Einnahmen rückläufig, Verluste ansteigend, Profite abstürzend: So sieht die Lage der Banken der westlichen Staaten zum Jahresende 2011 aus. Und dabei nutzen die Banken zur Zeit noch enorme buchhalterische Freiheiten: Sie bewerten in ihren Bilanzen ihre Aktiva nicht danach, für wie viel sie sie aktuell verkaufen könnten, sondern nach den Regeln der "hold to maturity " oder "fair value ". Aber selbst solche Tricks dürften in einem oder zwei Quartalen nicht mehr funktionieren – und zwar tatsächlich wegen Griechenlands und Eurolands. Griechenland und der Euro sind also doch reelle Gefahren für das Bankenmodell der letzten Jahrzehnt. Aber nicht so, wie Wall Street und City es gerne die Welt glauben machen würden. Sie sind nicht eine Gefahr, weil in einem griechischen Staatsbankrott die Banken Eurolands zusammenbrächen und Banken weltweit mit in den Abgrund zögen (1). Vielmehr stellen Griechenland und Euroland einen Gefahr dar, weil die Regierungen Eurolands unter dem Druck der Krise die Besitzer von Staatsanleihen dazu verpflichten wollen, ihre Verluste, die sie durch Kursverluste von in ihrem Besitz befindlichen Staatsanleihen erlitten haben, in ihren Bilanzen auszuweisen; sie wollen die Banken dazu zwingen zuzugeben, dass sie bereits erhebliche Verluste erlitten haben. 2008 war versäumt worden, die Buchhaltungsregeln entsprechend zu ändern. Wäre es dazu gekommen, wären heute griechische Anleihen mit einer Wertberichtigung von 50% in den Bilanz auszuweisen. Aber Griechenland ist nur ein Tropfen im Ozean der zukünftigen weltweiten Bankenverluste: Das gesamte Bankensystem der westlichen Staaten schwimmt in einem Meer aus zweifelhaften Forderungen.
Entwicklung der Verbraucherkredite in den USA (1961-2011) (braun: umlaufende Kredite / blau: nicht umlaufende Kredite / gelb: Studienkredite) - Quelle: Econompic, 10/2011
In erster Linie setzen sich diese faulen Forderungen aus US-Immobilienkrediten zusammen, die zumindest mit einem Abschlag von 50% zu bewerten sind und die aller Voraussicht nach auch vor 2020 nicht wieder im Wert steigen werden (2). Viel besser sieht die Lage auch auf dem irischen, spanischen (3) und portugiesischen (4) Immobilienmarkt nicht aus, nur ist das Volumen der faulen Forderungen bei weitem nicht so hoch. Weiterhin bestehen sie aus Hypotheken auf dem Markt für Gewerbeimmobilien, auf dem mit weiteren Preiskorrekturen zu rechnen sein wird, wenn sich erst bestätigt, dass die Weltwirtschaft sich in einer Rezession und USA und Großbritannien in einer Depression befinden. Dann gibt es unter den faulen Forderungen noch die Anleihen von Staaten und sonstigen Gebietskörperschaften, die eigentlich schon bankrott sind („munis“ in den USA (5) und sonstige öffentliche Anleihen in Europa (6)). Und zu guter Letzt verbleibt noch eine ganze Reihe von Forderungen, deren Wert eigentlich nur noch auf dem Papier steht, wie z.B. die Verbraucherkredite (7), die in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (8), dauerhafter Rezession (9) und zahlreicher Unternehmensinsolvenzen von den Schuldner nicht mehr bedient werden.
