Umfassende weltweite Krise/ September 2008 - Zusammenbruch der amerikanischen Realwirtschaft


- Pressemitteilung des GEAB vom 18. Februar 2008 -



Umfassende weltweite Krise/ September 2008 - Zusammenbruch der amerikanischen Realwirtschaft
Nach Auffassung von LEAP/E2020 wird sich im dritten Quartal 2008 der Ablauf der umfassenden weltweiten Krise noch einmal deutlich beschleunigen. Denn in diesen Monaten überlappen sich alle Sequenzen der Krise (vgl. untenstehende Übersicht), ihre Folgen schaukeln sich gegenseitig hoch und lassen die Krise am deutlichsten spürbar werden. Im Quartal 2008 wird die Krise die Grundfesten der internationalen Wirtschaftsordnung angreifen und natürlich ganz besonders in den USA - dem Epizentrum der derzeitigen Krise - wüten. In den USA wird sich diese erneute Beschleunigung im erneuten Absturz des Dollars und im Zusammenbruch der Realwirtschaft äußern. Nachdem die Immobilienblase und die Kreditblase geplatzt (1) sind, ist der Zusammenbruch der Realwirtschaft lediglich der letzte Akt im sozialen und wirtschaftlichen Trauerspiel der US-Rezession. Der Zusammenbruch der amerikanischen Realwirtschaft bedeutet nichts anderes als den Quasi-Stillstand der gesamten amerikanischen Wirtschaftsmaschinerie: viele Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen werden Pleite gehen, Unternehmen schließen, und die amerikanischen Staaten und Kommunen die Leistungen der Öffentlichen Hand einstellen (2).

Zeitliche Struktur der sieben Sequenzen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise, wie seit Mitte 2007 vorhergesagt - Quelle LEAP/E2020, 18. Ausgabe des GEAB vom Oktober 2007
Zeitliche Struktur der sieben Sequenzen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise, wie seit Mitte 2007 vorhergesagt - Quelle LEAP/E2020, 18. Ausgabe des GEAB vom Oktober 2007
(Sequenz 1: Krise erfasst das gesamte internationale Finanzsystem - Sequenz 2: Absturz der Aktienmärkte - Sequenz 3: weltweites Platzen der Immobilienblasen - Sequenz 4: Krise auf den internationalen Devisenmärkten - Sequenz 5: Stagflation der Weltwirtschaft - Sequenz 6: Very Great Depression USA - Sequenz 7: Umsturz der geostrategischen Gleichgewichte)

Als Menetekel dient die Ankündigung der US-Regierung, ab März 2008 ein Service der Veröffentlichung ihrer Wirtschaftsindizes einzustellen; angeblich aus Gründen der Geldknappheit (3). Die Leser der 2. Ausgabe des GEAB, in der wir erstmals vor einer bevorstehenden umfassenden weltweiten Krise warnten, werden sich sicherlich noch daran erinnern, dass wir in der Einstellung der Veröffentlichung der Geldmenge M3 durch die US-Zentralbank einen untrüglichen Hinweis auf den bevorstehenden Absturz des Dollars sahen. Mit der Einstellung der Veröffentlichung der Wirtschaftsindizes liegt nach unserer Auffassung der klare Beweis vor, dass die US-Regierung mit wirtschaftlich schwersten Zeiten für das Land rechnet.

In dieser 22. Ausgabe des GEAB werden die Fachleute von LEAP/E2020 insbs. Voraussagen dazu machen, welche konkreten Auswirkungen dieser Zusammenbruch der amerikanischen Realwirtschaft haben wird - Auswirkungen auf die USA selbst, aber auch auf die anderen Weltregionen. Gleichzeitig präsentiert unsere Forschungsgruppe fünf strategische und praktische Ratschläge, die helfen sollen, die nächsten Monate möglichst schadlos zu überstehen, obwohl sich die umfassende weltweite Krise noch verschärft.

Die Veröffentlichung der inzwischen berühmten LEAP/E2020-Warnung vor einer umfassender weltweiten Krise liegt nunmehr schon zwei Jahre zurück (4). Und wir können es gar nicht häufig genug sagen: Nunmehr stehen wir mitten in einer Epoche, für die es in der Geschichte keine Entsprechung gibt. Jeder Vergleich mit vorhergehenden Krisen ist irreführend. Es handelt sich weder um eine Neuauflage der Weltwirtschaftskrise von 1929, noch um eine Wiederholung der Ölkrise von 1970 oder des Aktiencrashs von 1987. Es handelt sich vielmehr und eindeutig um eine umfassende weltweite Krise, d.h., sie zieht die gesamte Welt in allen Bereichen in Mitleidenschaft und attackiert die Grundlagen der internationalen Ordnung, die die Geschicke der Weltbevölkerung seit Jahrzehnten steuert.

