Ende Sommer 2009: China ist aus der « Dollarfalle » entkommen


- Auszug GEAB N°34 (18. April 2009) -



Ende Sommer 2009: China ist aus der « Dollarfalle » entkommen
Nach unserer Auffassung entscheiden die Chinesen darüber, wie die folgende Etappe der Krise ablaufen wird. Wenn es stimmt, wie die US-Regierung und ihre Kohorte an Medienexperten nicht zu verbreiten aufhören, dass China in einer „Dollarfalle“ aus 1.400 Milliarden Dollar sitze, und gar nicht anders könne, als weitere Dollar als Währungsreserven auzukaufen, was könnte dann für die Chinesen wichtiger sein als sich aus dieser Falle zu befreien?

Damit kann es nach unserer Auffassung keinen Zweifel daran geben, dass die chinesische Regierung nunmehr alles daran setzen wird, sich aus dieser Falle zu befreien und die Berge an finanziellem « Giftmüll » aus US-Staatsanleihen und Dollars abzutragen, die inzwischen schon den Wohlstand Chinas gefährden.

Und natürlich wird niemand, der auszubrechen versucht, so verrückt sein, seine Absicht von allen Dächern zu pfeifen. Gerade das Gegenteil wird er machen, um nicht die Aufmerksamkeit der Wächter zu wecken. Nach unserer Auffassung war die chinesische Forderung vom 24. März nach der Schaffung einer neuen internationalen Leitwährung sowohl eine Sondierung als eine Warnung. Zum einen sollte sondiert werden, wie aufgeschlossen die Teilnehmer am G20-Treffen der Idee gegenüber wären, die post-Dollar-Ära einzuleiten, ob es eine Möglichkeit gebe, diese Idee zu verwirklichen (1); zum anderen sollten alle Akteure auf den globalen Finanzmärkten gewarnt werden, dass nun die Bereitschaft Chinas zur Finanzierung des US-Lebensstils erschöpft sei. Unter zuverlässigen Partnern (und China ist ein zuverlässiger Partner auf internationalem Parkett), gehört es zum guten Ton, die anderen, wenigstens diskret, darüber zu informieren, dass man ein großes Ding plane. Man könnte ja auf ihre Unterstützung bei Planung und Durchführung angewiesen sein (2). Oder sie könnten sich den Plänen entgegen stellen, wenn sie mangels Vorwarnung noch nicht die notwendigen Vorbereitungen treffen konnten, um von sich selbst Schaden abzuwenden (3).

Zwei Schätzungen über die Entwicklung der chinesischen Währungsreserven (in Milliarden Dollar) - Quellen : chinesische Zentralbank  / Brad Setser, 01/2009
Zwei Schätzungen über die Entwicklung der chinesischen Währungsreserven (in Milliarden Dollar) - Quellen : chinesische Zentralbank / Brad Setser, 01/2009
Was aber letztendlich von dieser Aktion der Chinesen bleibt, ist, dass sie vier interessante Erkenntnisse gewinnen konnten:

1. Viele der anderen Mitglieder des G20 unterstützen ausdrücklich die Idee eines schnellen Übergangs (4) in eine Post-Dollar-Ära, insbs. Russland, Indien, Süd-Afrika, Argentinien und Brasilien. Bei seinem „Großen Sprung nach vorn (5) “ in die Post-Dollar-Zeit wäre China nicht isoliert, sondern vielmehr in guter und zahlreicher Begleitung von südamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Staaten. Im übrigen hat der Abschluss vieler Swap-Verträge in Yuan mit mehreren dieser Länder bereits das Terrain gut vorbereitet (6).

2. Die US- und die britische Regierung sträuben sich gegen einen Übergang in eine Post-Dollar-Zeit. Der dumme Fehler, den US-Finanzminister Geithner machte, als er einräumte, man könne über den chinesischen Vorschlag reden, wurde von den anderen US-Regierungsmitgliedern zwar schnell wieder ausgebügelt; aber dennoch gab er Peking einen Einblick in eine interessante Konstellation: Da Geithner einer der Schlüsselfiguren der Wall Street in der Obama-Mannschaft ist, zeigt seine Reaktion, dass der angelsächsische Finanzsektor zu allem bereit wäre, sogar zu einer Aufgabe der Dollar-Dominanz, solange sie nur ihre finanziellen Privilegien behalten können. Die „Dollar-Mauer“ ist also nicht sehr solide, wenn nicht einmal die „Wall Street“ (die Mauerstraße!) bereit ist, sie zu verteidigen. Das kann auch nicht verwundern, denn die Banker sind nicht sehr patriotisch. Das war auch schon früher so und ist nicht eine spezifische Folge der gegenwärtigen Globalisierung. Der US-Widerstand ist also politisch motiviert. Und die Politik fühlt sich in ihrem Widerstand bestärkt durch die Aussagen der Experten über die zwangsläufige Nachhaltigkeit des Dollarsystems (7). Aber man weiß ja, wie verläßlich die Aussagen genau dieser Experten bei den Subprimes, der Finanzblase, den Wall Street-Banken, AIG, TARP, der Wirtschaftsentwicklung etc. waren…