Das sind die 15.000 Milliarden Dollar an Scheinvermögen, die sich im Laufe der letzten sechs Monate in Luft aufgelöst haben. Und es sind die tausenden Milliarden Dollar (noch können die Summen nicht näher präzisiert werden) an CDS, die ein ganz wesentliches Geschäftsfeld mehrerer großer Banken in den westlichen Staaten sind (und die für die City und Wall Street schon seit Jahren Riesenprofit abwerfen), die im nächsten Jahr ebenfalls abgeschrieben werden müssen. Die intransparenten Verbindungen zwischen den großen Banken der westlichen Staaten, den Hedge fonds, die seit Sommer 2011 um ihr Überleben kämpfen (10) und der „dunklen“ Seite der globalen Finanzmärkte, des sogenannten dark pool, verhindern, dass sich Aufsichtsbehörden und noch viel mehr die politischen Entscheidern einen Überblick über das Ausmaß des sich vorbereitenden Bankencrashs machen können (11).
Hinsichtlich einer Sache hegen wir keine Zweifel mehr: Angst wegen der Lage der Banken in der westlichen Welt haben in erster Linie deren Vorstände, Direktoren und Leitenden Angestellten. Sie wissen nicht mehr, wie sie sich aus der tödlichen Falle befreien sollen, in die sie sich in ihrer Arroganz, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ihrer Überzeugung, die Politik für ihre Dienste einspannen zu können (12), und ihrem Glauben, dass Zentralbanken ihnen jeden Dienst erweisen würden (13), selbst manöveriert haben. Heute verweigern ihnen sogar die Politiker die Hilfe, die gerade mit Blick auf ihre Manipulierbarkeit auf den Schild gehoben wurden. Nicht einmal der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist heute noch in der Lage, die Interessen der französischen Banker (14) auf europäischer Ebene zu verteidigen (15). In dieser Situation ist für die Banken jede Hoffnung verloren, ihre üblichen Profitvorgaben zu erreichen. Denn ihre Ertragslage ist von allen Seiten Angriffen ausgesetzt: Verstärkte Regulierung der besonders ertragreichen Geschäftsfelder, Wirtschaftskrise und daraus resultierender rückläufiger globaler Warenhandel, verstärkte Konkurrenz zwischen den Banken und auch zwischen den Banken der verschiedenen Regionen in den westlichen Staaten (16), schwindender Einfluss in Politik, Medien und den öffentlichen Meinungen wegen rückgängiger Mitarbeiterzahlen, schwindender Finanzkraft und Bilanzen, die immer mehr in Richtung Überschuldung weisen (17).
Das sind die 15.000 Milliarden Dollar an Scheinvermögen, die sich im Laufe der letzten sechs Monate in Luft aufgelöst haben. Und es sind die tausenden Milliarden Dollar (noch können die Summen nicht näher präzisiert werden) an CDS, die ein ganz wesentliches Geschäftsfeld mehrerer großer Banken in den westlichen Staaten sind (und die für die City und Wall Street schon seit Jahren Riesenprofit abwerfen), die im nächsten Jahr ebenfalls abgeschrieben werden müssen. Die intransparenten Verbindungen zwischen den großen Banken der westlichen Staaten, den Hedge fonds, die seit Sommer 2011 um ihr Überleben kämpfen (10) und der „dunklen“ Seite der globalen Finanzmärkte, des sogenannten dark pool, verhindern, dass sich Aufsichtsbehörden und noch viel mehr die politischen Entscheidern einen Überblick über das Ausmaß des sich vorbereitenden Bankencrashs machen können (11).
Hinsichtlich einer Sache hegen wir keine Zweifel mehr: Angst wegen der Lage der Banken in der westlichen Welt haben in erster Linie deren Vorstände, Direktoren und Leitenden Angestellten. Sie wissen nicht mehr, wie sie sich aus der tödlichen Falle befreien sollen, in die sie sich in ihrer Arroganz, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ihrer Überzeugung, die Politik für ihre Dienste einspannen zu können (12), und ihrem Glauben, dass Zentralbanken ihnen jeden Dienst erweisen würden (13), selbst manöveriert haben. Heute verweigern ihnen sogar die Politiker die Hilfe, die gerade mit Blick auf ihre Manipulierbarkeit auf den Schild gehoben wurden. Nicht einmal der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist heute noch in der Lage, die Interessen der französischen Banker (14) auf europäischer Ebene zu verteidigen (15). In dieser Situation ist für die Banken jede Hoffnung verloren, ihre üblichen Profitvorgaben zu erreichen. Denn ihre Ertragslage ist von allen Seiten Angriffen ausgesetzt: Verstärkte Regulierung der besonders ertragreichen Geschäftsfelder, Wirtschaftskrise und daraus resultierender rückläufiger globaler Warenhandel, verstärkte Konkurrenz zwischen den Banken und auch zwischen den Banken der verschiedenen Regionen in den westlichen Staaten (16), schwindender Einfluss in Politik, Medien und den öffentlichen Meinungen wegen rückgängiger Mitarbeiterzahlen, schwindender Finanzkraft und Bilanzen, die immer mehr in Richtung Überschuldung weisen (17).