Für LEAP/E2020 bedeutet es natürlich eine Genugtuung festzustellen, dass zwei Jahre nach der Veröffentlichung unserer Warnung vor einer umfassenden weltweiten Krise, die von Millionen gelesen wurde, aber für die die Mehrzahl der "Fachleute" und "Entscheider" der Wirtschaft -und Finanzwelt nur herablassende Ironie übrig hatten, unsere Auffassung immer mehr zu herrschenden Meinung wird. Es besteht wohl nunmehr die allgemeine Überzeugung, dass es eine Krise gebe und dass sie sehr wohl weltweit sei. Und wohl gehen die meisten nun auch davon aus, dass sie eventuell umfassend sein könnte.

Dennoch stehen wir etwas fassungslos vor der Unfähigkeit gerade dieser Fachleute und Entscheider, das Wesen dieser Krise, die wir aktuell durchleben, richtig zu erfassen. Wenn man deren Veröffentlichungen liest, kommt man zum Schluss, dass es sich für sie um eine der schon zahlreichen "klassischen" Krisen handelt, wenn auch in einer größeren Dimension. Auch die großen Wirtschafts - und Finanzmedien berichten über die Krise immer unter diesem Vorzeichen.

Nach unserer Auffassung machen sich damit nicht nur intellektueller Faulheit (5) schuldig. Vielmehr muss ihnen auch der moralische Vorwurf gemacht werden, ihre Lesern, mögen sie einfache Privatpersonen, Privatinvestoren oder Vorstände von großen Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen sein, nicht ausreichend auf die anstehenden Verwerfungen und Umwälzungen vorzubereiten (6).

Deshalb und im Gegensatz zu dem, was man in den letzten Wochen in den großen Medien lesen konnte, die immer emsig bemüht sind, die Wirklichkeit zu verzerren, um den Interessen derer zu dienen, denen sie gehören, möchte LEAP/E2020 wieder in Erinnerung rufen: Diese umfassende weltweite Krise trifft in erster Linie die USA. Und sie trifft sie auf eine Art und Weise, für die es keine Vergleiche in der Geschichte gibt. Deshalb haben wir für die verheerenden Auswirkungen der Krise in den USA im Januar 2007 (7) den Ausdruck der "Very Great Depression" gemünzt. Denn die Welt, die aus dem Zweiten Weltkrieg hervorging, hatte die USA über sechs Jahrzehnte als stärksten Pol, dann sogar als alleiniges Zentrum. Wenn ein System zusammenbricht, leiden besonders die darunter, die von ihm am meisten profitierten. Die verschiedenen Ausgaben des GEAB haben diese Situation und ihre Folgen schon hinreichend beschrieben. Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass weder Europa noch Asien mit den Problemen einer negativen Sparquote, einer allgemeine Immobilienkrise (die Millionen Menschen das Dach über dem Kopf kostet), eines massiven Währungsverfalls, gigantischer Defizite in den öffentlichen Haushalten und im Außenhandel, einer Wirtschaftsrezession und, als krönender Abschluss der Auflistung, kostspieliger Kriege zu kämpfen haben.

Damit werden weder Asien noch Europa (genauer gesagt die Eurozone) den massivsten, den nachhaltigsten und den unangenehmsten Folgen der Krise ausgesetzt sein. Dieses Schicksal steht sehr wohl den USA bevor, die es mit den Ländern teilen werden, die besonders innig mit der US-Wirtschaft verknüpft sind. Diese Länder tragen das, was wir nunmehr das "amerikanische Risiko" (8) nennen wollen. Es hat nach unserer Aufassung sehr wohl eine Abkoppelung der Wirtschaften der anderen Weltregionen von der US-Wirtschaft gegeben. Aber Abkoppelung bedeutet nicht vollkommene Unabhängigkeit und Autarkie. Es ist offensichtlich - und LEAP/E2020 hat sich schon seit vielen Monaten entsprechend geäußert -, dass auch Asien und Europa unter der Krise zu leiden haben werden. Aber Abkoppelung bedeutet, dass die US-Wirtschaft und die der anderen Weltregionen sich nicht mehr identisch entwickeln, dass Asien und Europa sich auf Wegen entwickeln, die nicht mehr von den USA vorgegeben werden.

