Umfassende weltweite Krise: Vermögen im Scheinwert von 15.000 Milliarden Dollar... in den Stürmen des Herbsts 2011 vom Winde verweht


- Pressemitteilung des GEAB vom 16. Juni 2011 -



Umfassende weltweite Krise: Vermögen im Scheinwert von 15.000 Milliarden Dollar... in den Stürmen des Herbsts 2011 vom Winde verweht
In der 50. Ausgabe des GEAB vom 15. Dezember 2010 sagte LEAP/E2020 die Explosion der Staatsschulden der westlichen Staaten für das zweite Halbjahr 2011 voraus. Wir beschrieben damals eine Entwicklung, die von der Schuldenkrise der europäischen Staaten (1) ihren Ausgang nehmen würde und anschließend mit ihrer zerstörerischen Wirkung den Markt für US-Anleihen (2), Grundlage des internationalen Finanzsystems, erschüttern würde. Heute, kurz vor Beginn des zweiten Halbjahrs 2011, stellen wir in dieser 56. Ausgabe des GEAB fest, dass die Weltwirtschaft von Panik ergriffen ist (3), das internationale Währungssystem zusammenzubrechen droht (4) und an den Finanzmärkten die Verzweiflung um sich greift (5). Die tausenden Milliarden öffentlicher Gelder, die die Regierungen in die Wirtschaft gepumpt haben, um genau diese Situation zu vermeiden, sind, jedenfalls was die Realwirtschaft anbelangt, wirkungslos verpufft. Nachdem die Regierungen sich etwas mehr als ein Jahr abgemüht haben, das Problem mit unvorstellbaren Massen an Geld zuzuschütten, steigt heute wieder das Grundproblem des globalen Finanzsystems und insbesondere des Finanzsystems der westlichen Staaten an die Oberfläche auf – seine Insolvenz.

Wir hatten 2009 überschlägig berechnet, dass etwa 30.000 Milliarden US-Dollar des weltweiten Kapitals reines Scheinvermögen ist, nichts weiter als Zahlen auf Papier oder elektronischen Datenträgern. Die Hälfte dieser Summe löste sich in den sechs Monaten von September 2008 bis März 2009 in Rauch auf. Wir gehen nun davon aus, dass sich von Juli 2011 bis Januar 2012 die zweite Hälfte des globalen Scheinkapitals, also weitere 15.000 Milliarden, verflüchtigt. Und in dieser Phase des globalen finanziellen „Downgrading“ werden, im Gegensatz zu 2008/2009, als nur private Banken und Investoren bankrott gingen, auch Staaten und ihre Anleihen betroffen sein. Um sich eine Vorstellung von dem Ausmaß der bevorstehenden Finanzkatastrophe zu machen, ist es hilfreich zu wissen, dass nun sogar amerikanische Banken sich bemühen, ihre Anlagen in und die Nutzung von US-Staatsanleihen zu begrenzen. Denn auch sie fürchten inzwischen das Risiko einer Insolvenz der US-Bundesregierung (6).

Die Investoren und Banken der internationalen Finanzwelt werden im Herbst 2011 erleben, wie unter ihren Füßen förmlich der Boden wegbrechen wird; denn der Markt für US-Staatsanleihen, Basis des internationalen Finanzsystems, wird zusammenbrechen (7).

Entwicklung der Schulden der US-Bundesregierung und Prognosen (2000-2016) (in Milliarden USD) - Quellen: US Treasury/ Berruyer / GEAB, 06/2011
Entwicklung der Schulden der US-Bundesregierung und Prognosen (2000-2016) (in Milliarden USD) - Quellen: US Treasury/ Berruyer / GEAB, 06/2011
In dieser 56. Ausgabe des GEAB behandeln wir zwei grundlegende Aspekte des im Herbst 2011 bevorstehenden Schocks:

- Der Zünder Mechanismus der europäischen öffentlichen Verschuldung
- Von der Explosion der US-Schuldenbombe

Weiterhin stellen wir angesichts der Beschleunigung des Prozesses der Neuordnung der globalen Gleichgewichte unsere Vorhersagen zu einem entscheidenden Meilenstein auf dem Weg zur Schaffung einer neuen Weltordnung vor, nämlich ein Euro-BRICS -Gipfeltreffen bis 2014.