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Noten:
(1) Bis zum heutigen Tag können sich nur Banken der Wall Street und der City damit brüsten, das Bankensystem beinahe in den Abgrund gerissen zu haben. Der Absturz konnte nur – vorübergehend - vermieden werden, weil die Staaten den Steuerzahlern tief in die Tasche griffen. Dabei wurde nach Wildwestmethode vorgegangen: Ein Schuss aus der Hüfte, ohne großes Nachdenken oder auch nur den Ansatz einer parlamentarischen oder gesellschaftlichen Debatte. Und heute wirft Washington Euroland vor, sich Zeit zu nehmen, um in sicherlich schwierigen und langwierigen Beratungen unter verschiedenen Optionen die beste auszuwählen.
(2) Quelle: CNBC, 01/10/2011
(3) In Spanien hat sich die Immobilienkrise inzwischen zu den Banken durchgefressen. Quelle: New York Times, 22/09/2011
(4) 46 von 50 US-Bundesstaaten sind insolvent und die Zahl der von Bankrott bedrohten Gemeinden und Kreisen wächst rapide. Letztes illustres Beispiel ist die Hauptstadt Pennsylveniens Harrisburg. Quellen: Economic Policy Journal, 12/09/2011; Washington Post, 13/10/2011
(5) Die « toxischen » Kredite haben mehr als 5500 Gemeinden und Gebietskörperschaften in Frankreich « vergiftet ». Ähnlich sieht die Lage in Belgien und Luxemburg aus. Als direkte Folge musste die Bank Dexia zerschlagen werden, wobei die einzelnen Teile verstaatlicht oder ihre Schulden von den Staaten garantiert wurden. Quelle: Le Monde, 21/09/2011; Irish Times, 11/10/2011
(6) Die Insolvenz des US-Verbrauchers ist immer noch eine Tatsache: Der Verschuldensgrad des durchschnittlichen Amerikaners liegt bei 154% seines Jahreseinkommens. Damit ist ausgeschlossen, dass die US-Wirtschaft und ihre Banken wieder einmal durch die Konsumfreudigkeit der US-Verbraucher gerettet werden. Vielmehr das Gegenteil ist richtig. Denn inzwischen werden immer mehr Verbraucherkredite von den Schuldnern nicht mehr bedient. Quellen: USAToday, 02/10/2011; MarketWatch, 05/10/2011
(7) Insbesondere in den USA, die nur ein sehr schwaches Netz an sozialer Sicherheit kennen, ist jeder Arbeitslose mehr auch sofort ein Konsument weniger. Angesichts der Tatsache, dass zum Jahresende für 6 Millionen Arbeitslose die Arbeitslosenhilfe ausläuft, wobei vor dem Hintergrund der Pattstellung im Kongress ausgeschlossen sein dürfte, dass die Bezugsdauer noch einmal verlängert wird, wird der Privatverbrauch in den USA, der schon jetzt schwächelt, noch weiter zurückgehen. Gleichzeitig planen die US-Arbeitgeber für die nächsten Monate noch weitere Kündigungswellen. Sogar in Deutschland schwächelt nun die Wirtschaft, was natürlich das Wachstum und damit auch die Ertragslage der Banken in Mitleidenschaft ziehen wird. Quellen: CNNMoney, 12/10/2011; Los Angeles Times, 06/10/2011; Deutsche Welle, 15/10/2011
(8) Es ist geradezu ein Symbol der Depression in den USA: Die Marke GAP hat gerade bekannt gegeben, 20% ihrer Geschäfte in den USA zu schließen. Gleichzeitig öffnet sie neue in China. Die Entwicklung der Einkommen der Privathaushalte in den USA lässt keinen Spielraum für positive und optimistische Interpretationen: Seit dem offiziell verkündeten Ende der Rezession im Juni 2009 und Juni 2011 gingen diese Einkommen um 6,7% zurück. Die deutschen Investoren schätzen inzwischen den US-Markt als riskanter ein als den im Nahen- und Mittleren Osten und den in Latein-Amerika; weiterhin gehen sie davon aus, dass derzeit keine Wachstumsperspektiven bestehen. Solche Informationen findet man jedoch nicht in den großen Medien, obwohl es sich hierbei um eine Studie handelt, die von Goldman Sachs in Auftrag gegeben wurde. Quellen: USAToday, 15/10/2011; New York Times, 09/10/2011; New Khabrein, 21/09/2011