Die umfassende weltweite Krise ist der Anfang vom Prozess der Abkoppelung der Weltwirtschaft von den USA. Wirtschaften, die sich nicht werden abkoppeln können, werden in die amerikanische Abwärtsspirale gesogen werden.

Die Beispiele der platzenden Immobilienblase (2006) und Kreditblase (2007) sind bezeichnend: Die riesige Mehrheit der Betroffenen, die keine Fachleute in diesen Bereichen waren, haben erst Monate nach Umkehrung der Tendenz erkannt, dass "die Party vorbei war". Während der ganzen Phase, in der sich die Tendenz umkehrte (eine solche Phase dauert in der Regel von sechs Monaten bis zu einem Jahr), predigte die veröffentlichte Meinung, dass alles seinen gewohnten Gang liefe und dass die aufkeimenden Sorgen ihre Ursachen in unnötiger Panikmache hätten; denn die Probleme seien auf nur den einen Bereich beschränkt und auch da nur in den USA (9).

Die, die in den USA und in anderen Ländern darauf reingefallen sind, können es heute nicht genug bereuen, denn sie sind nunmehr Gefangene ihrer unverkäuflichen (oder bald in Zwangsvollstreckung befindlichen) Häuser oder müssen mit ansehen, wie mit jedem Tag der Wert ihres Aktienpakets schmilzt.

Brutaler Absturz der Zahl der nicht-abhängigen Arbeitsplätze in den USA - Quelle Bureau of labor Statistics / Merril Lynch (die schattig unterlegten Zonen repräsentieren Rezessionen)
Brutaler Absturz der Zahl der nicht-abhängigen Arbeitsplätze in den USA - Quelle Bureau of labor Statistics / Merril Lynch (die schattig unterlegten Zonen repräsentieren Rezessionen)
Den Aktienmärkten hatten wir schon seit Oktober 2007 Kursverluste zwischen 20% und 60% vorhergesagt, abhängig von der Region. Heute müssen wir unsere Vorhersagen dahin gehend revidieren, dass die Kursrückgänge noch ausgeprägter sein werden. Denn zum einen haben die Aktienmärkte seit Jahresanfang schon zwischen 10% und 20% eingebüßt (10); zum anderen wird der Zusammenbruch der amerikanischen Realwirtschaft bis Ende des Sommers 2008 alle Börsen der Welt in eine Abwärtsspirale bisher ungekannten Ausmaßes ziehen. Nach unserer Auffassung werden die Aktienkurse der Welt (einschließlich der Schwellenländer) durchschnittlich bis zu 50% ihres Niveaus von 2007 einbüßen (11).

Diese Art von Neuorientierung unserer Vorhersagen ist ein Markenzeichen der Antizipationsarbeiten, die LEAP/E2020 betreibt. Jeden Monat machen wir uns daran, die Tendenzen zu identifizieren, die sich verstärken oder abschwächen, um daraus die notwendigen Schlussfolgerungen im Interesse der bestmöglichen Vorhersagen zu ziehen. Es geht uns nicht darum, "Recht zu haben" (12) oder etwas zu "verkaufen" oder ein Thema zu "pushen". Wir versuchen lediglich, vorab zu beschreiben, welche Konsequenzen sich aus den zu Beginn des 21. Jahrhunderts wirksamen großen Tendenzen ergeben. Und wir wollen unseren Lesern ermöglichen, sich gegen die besonders schwerwiegenden Folgen zu wappnen.

In dieser 22. Ausgabe des Global Europa Antizipations-Bulletin warnen wir vor dem Zusammenbruch der amerikanischen Realwirtschaft ab dem September 2008 (13). Das wird schwerwiegende soziale und politische Konsequenzen in den USA mit sich bringen (14) und die internationalen Finanz- und Devisenmärkte und die Weltwirtschaft gefährden. Mit unser Warnung wollen wir die erreichen, die von diesem Zusammenbruch unmittelbar oder mittelbar betroffen sein werden. Der Höhepunkt der Krise ist noch nicht erreicht. Nach unserer Auffassung wird dies in der zweiten Hälfte 2008 der Fall sein.

