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Dreizehn Fragen - und die Antworten von LEAP/E2020 - Zu den weiteren Etappen der Krise (3. Episode)- Auszug GEAB N°30 (18. Dezember 2008) -
Diese Reihe ist im GEAB Nr. 30 vom 15. Dezember 2008 erschienen.
9. Gehen Sie davon aus, dass Deflation heute die größte Gefahr für die Volkswirtschaften der Welt darstellt? LEAP/E2020: Nein. Wir sehen einen vorübergehenden Rückgang der Preise bei Anlagegütern, die aus spekulativen Gründen in den letzten Jahren gen Himmel geschossen waren. Aber die unglaubliche Geldvermehrung, insbs. in den USA, die Geld drucken wie nie zuvor, oder auch die beinahe allgemeine Hoffnung, sich mit gigantischen neuen Schulden den Weg aus der Krise kaufen zu können, wiederum vorexerziert von den USA, aber auch Großbritannien, wird in diesen Ländern zu einer massiven Inflation führen. Der Zusammenbruch von Dollar und Pfund wird auch zu importierter Inflation führen. Der Zusammenbruch der Industrieproduktion in den USA, zusammen mit den steigenden Kosten für Importgüter und einer Überflutung der US-Verbraucher mit Krediten, die unmittelbar von der US-Zentralbank zur Verfügung gestellt werden, wird einen Prozess speisen, der wirklich zur ersten Hyperinflation in den USA führen könnte.
US-BSP-Wachstum – Vergleich zwischen der offiziellen Statistik (rot) und der “Shadow”-Statistik (blau) (1982 bis 2008) - Quelle: ShadowStats, 12/2008
10. Glauben Sie, dass die neue US-Regierung Obama in der Lage sein wird, die USA davor zu retten, in der, wie Sie sie nannten, “Very Great Depression US” zu versinken?
LEAP/E2020: Die neue US-Regierung steht vor einer Aufgabe von historischem Ausmaß, aber ich habe große Sorge, dass Barak Obama und sein Team noch zur alten politischen Kaste zählen. Wenn man sein Team der Wirtschaftsexperten oder Beamten anschaut, dann muss man feststellen, dass sie alle eigentlich schon immer da waren. Persönlichkeiten wie Laurence Summers (Vorsitzender des Ausschusses der Wirtschaftsweisen) oder Robert Rubin (Vorsitzender des Krisenausschusses der Wirtschaftsexperten) waren unmittelbar verantwortlich für das Wall Street Disaster des letzten Jahrzehnts. 1999 waren sie die Drahtzieher hinter der Abschaffung des noch aus der Großen Depression stammenden Glass-Steagall-Gesetzes (1933), mit dem damals Banken gezwungen wurden, sich für eine Art von Bankgeschäften zu entscheiden (Investmentbanken, Versicherungen, Sparkassen). Die Verquickung dieser Arten von Bankgeschäften ist mitursächlich für die aktuelle Krise. Timothy Geithner, zukünftiger Finanzminister und bisher Vorsitzender der Federal Reserve of New York, der wichtigsten der Zweige der US-Zentralbank, ist einer der drei großen Initiatoren (neben Paulson und Bernanke) der gescheiterten Regierungsinterventionen des vergangenen Jahres (Bear Stearns, Fannie und Freddie, Lehman Brothers, AIG, TARP...) Man hat den Eindruck, Barak Obama findet es eine gute Idee, die Leute für den Wiederaufbau des Hauses anzustellen, die es zerstört haben. Vielleicht hat er ja Recht, aber wir von LEAP/E2020 denken eher, dass hier der Misserfolg programmiert ist, denn diese neuen Funktionsträger gehören zu einem Amerika, das gescheitert ist. Obama und sein Team haben, wie fast alle Amerikaner, die Krise erst bemerkt, als sie Mitte September 2008 ausbrach. Sein Programm ist ein typisches Programm der US-Demokraten, die Probleme lösen wollen, indem sie sie unter Geld ersticken. Zu der Krise fällt ihnen auch nur ein, noch mehr Geld aufzubringen als die Regierung Bush. Man muss nur daran denken, dass Obama meint, sein Konjunkturprogramm werde 2,5 Millionen Arbeitsplätze erhalten oder schaffen, während allein im September 500.