(9) Quelle: Reuters, 11/10/2011
(10) Sogar der « King » der Hedge funds, John Paulson erlitt riesige Verluste Quelle: CNBC, 11/10/2011
(11) Es gibt ein Kriterium, das ermöglicht, sich eine Vorstellung von den Verbindungen zwischen diese beiden Seiten der Finanzindustrie zu machen, so intransparent sie auch sein mögen: Die Massenentlassungen, denen sie beide ausgesetzt sind. Entlassungen von Mitarbeitern von Finanzinstituten, die nicht im Scheinwerferlicht der Finanzindustrie stehen, werden natürlich von den Medien nicht so beachtet wie solche in Banken, die jeder kennt. Aber auch bei diesen unbekannteren Banken beschleunigt sich der Rythmus der Entlassungen und zeigt, dass das Geschäftsmodell des gesamten Finanzsektors zusammengebrochen ist. Sowohl in der City als auch an der Wall Street findet gegenwärtig ein wahrer Aderlass an Jobs im Bankensektor statt. Quellen: « More jobs expected to go in the Square Mile », Financial Times, 14/10/2011; Le Monde, 11/10/2011
(12) « Kontrollierbar » sollten Politker sein, wei ein bekannter Banker einmal sagte.
(13) Nicht einmal die US-Zentralbank ist noch in der Lage, die Banken durch ein Anwerfen der Notenpresse zu retten. Dafür fehlt ihr heute einfach die Macht und vor allen Dingen das Vertrauen der Märkte in diese Macht. Vgl. insofern die vorhergehenden Ausgaben des GEAB. Die EZB schwankt zwischen ihrer Affinität zu den Banken und dem wachsenden Druck der Politik, die weiß, dass eine erneute Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler in der öffentlichen Meinung katastrophal aufgenommen würde. Da hilft es auch nicht, wenn Jean-Claude Trichet, von dem man eigentlich besseres gewöhnt ist, sich dazu hinreißen lässt, bei den Politikern einen Angstreflex auslösen zu wollen und von Europa als dem Epizentrum der Krise und einer systemischen europäischen Krise spricht. Wenn man alles und egal was zusammen wirft, erzeugt man vielleicht Panik, aber ganz sicher nicht Verständnis. Aber genau diese Strategie verfolgen die Banken und ihre Lobby seit nunmehr drei Jahren. Wir erinnern uns aber sehr genau daran, dass wir die Verantwortlichen der EZB schon im ersten Halbjahr 2011 darauf hingewiesen haben, dass man nicht in aller Ruhe 2013 abwarten könne, um den europäischen Rettungsfonds zu institutionalisieren und auszuweiten, sondern dass man diese Aufgabe sofort angehen müsse, um sie im Herbst 2011 abgeschlossen zu haben. Vor anderthalb Jahren glaubte die EZB, noch über ausreichend Zeit zu verfügen. Sie hat sich aber geirrt. Wir aber konnten die richtige Voraussage treffen, weil es für uns offensichtlich war, dass die sich schnell verschlechternde wirtschaftliche, finanzielle, haushälterische, soziale und politische Lage in den USA ab Sommer 2011 eine Reihe von Schocks auslösen würde, die das Vertrauen der Investoren noch weiter erschüttern