Und letztlich konzentrieren wir unsere Empfehlungen auf Maßnahmen, die unseren Lesern helfen sollen zu vermeiden, dass auch ihr Vermögen betroffen sein wird, wenn in den nächsten Monaten 15.000 Milliarden Scheinkapital verschwinden; insbesondere widmen wir uns hierbei dem Markt für Wohnimmobilien in den westlichen Staaten, für den wir von 2012 bis 2015 und noch darüber hinaus massive Preisrückgängen vorhersehen.

Struktur der Aktiva der Europäischen Zentralbank (rot: Asset backed securities/ hellblau: öffentliche Anleihen/ grün: Bankanleihen/ dunkelblau: Unternehmensanleihen/ beige: andere Sicherheiten) - Quellen: Spiegel / BCE, 05/2011
Struktur der Aktiva der Europäischen Zentralbank (rot: Asset backed securities/ hellblau: öffentliche Anleihen/ grün: Bankanleihen/ dunkelblau: Unternehmensanleihen/ beige: andere Sicherheiten) - Quellen: Spiegel / BCE, 05/2011

Der Zünder Mechanismus der europäischen öffentlichen Verschuldung

Seit nunmehr anderthalb Jahren, seit die Financial Times in den ersten Artikeln vom Dezember 2009 über die griechische Schuldenkrise schrieb, die umgehend zur sogenannten Euro-Krise aufgebauscht wurde, eifern die angelsächsischen Investoren, Fonds und Banken dem berühmten Zauberlehrling aus Goethes Gedicht nach. Wir kommen hier nicht auf die Einzelheiten dieser beachtlichen, von Wall Street und Londoner City gesteuerten Desinformationskampagne zurück (8), da wir darüber in den verschiedenen Ausgaben des GEAB ausführlich berichtet haben. Wir weisen lediglich darauf hin, dass nunmehr 18 Monate ins Land gegangen sind und es dem Euro immer noch recht blendend geht, während der Dollar im Verhältnis zu den großen Weltwährungen weiter an Wert verliert; und dass alle, die auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone gesetzt hatten, viel Geld verloren haben. Wie wir vorhergesehen hatten, ermöglicht die Krise das Entstehen eines neuen Souveräns, nämlich Euroland; damit wird es den Mitgliedstaaten der Eurozone möglich werden, den Herbststürmen 2011 viel besser zu trotzen als dies Japan, den USA oder Großbritannien möglich sein wird (9). Euroland wird nicht explodieren, aber es wird, ohne es gewollt zu haben, die Explosion der US-Schuldenbombe verursachen.

Die Propaganda (10) gegen den Euro, der Euroland mit einer einzigen Pause von wenigen Wochen (11) nun seit so langer Zeit ausgesetzt ist, und die damit scheinbar hervorgerufene Eurokrise haben drei wichtige Ereignisse gezeitigt, von denen zwei wesentlich anders ausgefallen sind als dies Wall Street und die Londoner City erwartet hatten:

1. In den ersten Monaten, also von Dezember 2009 bis Mai 2010 wurde der Ruf des Euros als besonders stabile Währung massiv beschädigt, den er sich in der Krise 2007/2008 erworben hatte, als der Euro relativ unbeschadet die Finanzkrise überstand und auch die Wirtschaft der Eurozone vor ihren verheerenden Auswirkungen zu schützen vermochte. In der Abfolge von Artikeln und Experteninterviews wurden Zweifel an der Nachhaltigkeit der Gemeinschaftswährung geweckt und insbesondere die Rolle des Euros als Alternative zum Dollar oder gar als sein Kronprinz für die Funktion der internationalen Leitwährung in Frage gestellt.

