Juni/Juli 2008 – Weitere Beschleunigung der umfassenden weltweiten Krise: Wenn sich das Trugbild von der « Krise unter Kontrolle » verflüchtigt...


- Pressemitteilung des GEAB vom 18. Mai 2008 -



Juni/Juli 2008 – Weitere Beschleunigung der umfassenden weltweiten Krise: Wenn sich das Trugbild von der « Krise unter Kontrolle » verflüchtigt...
Zauberlehrlinge sind dazu verdammt, ihre Fehler zu wiederholen. Weil die Finanzbehörden und großen Banken 2007 versuchten, die Krise der Subprime-Hypotheken, die schon im Februar und März 2007 die Märkte unter Druck gesetzt hatte, als irrelevant, begrenzt und kurzfristig wegzureden (1), brachen die Märkte im Sommer 2007 massiv und nachhaltig ein. Wir werden eine Wiederholung dieses Szenarios in den nächsten Wochen erleben : Die Finanzkrise der Monate Januar bis März 2008 wird sich Anfang des Sommers 2008 verstärken und zu schweren Störungen an den Märkten führen.

In dieser Ausgabe wollen wir daher fünf der aktuell wirksamen Tendenzen analysieren, die ursächlich für den erneuten Krümmungspunkt der Krise, also ihre erneute Beschleunigung, sind (die beiden weiteren Tendenzen – Europa und Asien – werden Gegenstand der 26. Ausgabe des GEAB sein).

Immobilien: Die Talsohle ist noch immer nicht erreicht
Die weltweite Finanzblase: Die Inflation zieht an
Die US-Wirtschaft: Die Rezession verstärkt sich
Die Defizite in den öffentlichen Haushalten der USA: Sie sind wieder da
Der Dollar: Eine Erholung, die es nicht gibt
Europa: Abkoppelung bestätigt – Euroland relativ immun / Großbritannien in Rezession
Asien: Massive Wirtschaftsabschwächung steht bevor

Wir machen übrigens schon hier darauf aufmerksam, dass wir in dieser Angabe strategische und praktische Empfehlungen vorlegen, die hilfreich dabei sein sollen, den schwierigen Sommer 2008 zu überstehen (abonnement.

In dieser Einführung wollen wir erklären, warum die erneute « Euphorisierung » der Marktteilnehmer dazu beitragen wird, dass der bevorstehende Einbruch der Märkte schlimmer ausfallen wird als nötig.

Obwohl täglich den Medien zu entnehmen ist, dass die Krise weiter wütet (Verluste der Banken, weitere Wertberichtigung und Abschreibungen in ihren Bilanzen (2), Häufung der Konkurse von Mittelstandsbanken insbs. in den USA (3), zunehmend heiklere finanzielle Situation der großen Versicherungskonzerne (4) weitere Einbrüche bei den Immobilienpreisen (5), Übergreifen der Kreditkrise auf die Realwirtschaft und die Volkswirtschaften außerhalb der USA (6), weiterer Wertverlust des Dollars (7), Abschwächung der Wirtschaftsentwicklung in Europa (8) usw.), wollen die Finanzbehörden, die großen Banken und die internationalen Medien der allgemeinen Öffentlichkeit einreden, die Krise sei unter Kontrolle.

Da die Realität sich ihrem Einfluss entzogen hat, bleibt diesen « Zauberlehrlingen » nur noch Psychologische und Manipulation als Mittel, die Krise im Zaum zu halten (Damit stehen der Krise noch schöne Tage bevor. Denn die Krise ist kein virtuelles Phänomen. In der Virtualität scheinen sich aber Zentralbanker, Investmentbanker und Finanzjournalisten am liebsten zu tummeln, um die Wirklichkeit ignorieren zu können.) Die großen Banken konnten die « Euphorisierungsphase » nutzen, um ihre Verluste, sowohl vergangene als auch noch ausstehende (die die Verluste der Vergangenheit noch übertreffen werden (9)), dank Kapitalerhöhungen (10) auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