würden. Dadurch würden die USA und Großbritannien gezwungen, um jeden Preis zu versuchen, das Unvermeidbare noch hinauszuschieben, sei es auch auf Kosten der europäischen „Verbündeten“. Es gibt also nur ein Epizentrum der gegenwärtigen Krise. Und das sind die USA, wie wir seit 2006 nicht müde werden zu schreiben. Diese Erkenntnis ist das entscheidende Element unserer Fähigkeit, die Entwicklung der Krise vorherzusehen. Auch wenn es sehr wohl eine systemische Krise in Europa gibt, so ist sie doch nachrangig zu der, die in den USA wütet. Denn die systemische Krise in Europa ist in der fehlenden Institutionalisierung Eurolands begründet, die ermöglicht hätte, demokratisch legitimierte politische Entscheidungen für die Mitglieder der Eurozone zu treffen. Statt dessen wurde ausschließlich (und wenig effizient) an der Integration der EU 27 gearbeitet, deren Entscheidungsmechanismen vollkommen ungeeignet sind, um die Probleme Eurolands zu meistern. Allerdings kann seit nunmehr 18 Monaten festgestellt werden, dass sich die Lage für Euroland bessert, dass Versäumtes nachgeholt wird. Was die systemische Krise im Entscheidungsprozess der EU angeht, wäre die Erklärung von J-C Trichet 2007/2008 hilfreich gewesen, wenn er damals gefordert hätte, Euroland mit Entscheidungsstrukturen auszustatten, die es in die Lage versetzen würden, sich für kommende Krisen zu wappnen. Heute wirkt er eher wie jemand, der „Feuer“ ruft, nachdem die Feuerwehr eingetroffen ist.
(14) Bei deren Streit über die Höhe der erforderlichen Rekapitalisierung der französischen Banken die Intransparenz des Bankensektors in vollem Umfang erkennbar wird. Quelle: La Tribune, 07/10/2011
(15) Es gelingt ihm nur noch, die Erarbeitung von gemeinsamen Positionen mit Deutschland und den anderen Euroland-Mitgliedern schwieriger zu gestalten und zu verlangsamen.
(16) Die Banken Eurolands sind inzwischen in einen offenen Krieg mit ihren angelsächsischen Konkurrenten eingetreten. Anlass dafür war die von letzteren organisierten Versuche, die ersteren von der Dollarversorgung abzuschneiden. 2012 werden sich zwischen den Banken neue Fronten eröffnen: Zum einen zwischen der City und der Wall Street, wenn in einem schrumpfendem Markt im globalen Finanzsystem kein Platz mehr sein wird für zwei große angelsächsische Bankenzentren, zum anderen zwischen City und Wall Street auf der einen und den Eurolandbanken auf der anderen Seite, wenn letztere, mit Unterstützung ihrer Regierungen, anfangen werden, ihre Geschäfte nicht mehr in Dollar, sondern hauptsächlich in Euro abzuwickeln. Diese Umstellung wird letztendlich sogar den Handel mit Rohstoffen, einschließlich Rohöl, betreffen. In massiven und brutalen Krisen zählt die Nostalgie für vergangene Partnerschaften nicht mehr viel. Damit wird die nachhaltige Zerstückelung des Finanzmarkts der westlichen Staaten und auch eine der letzten Etappen auf dem Weg Eurolands zu einer selbständigen politischen Entität eingeleitet. Sie fügt auch den Finanzinstituten, die ihr Geschäftsmodell auf die enge transatlantische Finanzpartnerschaft gegründet haben, einen tödlichen Schlag zu. Wir werden auf diesen sehr wichtigen Aspekt in der nächsten Ausgabe des GEAB im Rahmen unsere Analyse über die Zukunft der USA und Eurolands näher eingehen.