2. In einer zweiten Phase von Juni 2010 bis März 2011 sahen sich die Regierungen der Euroländer gezwungen, unverzüglich eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung und zum Schutz der Gemeinschaftswährung zu ergreifen. Natürlich hätten diese Maßnahmen schon mit Einführung des Euros ergriffen werden müssen. Damals fehlte es am erforderlichen politischen Willen. Nun schuf die angelsächsische Propaganda und die Angst vor einer tatsächlichen Eurokrise diesen politischen Willen in Europa und hat damit dem Prozess der europäischen Integration neues Leben eingehaucht. Euroland ist nunmehr zum Vorreiter der weiteren Entwicklungen in Europa geworden, wodurch Großbritannien als Nichteuroland noch weiter an den Rand der EU gedrängt wurde (12). Gleichzeitig motivierte die Krise die BRICS, allen voran China, Euroland gegen diese Attacken beizustehen. Denn nach einer kurzen Phase des Zögerns erkannten die BRICS zwei wesentliche Dinge: Zum einen, dass die Europäer bereit waren, den Euro mit Zähnen und Klauen zu verteidigen; zum anderen, dass die hartnäckigen Versuche der Londoner City und der Wall Street, sich des Konkurrenten zum Dollar zu entledigen, den Beweis darstellten, dass der Euro eine echte Alternative zum Dollar und damit einen Ausweg aus der dollar- und USA-dominierten Welt bieten konnte (13).

3. In einer letzten Phase vom April 2011 bis zum September 2011 zwingt die Krise die Eurozone, auch die Privatinvestoren zur Lösung der griechischen Staatschuldenkrise heranziehen, wobei zur Zeit noch diskutiert wird, ob die Privatinvestoren sich „freiwillig“ an einer Umschuldung beteiligen, indem sie z.B. einer Laufzeitverlängerung zustimmen (oder in einer anderen Form weniger Profit als ursprünglich angenommen aus den griechischen Schulden erzielen) (14).

Natürlich war das erste Ergebnis eines der wesentlichen Ziele, die Wall Street und die Londoner City verfolgten (neben dem weiteren Anliegen, von den massiven amerikanischen und britischen Problemen abzulenken). Die beiden anderen laufen ihren eigentlichen Zielen jedoch diametral konträr. Statt den Euro und seine Attraktivität als Weltwährung zu schwächen, haben sie zu seiner Stärkung beigetragen.

Und eine vierte Phase steht dabei noch aus. Denn bis Anfang 2012 (15) wird Euroland ein System geschaffen haben, dass die Ausgabe von Euro-Anleihen ermöglicht (16), womit eine gemeinsame Haftung aller Euroländer für einen gewissen Anteil der von ihnen ausgegebenen Schulden eingeführt würde. Darüberhinaus wird der politische Druck (17) auf Privatinvestoren und Banken wachsen, bei dem Prozess der Restrukturierung (18) der Schulden der Euroland-Randstaaten einen größeren Beitrag zu leisten (19).