3. Die Europäer (ohne die Briten) blieben ihrem Ruf gerecht und also unfähig, sich von der Dominanz ihrer ehemaligen Schutzmacht USA zu emanzipieren (8). Sie fühlen sich stark genug, den US-Vorgaben nicht mehr zu folgen; aber sie sind zu schwach, um auf des Pudels Kern vorzustoßen, weil sie den Konflikt mit den USA scheuen. Aber es kann natürlich keinen Zweifel daran geben, dass sie, wenn einmal der Übergang in die Post-Dollar-Zeit geschafft sein wird, als geübte Multilateralisten ihr Know-how und ihren Einfluss einbringen werden, um eine internationale Korbwährung zu schaffen, die keinem einzelnen Staat einen dominierenden Status einräumen würde. Das ist doch gerade der Grund, warum China die Idee der IWF –Sonderziehungsrechte (9) als Alternative zum Dollar lancierte - als Zeichen, dass China mit seinem Vorstoß nicht darauf abziele, den Dollar durch den Yuan zu ersetzen (was natürlich eine unabdingbare Vorausetzung für eine spätere europäische Unterstützung ist).

4. Mit seinen Vorstößen sondiert Peking immer präziser das Terrain. Die chinesische Regierung muss dabei noch nicht einmal immer selbst dafür das Wort ergreifen. Häufig übernehmen dies auch Wissenschaftler, die man den Regierungskreisen nahe weiß oder Banker. Aber immer werden die chinesischen Verlautbarungen von der internationalen Presse aufgegriffen und verbreitet. Damit genießt Peking einen Zugang zur öffentlichen Meinungsbildung, der enorm ist und China einen entsprechenden Spielraum verschafft. Denn in Währungsfragen sind Äußerungen der maßgebenden Stellen von immenser Bedeutung. Peking kann somit Einfluss entwickeln, ohne dabei den Wert der US-Staatsanleihen oder des US-Dollars unter Druck zu setzen.

Dieser letzte Punkt ist von überragender Bedeutung für die chinesische Regierung. Der Dollar darf erst dann abstürzen, wenn den Chinesen gelungen sein wird, sich aus der Dollarfalle zu befreien. In den nächsten Monaten wird sich herausstellen, wie wichtig ihnen der Werterhalt ihrer Dollaranlagen ist. Falls es ihnen in erster Linie und ausschließlich darum geht, dann haben Washington, London und die internationalen Finanzmedien Recht: Peking wird sich im wesentlichen dem Willen der USA beugen und damit begnügen, seinen Einfluss auf die US-Entscheidungen zu erhöhen. Wenn Peking aber für das Entkommen aus der Dollarfalle bereit ist, Verluste bei seinen Währungsreserven hinzunehmen, dann haben wir Recht. Dann werden die Chinesen alles daran setzen, ihre Dollarrerserven abzustoßen, solange dies noch möglich ist. Es wird dabei sehr darauf ankommen, wie lange ihnen dies gelingt, bevor der Sturm auf den Devisenmärkten losbricht und der Dollar abstürzt. Dann werden auch die Chinesen aus der Deckung treten und ihren Beitrag zum Absturz des Dollars leisten, indem sie verlauten lassen werden, dass sie zu ihrem großen Bedauern und aus Gründen, die außerhalb ihrer Verantwortung lägen (10), sie nicht mehr in der Lage seien, die großen US-Defizite auszugleichen.