(17) 2012 wird zeigen, dass Banken fast nur noch in der Finanzierung der Realwirtschaft und im Privatkundengeschäft Geld verdienen können.
Noten:
(1) Bis zum heutigen Tag können sich nur Banken der Wall Street und der City damit brüsten, das Bankensystem beinahe in den Abgrund gerissen zu haben. Der Absturz konnte nur – vorübergehend - vermieden werden, weil die Staaten den Steuerzahlern tief in die Tasche griffen. Dabei wurde nach Wildwestmethode vorgegangen: Ein Schuss aus der Hüfte, ohne großes Nachdenken oder auch nur den Ansatz einer parlamentarischen oder gesellschaftlichen Debatte. Und heute wirft Washington Euroland vor, sich Zeit zu nehmen, um in sicherlich schwierigen und langwierigen Beratungen unter verschiedenen Optionen die beste auszuwählen.
(2) Quelle: CNBC, 01/10/2011
(3) In Spanien hat sich die Immobilienkrise inzwischen zu den Banken durchgefressen. Quelle: New York Times, 22/09/2011
(4) 46 von 50 US-Bundesstaaten sind insolvent und die Zahl der von Bankrott bedrohten Gemeinden und Kreisen wächst rapide. Letztes illustres Beispiel ist die Hauptstadt Pennsylveniens Harrisburg. Quellen: Economic Policy Journal, 12/09/2011; Washington Post, 13/10/2011
(5) Die « toxischen » Kredite haben mehr als 5500 Gemeinden und Gebietskörperschaften in Frankreich « vergiftet ». Ähnlich sieht die Lage in Belgien und Luxemburg aus. Als direkte Folge musste die Bank Dexia zerschlagen werden, wobei die einzelnen Teile verstaatlicht oder ihre Schulden von den Staaten garantiert wurden. Quelle: Le Monde, 21/09/2011; Irish Times, 11/10/2011
(6) Die Insolvenz des US-Verbrauchers ist immer noch eine Tatsache: Der Verschuldensgrad des durchschnittlichen Amerikaners liegt bei 154% seines Jahreseinkommens. Damit ist ausgeschlossen, dass die US-Wirtschaft und ihre Banken wieder einmal durch die Konsumfreudigkeit der US-Verbraucher gerettet werden. Vielmehr das Gegenteil ist richtig. Denn inzwischen werden immer mehr Verbraucherkredite von den Schuldnern nicht mehr bedient. Quellen: USAToday, 02/10/2011; MarketWatch, 05/10/2011
(7) Insbesondere in den USA, die nur ein sehr schwaches Netz an sozialer Sicherheit kennen, ist jeder Arbeitslose mehr auch sofort ein Konsument weniger. Angesichts der Tatsache, dass zum Jahresende für 6 Millionen Arbeitslose die Arbeitslosenhilfe ausläuft, wobei vor dem Hintergrund der Pattstellung im Kongress ausgeschlossen sein dürfte, dass die Bezugsdauer noch einmal verlängert wird, wird der Privatverbrauch in den USA, der schon jetzt schwächelt, noch weiter zurückgehen. Gleichzeitig planen die US-Arbeitgeber für die nächsten Monate noch weitere Kündigungswellen. Sogar in Deutschland schwächelt nun die Wirtschaft, was natürlich das Wachstum und damit auch die Ertragslage der Banken in Mitleidenschaft ziehen wird. Quellen: CNNMoney, 12/10/2011; Los Angeles Times, 06/10/2011; Deutsche Welle, 15/10/2011
(8) Es ist geradezu ein Symbol der Depression in den USA: Die Marke GAP hat gerade bekannt gegeben, 20% ihrer Geschäfte in den USA zu schließen. Gleichzeitig öffnet sie neue in China. Die Entwicklung der Einkommen der Privathaushalte in den USA lässt keinen Spielraum für positive und optimistische Interpretationen: Seit dem offiziell verkündeten Ende der Rezession im Juni 2009 und Juni 2011 gingen diese Einkommen um 6,7% zurück. Die deutschen Investoren schätzen inzwischen den US-Markt als riskanter ein als den im Nahen- und Mittleren Osten und den in Latein-Amerika; weiterhin gehen sie davon aus, dass derzeit keine Wachstumsperspektiven bestehen. Solche Informationen findet man jedoch nicht in den großen Medien, obwohl es sich hierbei um eine Studie handelt, die von Goldman Sachs in Auftrag gegeben wurde. Quellen: USAToday, 15/10/2011; New York Times, 09/10/2011; New Khabrein, 21/09/2011
