämmt werden kann, dann wird das globale Finanzsystem in verschiedene Teilsysteme auseinanderbrechen, die jedes für sich zu überleben versuchen werden, bis sich ein neues globales Gleichgewicht auf den Finanzmärkten herausgebildet haben wird (4). Mit seinen untauglichen Versuchen, den Dollar gesund zu beten, hat Ben Bernanke, sicherlich ohne es zu wollen, dem aktuellen globalen Finanzsystem einen tödlichen Schlag versetzt. Mit der « Rückkehr zu einem starken Dollar » ist es wie mit der « Befreiung des Iraks ». Eine Maßnahme, die die Amerikaner als positiv verkaufen wollten, entwickelt sich zu einem Alptraum.

Die auf dem Kopf stehende globale Liquiditätspyramide - Quelle : Banque des Réglements Internationaux / Independent Strategy
Die auf dem Kopf stehende globale Liquiditätspyramide - Quelle : Banque des Réglements Internationaux / Independent Strategy
Wenn Washington wirklich die Absicht hätte, den Dollar zu stabilisieren, oder, noch ehrgeiziger, ihn im Verhältnis zu den anderen Weltwährungen wieder zu stärken, dann gäbe es dafür nur eine Möglichkeit, die zwei Unterelemente enthalten müsste : Ein massives Erhöhen der Leitzinsen der US-Zentralbank und ein abruptes Ende der schrankenlosen Geldschöpfung. Wenn die US-Regierung und die Zentralbank diesen Weg beschreiten wollten, würde die US-Wirtschaft, sowohl die Real- als auch die Finanzwirtschaft, in den folgenden Wochen zum Erliegen kommen. Der Immobilienmarkt würde mangels bezahlbarer Kreditekonditionen vollständig zusammenbrechen, der Privatverbrauch wegen der gestiegenen Zinsen für Verbraucherkredite und Kreditkartenschulden einbrechen, die Zahl der Unternehmensinsolvenzen explodieren, Wall Street unter der Last seiner Schulden zusammen brechen und an der durch die Zahlungsaussfälle ausgelösten sofortigen Implosion des Credit Default Swaps- Marktes zugrunde gehen...

Diese Folgen, die im Fall einer entschlossenen amerikanischen Politik zu Gunsten des Dollars unvermeidlich wären, sind zweifelsohne für die US-Regierung nicht hinnehmbar. Deshalb werden sie ihr Engagement für den Dollar darauf beschränken, Lippenbekenntnissse abgeben und sich weiter lächerlich zu machen. Was in den letzten Jahrzehnten zur Methode wurde, funktioniert heute nicht mehr : Heute findet sich keine Zentralbank mehr, die bereit wäre, in großem Stil Dollar zu kaufen, um die US-Währung zu stärken ; es sei denn, die US-Regierung wäre bereit, durch Zinsanhebung und Sparkurs zu beweisen, dass sie vor allen anderen bereit ist, zu Gunsten eines starken Dollars Opfer zu bringen. Aber da Washington untätig bleiben wird, wird der Rest der Welt die notwendige Schlussfolgerung ziehen : Rette sich wer kann. Dabei darf man nicht vergessen, dass ab der zweiten Augusthälfte Peking auch nicht mehr unter dem Druck steht, die Olympischen Spiele zu einem Erfolg zu führen. Damit werden viele « brutale » Optionen (5) der chinesischen Regierung, die bisher mit Warten auf die Olympischen Spiele aufgeschoben wurden, mit einem Mal wieder sehr wahrscheinlich werden (6).

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Noten:

(1) Für einen detaillierten Kalender dieser Sequenzen verweisen wir auf die 18. Ausgabe des GEAB

(2) Übrigens äußert inzwischen auch die Bank für Internationalen Zahlungsverkehr Sorgen über die Risiken einer weltweiten Great Depression. Quelle: Banking Times, 09.06.2008

(3) Quelle : Euro Pacific Capital, 23.05.2008

(4) Vergleiche hierzu in dieser Ausgabe des GEAB die Ratschläge von LEAP/E2020 an die Zentralbanken, die Regierungen und die nationalen Banken – und Börsenaufsichtsbehörden.

(5) Quelle: ContreInfo, 21.04.2008

(6) Und da nunmehr Russland sich auf den Platz des wichtigsten Rohölproduzenten der Welt vor Saudi-Arabien schieben konnte, werden sich auch die Machtverhältnisse auf dem Ölmarkt sehr schnell verschieben. Quelle: Times of India, 12.06.2008

Mercredi 18 Juin 2008
Marie-Helene Caillol
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