Entwicklung der chinesischen Käufe von US-Anlagewerten und die nach Anlagekategorien (Grün: Staatsanleihen und Einlagen / Blau: GSE (Fannie, Freddie…) / Gelb : Aktien und Unternehmensanleihen / Rot: jährliche Schätzungen der Reserven) - Quelle: CFR
Entwicklung der chinesischen Käufe von US-Anlagewerten und die nach Anlagekategorien (Grün: Staatsanleihen und Einlagen / Blau: GSE (Fannie, Freddie…) / Gelb : Aktien und Unternehmensanleihen / Rot: jährliche Schätzungen der Reserven) - Quelle: CFR
Unsere Vorhersage zu den Absatzbewegungen der Chinesen aus dem Dollar stützt sich auf die Entwicklungen der letzten Monate, die unsere Analysen bestätigen. Denn seit Ende 2008 haben die Chinesen jeden Monat zwischen 50 und 100 Millarden ihrer US-Währungsreserven abgestoßen. Sie nutzten die historisch niedrigen Preise für Anlagevermögen, um Minen, landwirtschaftliche Flächen, Energie, europäische und asiatische Aktien und Unternehmensbeteiligungen zu kaufen. Peking setzt alles daran, sein Vermögen zu schützen, indem es seine US-Anlagen abstößt und dafür Vermögenswerte kauft, die ohne Bezug zu Amerika stehen. Die chinesische Abhängigkeit vom Dollar nimmt damit jeden Tag weiter ab.

Dies alles spielt sich in beeindruckender Geschwindigkeit ab. Natürlich wird alles daran gesetzt wird, diese Vorgänge unbemerkt abzuwickeln, da sonst der Dollar abstürzen würde, bevor China ausreichend Dollarreserven abgestoßen hätte. Jedoch gelang Brad W.Setser und Arpana Pandey eine Übersicht über die bisher nicht bekannte Zusammensetzung der chinesischen Währungsreserven zu erstellen. Sie wurde im Januar 2009 vom Council of Foreign Relations veröffentlicht. Aus ihr ergibt sich, dass die Währungsreserven sich auf eine Summe von einem Wert von ungefähr 2.300 Milliarden Dollar belaufen (also ungefähr 50% des chinesischen BSP (11)), wovon ungefähr 1.700 Milliarden tatsächlich in US-Dollar bestehen (900 Milliarden in Staatsanleihen, ungefähr 550 Milliarden in Anteilen an GSE wie Freddie Mac und Fannie May, beinahe 200 Milliarden an sonstigen Anleihen und 40 Milliarden in kurzfristigen Einlagen). Die Autoren kommen anhand dieser Aufstellung zur logischen Schlussfolgerung, dass es überhaupt nicht mehr im chinesischen Interesse ist, weiterhin so gigantische Dollarbestände anhäufen zu wollen, deren Wert wegen der aktuellen US-Finanz- und Wirtschaftspolitik in der Krisenbekämpfung auch immer zweifelhafter wird (12). Aber es ist nicht nur eine Frage des chinesischen Willens, sondern auch des Könnens. Weil die chinesischen Exporte eingebrochen sind und auch ausländische Investoren ihr Geld abziehen, sind die Möglichkeiten der Chinesen, weitere Währungsreserven anzulegen, sehr begrenzt.

Oben : Entwicklung der chinesischen Währungsreserven und der Anteil der US-Werte  Unten : Entwicklung der gleichen Werte in Prozent - Quelle : BCA Research, 12/2008
Oben : Entwicklung der chinesischen Währungsreserven und der Anteil der US-Werte Unten : Entwicklung der gleichen Werte in Prozent - Quelle : BCA Research, 12/2008
Da die riesigen Dollar-Reserven den den Handlungsspielraum der chinesischen Regierung gegenüber der US-Regierung beschneiden, ohne für die chinesische Bevölkerung oder das Land noch so nützlich zu sein wie dies bei der Anhäufung geglaubt wurde, unternimmt Peking konsequenter Weise alles, um sich so schnell wie möglich von seinen riesigen Währungsreserven zu trennen. Rachel Zembia beschreibt die Methoden in einem tollen Artikel in RGE Monitor vom 21.02.2009: zinsreduzierte Kredite an ASEAN-Staaten (13), Swap-Abkommen, Erlaubnis für 400 große chinesische Unternehmen, inner-asiatischen Handel in Yuan abzuwickeln (14), Kredite für afrikanische Staaten und Russland, Vereinbarung über langfristige günstigere Ölpreise mit den Staaten des Persischen Golfs, Kredite für die Erdölkonzerne Brasiliens und Abu Dhabis, Kauf von europäischen und asiatischen Aktien und Unternehmensanteilen, nicht aber von amerikanischen, was sicherlich kein Zufall ist… Die Autorin unterstreicht, dass diese Abkommen offensichtlich immer ein Zugangsrecht zu den Rohstoffen für chinesische Unternehmen festschreiben. Daran läßt sich ablesen, worum es den Chinesen eigentlich geht: Ihre US-Währungsreserven gegen Werte, die das Land auf Dauer brauchen wird und die zur Zeit recht billig zu haben sind, einzutauschen; insbs. solange der Dollar noch über einen gewissen Wert verfügt und die anderen Staaten noch bereit sind, sich von den Chinesen in US-Dollar und - Staatsanleihen bezahlen zu lassen.