Entwicklung der griechischen Schulden und ihre Struktur (2011-2015) (in Milliarden €)  (rot: Schulden, die bald fällig werden; grün: Haushaltsdefizit; violette: EU-Kredite; braun: IWF-Kredite; blau: weitere) - Quellen: Le Figaro / SG CIB, 05/2011
Entwicklung der griechischen Schulden und ihre Struktur (2011-2015) (in Milliarden €) (rot: Schulden, die bald fällig werden; grün: Haushaltsdefizit; violette: EU-Kredite; braun: IWF-Kredite; blau: weitere) - Quellen: Le Figaro / SG CIB, 05/2011
Und mit dieser vierten Phase wird das Euro-Problem von Europa in die USA überschwappen und dort die Bombe der US-Schulden zur Explosion bringen. Denn zum einen haben Wall Street und die Londoner City und die ihnen ergebenen Medien mit ihren Angriffe gegen den Euro erreicht, dass die Öffentlichkeit für die Problematik der öffentlichen Verschuldung aufs Äußerste sensibilisiert wurde und nun das Ausmaß der auf Dauer erdrückenden Schuldenlast Japans, der USA und Großbritanniens erfasst hat (20). Dadurch wurden sogar die Ratingagenturen, eigentlich treue Wachhunde der beiden weltweit größten Finanzplätze, gezwungen, sich in einen Herabstufungswettbewerb von Staatsschulden zu begeben (21). Damit sind plötzlich auch die US-Staatsanleihen von einer Herabstufung bedroht, einen Schritt, den wir schon vor etlichen Monaten als überfällig bezeichneten, als die große Mehrheit der Finanzexperten ihn noch für unmöglich hielt. Gleichzeitig gerieten Frankreich, Großbritannien, Japan usw. in das Fadenkreuz der Ratingagenturen (22).

Dass die Ratingagenturen heute sich sogar gegen die USA wenden, lässt sich nur damit erklären, dass sie sich ihren eigenen Regeln nicht mehr entziehen können (23). Wenn man den Staat A herabstuft, kann man den Staat B, der in einer identischen Lage steckt, nicht anders behandeln, auch wenn man sich letzterem aus vielerlei Gründen verbunden fühlt. Die „ewige Wahrheit“, nach der gewisse Staaten einfach nicht bankrott gehen können, hat den Ausbruch der Krise gerade einmal drei Jahre überlebt. Jeder Zauberlehrling muss damit rechnen, dass die Geister, die er ruft, sich gegen ihn wenden. Nie hätten sich Wall Street und Londoner City vorstellen können, dass die Hysterie über die Folgen einer griechischen Staatspleite auf ihre eigenen Wirtsländer zurückschlagen würde. Das führt nun dazu, dass im US-Kongress keine Mehrheit für die in den vergangen Jahren schon zur Routine verkommene Anhebung der Schuldenobergrenze zustande kommt und große Teile der Abgeordneten massive Ausgabenkürzungen fordern. In die Grube, die Wall Street und Londoner City dem Euro gruben, wird nun der Dollar fallen. Wieder einmal zeigt sich, dass Geschichte ein besonderes Faible für Ironie hat.

Entwicklung der Industrieproduktion in China (rot) und Indien (grün) (2006-2011) - Quelle: Marketwatch / Factset China / India Stats, 06/2011
Entwicklung der Industrieproduktion in China (rot) und Indien (grün) (2006-2011) - Quelle: Marketwatch / Factset China / India Stats, 06/2011
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Noten:

(1) Dabei ist natürlich ein ganz wichtiger Faktor, dass nunmehr absehbar ist, dass auch die privaten Investoren und damit insbesondere die Banken ihren Beitrag zur Lösung der griechischen Schuldenkrise werden leisten müssen.

(2) Wozu auch die Schulden der US-Gemeinden, - Kreise und –Bundesstaaten zählen.

(3) Die USA stecken erneut in einer Rezession, in Europa, China und Indien schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab. Die Illusion vom globalen Aufschwung hat sich nun als solche entpuppt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die großen Unternehmen angesichts dieser beunruhigenden Lage Liquidität horten; sie wollen einen Liquiditätsengpass wie 2008/2009 vermeiden und nicht auf Banken angewiesen sein, denen selber die Gelder ausgehen werden. Nach unserer Auffassung sollten sich auch kleine und mittlere Unternehmen sowie Privatpersonen überlegen, inwieweit es ihnen möglich ist, den großen Unternehmen nachzueifern. Quelle: CNBC, 06/06/2011

(4) James Saft, bekannter Leitartikler für Reuters und die New York Times, ist nunmehr soweit, ein Ende der Dollarhegemonie herbeizuwünschen. Quelle: Reuters, 19/05/2011

(5) Die Aktienmärkte wissen, dass mit dem Ende des Quantitative Easing der US-Zentralbank das Fest vorbei ist und die Rezession zurückkehrt. Und Investoren stehen vor dem Dilemma, ihr Geld nicht profitabel und risikoarm zugleich anlegen zu können.