US-Immobilien: die Talsohle wird einfach nicht erreicht – Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien in den 20 größten Städten der USA von Januar 2000 bis Februar 2008 - Quelle: S&P Case-Shiller
US-Immobilien: die Talsohle wird einfach nicht erreicht – Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien in den 20 größten Städten der USA von Januar 2000 bis Februar 2008 - Quelle: S&P Case-Shiller
Jedoch sind im Gegensatz zum letzten Jahr die Marktteilnehmer nicht mehr so leichtgläubig und nur schwer zu bewegen, erneut ins Investitionskarussell einzusteigen. Das ist nach unserer Auffassung ein wesentliches psychologisches Element, das die Wirklichkeit prägen wird. Es wird die schweren Folgen der Krise noch verstärken, wenn sich zu Anfang des Sommers 2008 das Trugbild von der angeblich « kontrollierten Krise » verflüchtigen wird.

Denn das globale Finanzsystem und insbs. die USA setzen hier alles aufs Spiel. Allerdings sind wir nicht in der Lage, eine Aussage darüber zu machen, ob die handelnden Personen sich über dieses Risiko im Klaren sind. Das Vertrauen der Märkte in die US-Zentralbank und in die großen Banken ist heute sehr gering (von der US-Regierung ganz zu schweigen). Die Marktteilnehmer, ob Privatinvestoren, simple Sparer oder Staatsfonds) sind misstrauisch geworden und stellen sich die Frage, ob man nicht versucht, sie zu manipulieren. Wenn sie in einigen Wochen unvermeidlicher Weise feststellen nwerden, dass ihr Verdacht begründet war und dass die « kontrollierte » Krise mit frischen Kräften schlimmer als vorher wütet, wird eine Panik an den Finanzmärkten nicht zu vermeiden sein. Denn in der Massenpsychologie gibt es nichts Schlimmeres als das kollektive Gefühl, bewusst getäuscht worden zu sein.

Da das ganze System nur dank des Vertrauens funktionieren kann, dass die Sparer und Investoren ihren Banken einräumen, wenn sie ihnen ihre Einlagen überlassen oder ihr Vermögen zur Verwaltung anvertrauen, bricht das System zusammen, wenn Sparer und Investoren plötzlich ihre Einlagen abziehen, Investoren ihre Depots auflösen, und alle versuchen, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Die Finanzmärkte würden in nur wenigen Tagen um 20% einbrechen. Dies ist sicherlich der Alptraum für die Zentralbanken im allgemeinen und die US-Fed und die Bank of England im besonderen. Denn die amerikanischen und britischen Volkswirtschaften hängen in besonderem Maße von den Aktienmärkten ab. Aber paradoxer Weise bahnen sie mit ihren Versuchen, die Krise zu ignorieren, den Weg für eine Krise, die noch brutaler wüten wird.

Denn im Gegensatz zu dem, was sie behaupten, und was sie vielleicht sogar selber glauben, ist die Talsohle noch lange nicht erreicht, bzw. wenn sie erreicht zu sein scheint, geht kurze Zeit später der Abstieg in ein noch tieferes Tal weiter (11). Es ist ziemlich ironisch, dass heute die, die von einer Finanzwirtschaft ohne Grenzen für Profite und Margen sangen, heute in einem Prozess gefangen sind, in dem Grenzen nach unten nicht mehr zu existieren scheinen, in dem Verluste nicht mehr beziffert werden können, weil die Marktpreise für ihre Aktiva im freien Fall sind, und in dem das einzige, das steil nach oben geht, die Energie- und Lebensmittelpreise sind. Aber ist nicht Ironie die einzige treibende Kraft der Geschichte, über deren Bedeutung keine Zweifel bestehen?