Was sein Kaufverhalten der US-Staatsanleihen angeht, kauft China immens weniger als früher (die Anlagesumme ist im ersten Quartal 2009 von 153,7 Milliarden USD im ersten Quartal 2008 auf 7,7 Milliarden Dollar zurück gegangen (15)), und nur solche mit kurzen Laufzeiten (3 Monate) (16).

Da die Chinesen kaum mehr neue Staatsanleihen kaufen und gleichzeitig weltweit auf Einkaufstour gegangen sind, deren Rhythmus auch noch schneller zu werden beginnt und inzwischen Summen von mehr als 50 Milliarden Dollar/Monat erreicht (wenn man die Swap-Abkommen dazu zählt), wird es den Chinesen von Ende 2008 bis Ende Sommer 2009 gelungen sein, mehr als 600 Milliarden Dollar seiner Dollar-Währungsreserven abzustoßen. In der gleichen Zeit bleiben die USA auf zwischen 500 und 1000 Milliarden neuer Staatsanleihen sitzen, die ihnen früher die Chinesen abgenommen hätten und für die sie nun neue Käufer auf den internationalen Finanzmärkten finden müssen, wenn sie weiterhin ihre ungeheuren Defizite finanzieren wollen. Wir vertreten die Auffassung, dass diese beiden Summen addiert werden müssen, um die Bedeutung der neuen chinesischen Politik auf die US-Finanzierungsnöte zu erfassen. Am Ende des Sommers 2009, zum Ende des US-Steuerjahres, wird allein China dafür verantwortlich sein, dass zwischen 1.100 und 1.600 Milliarden US-Dollar auf dem Markt sein werden, die 2008 noch in den Safes der Chinesen verschwunden (geblieben) wären, die 2009 aber andere Abnehmer suchen müssen, aber nicht unbedingt finden werden. Ben Bernanke wird seine Druckpresse heiß laufen lassen müssen, wenn er den Bankrott seines Landes wird verhindern wollen.

Als Ben Bernanke vor einigen Wochen einräumte, dass die US-Zentralbank US-Staatsanleihen aufkaufe, verlor der Dollar 10% an Wert gegenüber den anderen großen Weltwährungen. Für die Chinesen bedeutete dies einen Verlust von 170 Milliarden Dollar. Spätestens dann müssen sie ihre Abhängigkeit von der Wertentwicklung des Dollars schmerzlich gespürt und ihre Exponierung gegenüber verantwortungsloser US-Wirtschafts- und Finanzpolitik erkannt haben. Wenn eine unbedachte Bemerkung Ben Bernanke schon so teuer kommen kann, dann dürfte für die Chinesen ein Preis von 400 oder 500 Milliarden Dollar für das Entkommen aus der Dollarfalle und damit der US-Abhängigkeit akzeptabel erscheinen.