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Fussnoten:

(1) Ein sehr lehrreicher Film wurde vor kurzem auf dem Sundance Film Festival präsentiert: I.O.U.S.A von Patrick Creadon. Darin wird der Rechnungshofschef David Walker.S._Comptroller_General, zuständig für die Ausgabenkontrolle der Bundesregierung, bei einer Konferenzserie quer durch die USA begleitet, auf der er über den Zustand der öffentlichen Finanzen spricht. Der Film behandelt in sehr direkter Weise die Folgen der aktuellen Krise auf die USA und auf die Amerikaner. Diese Filmvorstellung zeigt, wie in nur wenigen Monaten die Krise von einem Gegenstand von Diskussionen unter Fachleuten und in Aufsichtsräten zu einer Alltagsangelegenheit wurde.

(2) Der vollständige Zusammmenbruch in den letzten Tagen des Markts für öffentliche Anleihen der amerikanischen Kommunen (die "Munis") zeigt, wie die Krise inzwischen alle Bereiche der amerikanischen Gesellschaft erfasst hat. Dieser Zusammenbruch bedeutet, dass öffentliche Investitionen im Zuständigkeitsbereich der Kommunen im gesamten Land nunmehr nicht mehr finanzierbar sind. Er ist die unmittelbare Folge des Zusammenbruchs der Anleihenversicherer, den LEAP/E2020 in der 19. Ausgabe des GEAB vorhergesagt hatte. Und er beweist wieder einmal, dass die großen Banken nun nicht mehr in der Lage sind, ihre Aufgabe der Finanzierung der wirtschaftlichen Tätigkeit des Landes weiterhin zu erfüllen. Quellen: Financial Times v. 13.02.2008; Bloomberg vom 14.02.2008

(3) Quelle : EconomicIndicators.Gov, Economics & Statistics Administration, US-Wirtschaftsministerium

(4) vgl. GEAB N°2, 15.02.2006

(5) Die Hauptursache für die Unfähigkeit der Fachleuten, das Undenkbare zu denken ist nicht etwa Dummheit, sondern ihre beruflichen Interessen. Denn das würde sie zwingen, fast ihre gesamte intellektuelle und wirtschaftliche Geschäftsgrundlage, insbs. ihre traditionnellen Arbeitshypothesen, über Bord zu werfen. Man kann sich vorstellen, dass ihre Kunden nicht erfreut wären zu hören, dass ihre Finanzberater in den letzten Jahren eine falsche Strategie verfolgten.

(6) Hierzu wollen wir auf die Rede von Mervyn King aufmerksam machen, dem Präsidenten der britischen Zentralbank, der seinen Landsleuten direkt und schnörkellos klar machte, dass die aktuelle Krise sich massiv negativ auf ihren Lebensstandard auswirken werde. Dies ist eine Offenheit, die sich leider kein amerikanischer Politiker oder Zentralbanker, auch nicht bei den Demokraten, gegenüber den Amerikanern zutraut, obwohl diese noch härter getroffen werden als die Briten. Quelle: The Telegraph, 14.02.2008.

(7) Vgl. GEAB N°11, 15.01.2007.

(8) In dieser 22. Ausgabe des GEAB geben wir noch eine Reihe von Empfehlungen, die den Investoren helfen sollen, selbst das "amerikanische Risiko" der verschiedenen Länder, Sektoren und Investitionen zu bewerten.

(9) Das gleiche gilt für all die, die lieber der herrschenden veröffentlichten Meinung vertrauten, die während der Jahre 2006 und 2007 behauptete, es sei ganz unmöglich, dass der Wechselskurs EURUSD auf 1,30, dann 1,40, dann bald 1,50 ansteigen werde ... während wir jetzt auf 1,70 für das Ende 2008 warten.

(10) Nur noch Traumtänzer können sich einreden, dass die Aktienmärkte sich bis Ende des Jahres wieder erholen könnten, denn die Krise wird sich noch beschleunigen.

(11) Hier wollen wir darauf hinweisen, dass in nur einem Monat (Januar 2008) an den Aktienmärkten sich 5.200 Milliarden Dollar in Luft aufgelöst haben. Quelle: China Daily News, 10.02.2008

(12) Auch wenn wir unbestreitbarer Weise wir in den letzten zwei Jahren betreffend der weltweiten umfassenden Krise auf der ganzen Linie Recht behalten haben.

(13) Die Vorhersagen über die zahlreichen Konkurse von Banken innerhalb der nächsten zwei Jahre zeigen den Umfang der anstehenden Probleme. Quelle: Reuters, 01.02.2008

(14) Vgl. ‘Sequenz 6: 2. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2009: Very Great Depression in den USA, Sozialkrise und wachsender Einfluss und Macht der Militärs in der US-Politik’, GEAB N°18, 15.10.2007

Dimanche 17 Février 2008


GEAB N°39 - Zusammenfassung

- 16. November 2009 -

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