(6) Quelle: CNBC/FT, 12/06/2011

(7) Sogar der saudische Prinz Alwaleed äußert inzwischen die Angst vor einer Explosion der „US-Schuldenbombe“. Quelle: CNBC, 20/05/2011

(8) Letztes und aktuelles Beispiel: Die Athener Demonstration vom 4. Juni gegen die Sparpolitik der Regierung konnte noch nicht einmal 1000 Demonstrationen auf die Beine bringen; das hat die angelsächsischen Medien nicht daran gehindert, einen großen Artikel über den Widerstand der griechischen Bevölkerung zu bringen und von tausenden Demonstrationen zu schreiben. Quelle: Figaro, 05/06/2011; Financial Times, 05/06/2011; Washington Post, 06/06/2011

(9) Im Telegraph vom 7. Juni 2011 können wir zum Beispiel nachlesen, dass seit den neunzehnhundertachtziger Jahren Großbritannien 700 Milliarden Pfund mehr ausgegeben als eingenommen hat. Ein großer Batzen dieser Summe ist Teil der 15.000 Milliarden Scheinvermögen, die bald verschwinden werden.

(10) Inzwischen sind die üblichen Mietmäuler der Wall Street offensichtlich so unglaubwürdig geworden, dass Wall Street inzwischen sogar regelmäßig Nouriel Roubini aufbieten muss, um der Fabel vom Ende des Euro einen Hauch an Glaubwürdigkeit zu verleihen. Er kann einem fast leid tun. Er hat zwar die Subprime-Krise vorhergesehen, nicht aber die davon verursachte weltweite Finanzkrise. Und noch nie hat er Vorhersagen getroffen, die weiter als sechs Monate reichten. Nun besteht offensichtlich seine Rolle darin, das Ende des Euro in den nächsten fünf Jahren vorherzusehen – oder auch eine tiefgreifende Reform der Eurozone, mit der die europäische Integration noch verstärkt würde. Wir zitieren seine Vorhersagen nur nach einem Artikel des Figaro vom 14/06/2011, in dem über eine Konferenz in Singapur und Roubinis Beitrag berichtet wird. Wenn man also die Vorhersage kurz zusammen fassen möchte, wird der Euro in fünf Jahren auseinanderbrechen, es sei denn, der Euro wird gestärkt durch den Ausbau von Euroland zu einem neuen „Souverän“. Beindruckende Antizipation! Neben der reißerischen Aufmachung bleibt eigentlich nur festzuhalten: In fünf Jahren (was in Zeiten einer umfassenden Krise ein sehr langer, geradezu unüberschaubarer Zeitraum ist, und auch eine bemerkenswert verlängerte Galgenfrist für den Euro, dem Roubini vor ein paar Monaten nur eine viel geringere Lebensdauer zutraute) kann das eine oder sein Gegenteil passieren. Vielen Dank, das ist eine wirklich sehr hilfreiche Aussage. Es ist natürlich eminent schwierig, gleichzeitig Prospektive betreiben und für Wall Street arbeiten zu wollen. Aber es kann natürlich nichts unversucht bleiben, um die Asiaten davon zu überzeugen, auf keinen Fall ihre Dollaranleihen gegen Anleihen von Euroländern einzutauschen. Aber Erfolg hat diese Strategie nicht.

(11) Aber das scheint nur zu passieren, wenn den angelsächsischen Medien und Experten wirklich gar nichts mehr einfällt, um den Euro herunterzuschreiben.