Entwicklung der Geldmenge in den USA - Quelle : US-Zentralbank, 03/2009
Entwicklung der Geldmenge in den USA - Quelle : US-Zentralbank, 03/2009
Wir jedenfalls gehen davon aus, dass die Chinesen bis Ende Sommer ihre US-Währungsreserven soweit geleert haben werden, wie ihnen das möglich erschien. Anschließend können sie beruhigt den Dollar seinem Schicksal überlassen. Nach der Flucht aus der Dollarfalle werden die Chinesen sich daran machen, die Dollardominanz im internationalen Währungssystem zu brechen. In welcher Form ihnen das gelingen wird, wird sehr stark von den Positionen der anderen wichtigen Staaten abhängen: Entweder werden die Chinesen versuchen, den Yuan neben dem Euro, dem Yen, dem Rubel und dem Real als weitere internationale Reservewährung zu etablieren, oder sie werden sich verstärkt an der Schaffung einer neuen internationalen Korbwährung mit genau diesen Währungen beteiligen. Der Dollar wird dann allerdings keinen Platz mehr in diesem Korb haben und der G20 wird auf einen G18 reduziert sein (ohne die USA und ohne Großbritannien, aber weiterhin mit Japan, das allerdings unter diesen Bedingungen eher zu einem chinesischen Satellitenstaat reduziert werden wird). Als Alternative zu diesen beiden Szenarien bleibt nur der allgemeine Zerfall der öffentlichen Währungsordnung, wie schon im Szenario der langen und tragischen Krise in der 32. Ausgabe des GEAB beschrieben. Dann werden sich Wirtschaftsblöcke ausbilden, die jeweils mit ihren spezifischen Referenzwährungen funktionieren werden.

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Noten:

(1) In den Unterhaltungen auf den Fluren des Londoner G20 war die Post-Dollar-Ära ein ganz wichtiges Thema. Da kann es keinen Zweifel daran geben, dass die Verlautbarung der chinesischen Zentralbank im Mittelpunkt der relevanten Diskussionen während und nach dem Londoner Gipfel standen, auch wenn diese selbstverständlich nicht der Medienberichterstattung zugänglich waren.

(2) Im übrigen hat die chinesische Regierung eine Denkfabrik zur weltweiten Wirtschaftskrise gegründet, die sie bei ihren Entscheidungen beraten soll. Für uns ist das ein Zeichen dafür, dass in China der Wille besteht, sich in der Krisenbewertung unabhängig von den Analysen aus Amerika und Großbritannien zu machen, die bisher bis zu 90% die intellektuelle Basis der Arbeiten der chinesischen Experten darstellten. Auch LEAP/E2020 kann diesen Trend anhand der vermehrten Besuchen auf seiner Webseite aus China (und auch Japan) sowie der zahlreichen Übersetzungen seiner Pressemitteilungen auf Webseiten und Blogs feststellen. Quelle: ChinaDaily, 21/03/2009

(3) Heute wissen alle großen Marktteilnehmer, dass die Kapitalströme die USA verlassen, also gerade zu einem Zeitpunkt, wo dort der Bedarf an ausländischen Geldzuflüssen enorm ist, um die US-Defizite zu finanzieren. Im Januar 2009 übertrafen die Geldabflüsse die Zuflüsse um 150 Milliarden Dollar. Quelle: US-Finanzministerium, 16/03/2009.

(4) Wir gehen davon aus, dass die Zeitspanne, um die es hier geht, sich in Monaten und nicht in Jahren bemißt, wie einige der Experten glauben machen wollen, die inzwischen « einräumen », dass die aktuelle Dominanz des Dollars im internationalen Währungssystem ein Problem darstelle.

(5) Der erste chinesische « Große Sprung nach vorn » gegen Ende der fünziger Jahre hatte katastrophale Nebenwirkungen, weil viele Millionen Chinesen an der dadurch verursachten Hungerkatastrophe starben. Aber warum sollte die aktuelle Herrscherriege in der Chinesischen Kommunistischen Partei nicht bereit sein, ein solches Risiko einzugehen, wenn dies der Preis wäre, um ihre Macht und ihr System zu sichern? Die amerikanischen und europäischen Experten, die sich anmaßen zu wissen, wie die chinesische Regierung denkt, begehen den dummen Fehler, ihre Denkweisen auch bei den Chinesen voraus zu setzen. Für uns ist aber klar, dass der Beginn einer Post-Dollar-Zeit (ob dies nun organisiert in Form der Schaffung einer Korbwährung geschieht, oder chaotisch in Folge eines brutalen Ausscherens aus den Dollar dominierten globalen Finanzmärkten) vor allen Dingen der Beginn einer Zeit ist, in der der „Westen“ seine besondere globale Bedeutung einbüßt. Die Welt, die dann entstehen wird, wird vielen Intellektuellen, die Europa und den Westen für den Nabel der Welt halten, sehr fremd sein. Wer dies nicht glauben mag, den verweisen wir auf die bezeichnenden Aussagen des Chefs der chinesischen Zentralbank über die „Überlegenheit des chinesischen Systems“. Quelle: MarketWatch, 26/04/2009