(9) Quelle: Reuters, 11/10/2011
(10) Sogar der « King » der Hedge funds, John Paulson erlitt riesige Verluste Quelle: CNBC, 11/10/2011
(11) Es gibt ein Kriterium, das ermöglicht, sich eine Vorstellung von den Verbindungen zwischen diese beiden Seiten der Finanzindustrie zu machen, so intransparent sie auch sein mögen: Die Massenentlassungen, denen sie beide ausgesetzt sind. Entlassungen von Mitarbeitern von Finanzinstituten, die nicht im Scheinwerferlicht der Finanzindustrie stehen, werden natürlich von den Medien nicht so beachtet wie solche in Banken, die jeder kennt. Aber auch bei diesen unbekannteren Banken beschleunigt sich der Rythmus der Entlassungen und zeigt, dass das Geschäftsmodell des gesamten Finanzsektors zusammengebrochen ist. Sowohl in der City als auch an der Wall Street findet gegenwärtig ein wahrer Aderlass an Jobs im Bankensektor statt. Quellen: « More jobs expected to go in the Square Mile », Financial Times, 14/10/2011; Le Monde, 11/10/2011
(12) « Kontrollierbar » sollten Politker sein, wei ein bekannter Banker einmal sagte.
(13) Nicht einmal die US-Zentralbank ist noch in der Lage, die Banken durch ein Anwerfen der Notenpresse zu retten. Dafür fehlt ihr heute einfach die Macht und vor allen Dingen das Vertrauen der Märkte in diese Macht. Vgl. insofern die vorhergehenden Ausgaben des GEAB. Die EZB schwankt zwischen ihrer Affinität zu den Banken und dem wachsenden Druck der Politik, die weiß, dass eine erneute Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler in der öffentlichen Meinung katastrophal aufgenommen würde. Da hilft es auch nicht, wenn Jean-Claude Trichet, von dem man eigentlich besseres gewöhnt ist, sich dazu hinreißen lässt, bei den Politikern einen Angstreflex auslösen zu wollen und von Europa als dem Epizentrum der Krise und einer systemischen europäischen Krise spricht. Wenn man alles und egal was zusammen wirft, erzeugt man vielleicht Panik, aber ganz sicher nicht Verständnis. Aber genau diese Strategie verfolgen die Banken und ihre Lobby seit nunmehr drei Jahren. Wir erinnern uns aber sehr genau daran, dass wir die Verantwortlichen der EZB schon im ersten Halbjahr 2011 darauf hingewiesen haben, dass man nicht in aller Ruhe 2013 abwarten könne, um den europäischen Rettungsfonds zu institutionalisieren und auszuweiten, sondern dass man diese Aufgabe sofort angehen müsse, um sie im Herbst 2011 abgeschlossen zu haben. Vor anderthalb Jahren glaubte die EZB, noch über ausreichend Zeit zu verfügen. Sie hat sich aber geirrt. Wir aber konnten die richtige Voraussage treffen, weil es für uns offensichtlich war, dass die sich schnell verschlechternde wirtschaftliche, finanzielle, haushälterische, soziale und politische Lage in den USA ab Sommer 2011 eine Reihe von Schocks auslösen würde, die das Vertrauen der Investoren noch weiter erschüttern würden. Dadurch würden die USA und Großbritannien gezwungen, um jeden Preis zu versuchen, das Unvermeidbare noch hinauszuschieben, sei es auch auf Kosten der europäischen „Verbündeten“. Es gibt also