(12) Wie auch Schweden, dessen Eliten weiterhin in der Welt der Nachkriegsordnung leben, als sie sich dank der Probleme der anderen Länder auf dem Kontinent bereichern konnten. Was Großbritannien anbelangt, versucht die Londoner City weiterhin, sich der Kontrolle der europäischen Behörden zu entziehen, wie man diesem Artikel des Telegraph vom 30/05/2011 entnehmen kann. Das lustigste an diesem Artikel ist das dafür ausgewählte Bild: Eine in Fetzen gerissene EU-Fahne. Dabei ist es doch die Londoner City, die gerade ihre Unabhängigkeit an die EU verliert. Der Verlierer in diesem Konflikt sitzt jenseits des Kanals. Dieser Artikel ist ein wunderbares Beispiel für die Unmöglichkeit, die Ereignisse in Europa durch die Brille der britischen Medien verstehen zu wollen. Selbst der Telegraph stellt insoweit keine Ausnahme dar, auch wenn er grundsätzlich hervorragend über die Krise berichtet.

(13) Deshalb kaufen sie so gerne Anleihen von Euroländern. Quelle: Reuters, 26/05/2011

(14) Quellen: YahooActu, 13/06/2011; Deutsche Welle, 10/06/2011; Spiegel, 10/06/2011

(15) Die Krise wird verhindern, dass Euroland mit dieser Entscheidung bis 2013 warten kann, wenn das Europäische Solidaritätssystem auf den Prüfstand gestellt werden soll.

(16) Gewisse Modelle kursieren, aber diejenigen, deren Umsetzung am wahrscheinlichsten erscheint, gründen auf die Idee von einer zweischichtigen Anleihenausgabe: Ein Teil der nationalen Schulden könnte über Euro-Anleihen abgesichert werden und damit in den Genuss sehr niedriger Zinsen kommen. Dieser Teil dürfte in der Höhe einen gewissen, noch von der Politik festzulegenden Prozentsatz des nationalen BIP nicht überschreiten (40% oder 50% oder 60%). Über eine solche Schuldenhöhe hinaus müssen die Staaten ihre Defizite mit der Ausgabe nationaler Anleihen finanzieren, für die alle Voraussicht nach höhere Zinsen zu zahlen wären. Je höher die Schulden, desto höher die Zinsen.

(17) Er ist sehr bedauerlich, dass sich die internationalen Medien mehr für einige Tausend griechische Demonstranten interessieren, die als Nachweis für den breiten Widerstand in der griechischen Bevölkerung gegen die von Brüssel erzwungen Sparmaßnahmen und die Schwäche der Eurozone herhalten müssen, als für die wahren Erwartungen der Griechen. Die kommen in diesem offenen Brief griechischer Intellektueller zum Ausdruck, die darin nicht etwa Euroland Vorwürfe machen, sondern ihren eigenen politischen und finanziellen Eliten, die nicht in der Lage seien, ihre Zusagen einzuhalten; überhaupt fordern sie, dass das gesamte politische und soziale System Griechenlands endlich auf das Niveau der anderen Euroländer gebracht werde. Quelle: L'Express, 09/06/2011