(6) Nach Süd-Korea, Malaysia und Indonesien hat nun gerade Argentinien ein Swap mit China für einen Vertragswert von 14,5 Milliarden Dollar in ihren jeweiligen Landeswährungen abgeschlossen. Mit Hilfe dieses Abkommens benötigen die beiden Länder für ihren Warenaustausch keine US-Dollar mehr; darüber hinaus wird die Position des Yuans auch außerhalb Asiens als internationale Währung gestärkt. Quelle: AustralianNews, 01/04/2009

(7) Dieser Artikel der Los Angeles Times, vom 03/04/2009 ist einer der objektivsten zu diesem Thema. Aber vielleicht, weil China näher am Sunset Boulevard als am Beltway (als Synonym für das politische Washington) liegt.

(8) Wir schreiben hier von der « ehemaligen Schutzmacht » weil der Nato-Gipfel wieder einmal gezeigt hat, dass die Europäer und die Amerikaner in der Gefahrenanalyse nicht mehr übereinstimmen. Der Afghanistan-Krieg wird immer mehr ausschließlich von den Amerikaner geführt, während die Europäer prioritär ihre Beziehungen zu Russland neu und besser ordnen möchten. Letztlich ist die Nato (mit nunmehr Frankreich als zurückgekehrtem Verlorenen Sohn, eine Entwicklung, die wir schon bei der Wahl von Sarkozy vorher sagten) wie ein Rentnerverein, dessen gemeinsames Ziel darin besteht, dass sich die Mitglieder die Zeit vertreiben, und den Schein aufrecht zu erhalten, dass das Leben noch so wäre wie vor 60 Jahren. Aber „das Alter ist ein langer Schiffbruch“, um Charles de Gaule zu zitieren.

(9) Eine de fakto irrealistische Idee, denn die Bedeutung der Sonderziehungsrechte DTS haben die USA schon vor 40 Jahren weitest möglich reduziert. Damit die Idee einer alternativen Leitwährung Erfolg haben kann, muss ein Projekt einer vollkommen neuen Währung aufgelegt werden. Auch würde der Name „Sonderziehungsrechte“ sicherlich wenig zu ihrer Popularität außerhalb der Kreise der Währungsspezialisten beitragen.

(10) Wobei sie keinen Zweifel daran lassen werden, dass die USA ihre Währung selbst vernichtet haben: Exorbitante Defizite, anhaltende Wirtschaftsflaute… Ende 2009 wird es an Gründen nicht mangeln.

(11) Indiesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass nach unserer Auffassung trotz der gegenteiligen enthusiastischen Beteuerungen der chinesischen Regierung die wirtschaftliche Lage in China sich im folgenden Jahr nicht wesentlich verbessern können wird. Angesichts des Exportseinbruchs, eines bevorstehenden Platzens der Immobilienblase und einer wachsenden Arbeitslosigkeit wird das chinesische BSP 2009 wohl stagnieren oder nur moderat zwischen 2% und 3% wachsen. Das kann nur dazu führen, dass Peking alles daran setzen wird, von der Politik abzugehen, die China in diese Sackgasse geführt hat… und derjenige, den man für die Schwierigkeiten verantwortlich machen kann, ist schnell gefunden. Quellen: Financial Times, 13/04/2009; Chinaview, 02/04/2009; New York Times, 02/04/2009; ChinaDaily, 19/03/2009

(12) Das Rating AAA für die US-Anleihen ist wirklich ein Witz, wie es auch richtig in diesem Artikel in SeekingAlpha vom 30/03/2009 beschrieben ist. Das ganze Land, von Unternehmen über Privathaushalte, öffentliche Einrichtung etc. steht vor dem Bankrott und verdient eine junk bond-Einstufung, aber der Bund soll weiter über jede Insolvenzzweifel erhaben sein? Die Rating-Agenturen (alle US-Unternehmen) revanchieren sich somit für die 400 Millionen Dollar, die sie von der Bundesregierung erhalten haben als Gebühren für ihre Mithilfe bei der Bestimmung der Wert der toxischen Wertpapiere, die der Bund den Banken für 1000 Milliarden Dollar abzukaufen gedenkt. Natürlich hatten genau diese Agenturen vor gerade einmal zwei Jahren fast alle diese nunmehr toxischen Werte mit AAA eingestuft. Aber Peking wie auch der Rest der Welt hat inzwischen sehr wohl verstanden, dass bezüglich dieser Werte ein organisierter Betrug am Laufen ist. Quelle: BusinessInsider, 07/04/2009

(13) Quelle: MarketWatch, 12/04/2009

(14) Quelle: ChinaDaily, 12/04/2009

(15) Quelle: ChinaDaily, 11/04/2009

(16) Wie Brad Setser ausführt: 2008 war China für beinahe die Hälfte der ausländischen Käufe der US-Staatsanleihen verantwortlich.