Tragisch hingegen ist die Tatsache, dass für Milliarden Menschen die Lasten des tägliche Lebens schwerer zu tragen sind, insbs. für die Millarden Menschen, die nicht mehr wissen, womit sie ihr tägliches Brot bezahlen sollen, weil die Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel über ihre finanzielle Kraft gehen; dass Millionen Immobilienkäufer der letzten Jahre in den USA, Großbritannien und Spanien auf Häusern und Wohnungen sitzen, deren Wert mit jedem Tag abnimmt; und dass Millionen Menschen in den nächsten zwölf Monaten ihre Arbeit verlieren werden.

Einschätzung der öffentlichen Meinung über den Zustand der US-Wirtschaft (Dezember 2006 bis April 2008) Quelle: Washington Post/ABC News
Einschätzung der öffentlichen Meinung über den Zustand der US-Wirtschaft (Dezember 2006 bis April 2008) Quelle: Washington Post/ABC News
« Musste man Bear Stearns um den Preis geldpolitischen Abenteurertums retten? » ist die Frage, die sich heute Finanzexperten stellen sollten. « Wie kann man zig-Millionen Menschen helfen, deren Lebensgrundlagen die Krise gerade am Zerstören ist », wird bis Sommer 2008 die entscheidende Frage für Politiker und Wirtschafts- und Finanzexperten sein. Wenn wir die Realitätsferne sehen, die bei den Entscheidern an den Schaltstellen der Macht herrscht ; wenn wir sehen, dass die Mächtigen dieser Welt die Manipulation der Bürger für höchste Staatskunst halten : Dann machen wir uns wenig Hoffnungen, dass die Regierenden eine Antwort auf die zweite Frage zu geben in der Lage wären. Trotzdem bleibt diese Frage die entscheidende; noch kann eine Antwort gegeben werden, auch wenn das zeitliche Fenster für wirksame Maßnahmen allmählich sehr klein wird.

In der nächsten Ausgabe des GEAB vom Sommer 2008 werden wir im Detail für alle Weltregionen die Aussichten für das zweite Semester 2008 beschreiben sowie die zur Verfügung stehenden Maßnahmenoptionen, und zwar aufbereitet nach Regionen, nach Wirtschaftsbereichen und nach Vermögenskategorien.

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Noten:

(1) Damals prägten wir dafür den Begriff der « Euphorisierung der Marktteilnehmer »

(2) Beinahe jeden Tag muss eine amerikanische, europäische oder asiatische Bank Verluste oder Gewinneinbrüche in Milliardenhöhe bekanntgeben, so z.B. nur innerhalb der letzten fünf Wochen: Citigroup (Quelle: Bloomberg, 18.04.2008), UBS (Quelle: New York Times, 07.05.2008), Crédit agricole (Quelle: France24, 13.05.2008), HSBC (Quelle: ICWales, 12.05.2008), Lehman Brothers (Quelle: Financial Post, 17.04.2008), Deutsche Bank (Quelle: International Herald Tribune, 29.04.2008), Mizuho Bank (Quelle: India Times, 11.04.2008), Royal Bank of Scotland (Quelle: Financial Week, 28.04.2008), usw… die umfassende Liste wäre sehr lang.

(3) Bereits drei Bankenkonkurse in drei Monaten in den USA; dabei nicht mitgezählt sind Bear Stearn (von JP Morgan mit dem Geld der US-Zentralbank gekauft und somit vor dem Konkurs gerettet) und Countrywide (die ihr großer Retter Bank of America nun offensichtlich nicht mehr so gerne kaufe möchte). Quellen: CNNMoney, 12.05.2008 und BusinessWeek, 06.05.2008.

(4) Wir hatten es ja bereits seit mehrer Monaten vorhergesagt: Die großen Versicherungskonzerne müssen nun allmählich auch einräumen, dass sie wegen der Krise beträchtliche Verluste machen. In den letzten Wochen ging es mit AIG, dem Weltführer, und State Street (der die Insolvenz droht) los. Aber sie sind lediglich die ersten in einer langen Liste. Denn wie die Banken sind die Versicherungskonzerne in die Zwickmühle von Abschreibungen und zunehmenden Privatinsolvenzen ihrer Kunden geraten. Quellen: CNNMoney,09.05.2008 und DowJones/EfinancialNews, 08.05.2008.