(18) Was das Konzept der « Restrukturierung » angeht, auf das viel Druckerschwärze und Interviewzeit mit Finanzexperten verwendet wird, möchten wir eine eigentlich selbstverständliche und leicht zu verstehende Präzision beitragen: Es kann kein Zweifel daran geben, dass ein Teil der griechischen Schulden zu den 15.000 Milliarden Scheinvermögen zählen, die sich in den nächsten Monaten in Luft auflösen werden. Unabhängig ob man den Vorgang als „Umschuldung“ oder „Bankrott“ bezeichnet, läuft es darauf hinaus, dass, wie wir schon in vorhergehenden Ausgaben des GEAB schrieben, Euroland die Krise der griechischen Staatsschulden so lösen wird, dass die schwächsten oder exponiertesten Investoren einen erheblichen Teil ihrer Forderungen gegen Griechenland verlieren werden. Denn schließlich befinden wir uns nicht in einem volkswirtschaftlichen Pro-Seminar, sondern in einer Krise, und in einer Krise verlieren viele Leute viel Geld. Und die „Staatsräson“ nimmt auch heute keine Rücksicht auf die Interessen der Kleinen und Schwachen. Wenn es aber soweit sein wird, wird sich das Problem der implodierenden Staatschulden in die USA, nach Großbritannien und Japan verlagern, und niemand wird mehr ein Auge für das haben, was in Griechenland passiert. Denn im Vergleich zu den Summen, die dort verschwinden werden, wiegen die griechischen Schulden nicht schwer: Griechenland 300 Milliarden €, USA 15.000 Milliarden $.

(19) Und die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen den Europäischen Stabilisierungsfonds, die in Kürze verhandelt werden wird, wird, wenn auch nicht damit zu rechnen ist, dass das Verfassungsgericht die Entscheidungen der Regierung und des Bundestags kassieren wird, dennoch den Druck in Deutschland auf die Politik erhöhen, vom privaten Sektor einen Beitrag zu verlangen, also Verluste zu akzeptieren. Quelle: Spiegel, 13/06/2011

(20) Eine einfache Rechnung ermöglicht, sich eine Vorstellung von der unterschiedlichen Dimensionen der griechischen Staatsschuldenkrise und dem, was sich in den USA zusammenbraut, zu machen: Insbesondere die Banken werden bei der Restrukturierung der griechischen Staatsschulden zwischen 10% und 20% der Kosten übernehmen müssen, was sich insgesamt auf zwischen 30 und 60 Milliarden € belaufen wird. Und schon solche Summen treiben den Ratingagenturen den Blutdruck in die Höhe und ihre Beurteilungen der europäischen Banken in die Tiefe. Wie werden sie im Fall der USA reagieren? Die Explosion der US-Schuldenbombe wird bei den Gläubigerbanken und anderen großen Investoren Wertberichtigungen von mindestens der selben Größenordnung erfordern. Nach einer vorsichtigen Schätzungen bedeutet dies Summen zwischen 1500 und 3000 Milliarden $. Das passt auch zu unseren Berechnungen von Scheinkapital in Höhe von 15.000 Milliarden Dollar, dies sich in den nächsten Quartalen verflüchtigen werden.

(21) Aber womit lässt sich die dadurch verursachte Aufregung erklären? Die Ratingagenturen, deren Krediteinstufungen ja auch immer Vorhersagen sein wollen, haben doch bisher noch nie etwas Wichtiges korrekt vorhergesehen – weder die subprime-Krise, noch die weltweite Finanzkrise, auch nicht die Griechenlandkrise oder den arabischen Frühling.

(22) Quellen: Reuters, 08/06/2011; Le Monde, 11/06/2011; FoxNews, 30/05/2011

(23) Und eine wichtige Folge des Verhaltens der Ratingagenturen ist nun, dass die Europäer sich nicht nur anschicken, deren Geschäftsmodell staatlicher Aufsicht zu erstellen, sondern so weit gehen werden, eigene Ratingagenturen zu gründen, die den angelsächsischen Konkurrenz machen werden. Die Chinesen haben es ihnen schon vorgemacht. Ihre Agentur Dagong vertritt die Auffassung, dass der US-Staatsbankrott vor der Tür steht. Wenn Wall Street und die City ihre Monopol der Risikobewertung verlieren, verlieren sie die Fähigkeit, nach Gutdünken Vermögenswerte zu schaffen oder zu vernichten. Quellen: CNBC, 02/06/2011; [YahooNews]urlhttp://ca.news.yahoo.com/china-ratings-house-says-us-defaulting-report-054309883.html, 10/06/2011

Jeudi 16 Juin 2011
GEAB
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