Lundi 27 Juillet 2009

GEAB N°61 - Zusammenfassung

- 17. Januar 2012 -

Umfassende weltweite Krise – 2012: Das Jahr der Zeitenwende in den internationalen Machtverhältnissen
Mit dieser 61. Ausgabe des GEAB jährt es sich nun zum sechsten Mal, dass die Mitarbeiter von LEAP/E2020 mit ihren Abonnenten und Lesern seines monatlichen Informationsbriefs ihre Vorhersagen über die Entwicklung der umfassenden weltweiten Krise teilen. Und zum ersten Mal in diesen vergangenen Jahren sagen wir in dieser Januarausgabe, die eine Übersicht über unsere Vorhersagen für dieses Jahr enthält, ein Jahr voraus, in dem sich die Krise nicht einfach weiter verstärken wird, sondern auch die ersten Elemente der „Welt von Morgen“ (...) sich herauskristallisieren... (Seite 2)
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USA 2012: Auf dem Weg zur Tragödie eines QE3
Die amerikanische Finanzpolitik steht heute vor der Herausforderung der Staatschuldenkrise, deren ultimatives Opfer sie sein werden. Wie LEAP/E2020 vorhergesehen hat, wird die Schuldenkrise der Eurostaaten 2011 der Zünder sein, der die US-Schuldenbombe 2012 zur Explosion bringt, auch wenn in einer Medienkampagne verzweifelt versucht wird, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Der massive Verkauf von US-Staatsanleihen durch die großen Zentralbanken im zweiten Halbjahr 2011 belegt aber die Richtigkeit unserer Vorhersage in beeindruckender Weise… (Seite 7)
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VORHERSAGEN 2012: 20 MAL RAUF UND 15 Mal RUNTER, 35 SCHLÜSSELTHEMEN FÜR 2012
Up oder Down? Die politische Pattsituation in den USA; Die Londoner City und Wall Street; Der Westen als Interessen- und Wertegemeinschaft; Der Anstieg der Zinsen; Wall Street und die City als Schwarze Löcher des Finanzsystems; Der Wert der chinesischen Währungsreserven; Das britische Pfund (und die Gilts); Die Entstehung eines neuen europäischen Souveräns: Euroland; Der « kleine kalte Krieg » zwischen USA und China; Italien; Die Eurokrise; Die Bedeutung des Dollars in den globalen Handelsbeziehungen; Die Ratingagenturen; Die « große europäische Staatsschuldverschreibung » (GESSV); MerkHollMont ; Ron Paul ; Der weitere Vormarsch von Gold im internationalen Währungssystem; Die Rezessflation; Die Zahl, die Größe und der Einfluss der westlichen Banken; Sarkozy, Cameron, Netanjahu und Medwedew; Die Reifung der BRICS zu einem wichtigen Akteur auf der internationalen Bühne; Die Türkei verlässt das westliche Lager; Die europäische Tobin-Steuer; Die laizistischen und prowestlichen Bewegungen in der islamischen Welt; Wachstum; Klagen und Strafverfahren gegen Bankvorstände und Hedge Fonds- Manager; Der Zerfall des Weltwährungssystems in drei Zonen: Dollar, Euro, Yuan; Die allgemeine Abwertung der Schulden der westlichen Staaten; Die Wutbürger; Die EU als „Europa“; QE3 als Wunderwaffe zur Rettung der US-Wirtschaft; Die Fähigkeit der USA zu Militäreinsätzen; Die Meerenge von Hormus und eine neue Fassette der Krise im Mittleren Osten; Schottlands Unabhängigkeit; Die Nützlichkeit der G20 (page 19)
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Der GlobalEurometer - Ergebnisse & Auswertung
(...) nimmt auch die Mehrheit zu, die die Auffassung vertritt, europäische Bekämpfungsmaßnahmen der Krise seien wirksamer als nationale Alleingänge (80% im Januar 2012 im Vergleich zu 77% im Vormonat) … (Seite 36)
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