nur ein Epizentrum der gegenwärtigen Krise. Und das sind die USA, wie wir seit 2006 nicht müde werden zu schreiben. Diese Erkenntnis ist das entscheidende Element unserer Fähigkeit, die Entwicklung der Krise vorherzusehen. Auch wenn es sehr wohl eine systemische Krise in Europa gibt, so ist sie doch nachrangig zu der, die in den USA wütet. Denn die systemische Krise in Europa ist in der fehlenden Institutionalisierung Eurolands begründet, die ermöglicht hätte, demokratisch legitimierte politische Entscheidungen für die Mitglieder der Eurozone zu treffen. Statt dessen wurde ausschließlich (und wenig effizient) an der Integration der EU 27 gearbeitet, deren Entscheidungsmechanismen vollkommen ungeeignet sind, um die Probleme Eurolands zu meistern. Allerdings kann seit nunmehr 18 Monaten festgestellt werden, dass sich die Lage für Euroland bessert, dass Versäumtes nachgeholt wird. Was die systemische Krise im Entscheidungsprozess der EU angeht, wäre die Erklärung von J-C Trichet 2007/2008 hilfreich gewesen, wenn er damals gefordert hätte, Euroland mit Entscheidungsstrukturen auszustatten, die es in die Lage versetzen würden, sich für kommende Krisen zu wappnen. Heute wirkt er eher wie jemand, der „Feuer“ ruft, nachdem die Feuerwehr eingetroffen ist.
(14) Bei deren Streit über die Höhe der erforderlichen Rekapitalisierung der französischen Banken die Intransparenz des Bankensektors in vollem Umfang erkennbar wird. Quelle: La Tribune, 07/10/2011
(15) Es gelingt ihm nur noch, die Erarbeitung von gemeinsamen Positionen mit Deutschland und den anderen Euroland-Mitgliedern schwieriger zu gestalten und zu verlangsamen.
(16) Die Banken Eurolands sind inzwischen in einen offenen Krieg mit ihren angelsächsischen Konkurrenten eingetreten. Anlass dafür war die von letzteren organisierten Versuche, die ersteren von der Dollarversorgung abzuschneiden. 2012 werden sich zwischen den Banken neue Fronten eröffnen: Zum einen zwischen der City und der Wall Street, wenn in einem schrumpfendem Markt im globalen Finanzsystem kein Platz mehr sein wird für zwei große angelsächsische Bankenzentren, zum anderen zwischen City und Wall Street auf der einen und den Eurolandbanken auf der anderen Seite, wenn letztere, mit Unterstützung ihrer Regierungen, anfangen werden, ihre Geschäfte nicht mehr in Dollar, sondern hauptsächlich in Euro abzuwickeln. Diese Umstellung wird letztendlich sogar den Handel mit Rohstoffen, einschließlich Rohöl, betreffen. In massiven und brutalen Krisen zählt die Nostalgie für vergangene Partnerschaften nicht mehr viel. Damit wird die nachhaltige Zerstückelung des Finanzmarkts der westlichen Staaten und auch eine der letzten Etappen auf dem Weg Eurolands zu einer selbständigen politischen Entität eingeleitet. Sie fügt auch den Finanzinstituten, die ihr Geschäftsmodell auf die enge transatlantische Finanzpartnerschaft gegründet haben, einen tödlichen Schlag zu. Wir werden auf diesen sehr wichtigen Aspekt in der nächsten Ausgabe des GEAB im Rahmen unsere Analyse über die Zukunft der USA und Eurolands näher eingehen.
(17) 2012 wird zeigen, dass Banken fast nur noch in der Finanzierung der Realwirtschaft und im Privatkundengeschäft Geld verdienen können.
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GEAB N°74 ist angekommen! Umfassende weltweite Krise – Realwirtschaft und Politik haben den Kampf mit der Finanz- und Bankenindustrie aufgenommen