(5) Der Preis für Wohnimmobilien gab im Durchschnitt im ersten Quartal 2008 in den USA um 7,7% nach, also der größte Einbruch seit Beginn der Statistiken vor 29 Jahren. Und in Großbritannien befürchtet die Regierung, dass die Immobilienpreise um mindestens 10% nachgeben werden. Quellen: Bloomberg, 13.05.2008 und Telegraph, 14.05.2008.

(6) Für weitere Details wird die Lektüre des hervorragenden Artikels von Ambrose Evans-Pritchard im Telegraph 13.05.2008 empfohlen.

(7) Die Zentralbank von Atlanta hat in ihrer Verlautbarung vom 7.05.2008 bekannt gegeben, dass der US-Dollar im April im Verhältnis zu allen großen Weltwährungen auf sein historisch niedrigstes Niveau gesunken ist. Es handelt sich dabei nicht nur um eine Schwäche des Dollars gegenüber dem Euro, sondern vielmehr um einen Wertverlust des Dollars im Vergleich zu allen großen Währungen. Quelle: Federal Reserve Bank of Atlanta, 07.05.2008

(8) Quelle: Europäische Kommission, 28.04.2008

(9) Wie es vor kurzem David Rubinstein, der Chef der Carlyle Group, hervorgehoben hat. Quelle: Bloomberg, 12.05.2006

(10) Wie z.B. Washington Mutual (Quelle: La Tribune vom 08.04.2008), Citigroup (Quelle: BBC News vom 29.04.2008), Royal Bank f Scotland (Quelle: SkyNews vom 22.04.2008) und noch viele andere wie Société Général, UBS... und noch weitere, die in den letzten Monaten dank der Kapitalspritzen von Staatsfonds ihre Kasse vorübergehend auffrischen konnten. Da ist es natürlich klar, dass solchen Operationen der Anstrich verliehen wird, es handele sich hier um hervorragende Investitonsmöglichkeiten, die man nicht vermissen sollte… in ein paar Monaten dürfte sich die Situation anders darstellen.

(11) Das bezeichnendste Beispiel ist zur Zeit der US-Immobilienmarkt, auf dem die Preise immer weiter nachgeben, aber die Rezession potentielle Käufer abhält, von den niedrigeren Preise zu profitieren, während die Banken, die bereits viel zu viele zwangsvollstreckte Häuser in ihrer Büchern stehen haben, immer weniger Kredite an potentielle Immobilienkäufer auszugeben bereit sind. Damit geben die Preise noch weiter nach, was die Banken zu weiteren Wertberichtigungen zwingt, verhindert, dass Privathaushalte Hypothekenkredite auf den gesteigerten Wert ihres Hauses aufnehmen können, die Ausgaben im Immobilienbereich, ein Schlüsselsektor der US-Wirtschaft, zum Erliegen kommen läßt, die Steuereinkommen der Staaten und Kommunen schmälert und bei potentiellen Käufern die Hoffnung weckt, die Preise könnten noch weiter sinken und also Warten mit dem Hauskauf angesagt sein, wodurch die Preise noch weiter sinken... Damit wird jede vermeintliche Talsohle nur eine Etappe auf dem weiteren Abstieg, auf dem sich Verbraucher, Banken, Unternehmen und öffentliche Haushalte immer steiler hinabbewegen. Wir gehen davon aus, dass dieser Teufelskreis zumindest noch bis Ende 2009 anhalten wird.

Dimanche 18 Mai 2008


GEAB N°46 - Zusammenfassung

- 17. Juni 2010 -

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Der GlobalEurometer - Ergebnisse & Auswertung
Und die Befragten sind – was beim GlobalEurometer sehr selten ist – einstimmig der Auffassung, dass Asien und die EU eigentständige Rating-Agenturen gründen sollten, um somit von der Willkür von Moody’s, Fitch und Standard&Poor unabhängig zu werden… (Seite 31)
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