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Damit kann sein Plan, falls er funktioniert, gerade einmal die Arbeitsplatzverluste eines Semesters ausgleichen. Dieses Programm kann damit nicht ausreichend für die Bekämpfung der Krise sein. All das läßt daran zweifeln, dass Obama zu diesen 20% neuen Politikern gehört, die, wie wir in vorhergehenden GEABs schrieben, erforderlich sind, um ein komplexes System auf neue Gleise zu setzen. Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Krise hat er weder die richtigen Leute noch die richtigen Ideen. Und wenn Barak Obama glaubt, dass in einer solchen Krisenzeit “Defizite keine Bedeutung haben”, dann scheint ihm entgangen zu sein, dass diese Defizite die Hauptursache für diese Krise sind. Obama scheint die perfekten Lösungen für die USA zu haben, die es nicht mehr gibt. Zuletzt glauben wir, dass erst dann die US-Politik sich ernsthaft mit realistischen Maßnahmen gegen die Krise auseinander setzt, wenn jemand sehr deutlich in der öffentlichen Debatte dafür eintritt, die USA mit einer radikalen, 50%-igen Verringerung des Militärhaushalts aus der “Very Great Depression” zu führen. Dabei ist das US-Militärbudget nicht das einzige Problem, das das Land zu lösen hat, aber es ist so etwas wie ein Gordischer Knoten. Solange er nicht durchgehauen wird, ist der Weg auf eine notwendige neue Vision, wie die Krise überwunden werden kann, verstellt. 11. Sie sagen, dass der Dollar in den nächsten Monaten seinen Abwärtsflug wieder aufnehmen wird. Davon abgesehen: Denken Sie, dass das britische Pfund und der Schweizer Franken noch Weltwährungen sind? LEAP/E2020: Mehr als zwei Jahre warnen wir schon wiederholt vor Investitionen in britischen Pfund, da wir prognostizierten, dass Großbritannien von der Krise besonders hart getroffen werde. Dies ist nunmehr eingetreten und das britische Pfund ist dabei, den Kreis der Weltreservewährungen zu verlassen. Mit einem Pfund, das inzwischen weniger als ein Euro in den Wechselstuben Wert ist, ist der Trend klar. Ein schnell anwachsender Chor von britischen Politikern und Wirtschaftsexperten ruft nun nach einem britischen Beitritt zum Euro. In einer oder der anderen Weise wird das britische Pfund unter die Räder der weltweiten umfassenden Krise geraten. Der Schweizer Franken dürfte auch seine besten Zeiten hinter sich haben, denn die Schweizer Zentralbank kann die Schweizer Banken nur vor dem Zusammenbruch retten, indem sie gigantische Mengen Schweizer Franken druckt.
Entwicklung des Wechselkurses für das britische Pfund gegen den Dollar und Euro -Quelle: Bloomberg, 10/12/2008
12. Gehen Sie davon aus, dass der Markt für CDS in den nächsten Monaten implodieren wird? Und was wären die Konsequenzen?
LEAP/E2020: Diese Implosion hat bereits eingesetzt. Der Konkurs von Lehman Brothers führte schon zu riesigen Verlusten bei CDS weltweit. Aber bis heute war die CDS-Krise noch begrenzt auf die Finanzblase. In den kommenden Monaten wird die weltweite Rezession zu Konkursen von Unternehmen führen, von denen einige zentral für den CDS-Markt sind, wie z.B. General Motors. Dann werden die Ungleichgewichte zwischen den beiden Seiten dieser “Forderungsausfallversicherungsverträge”, was CDS ja sind, den ganzen CDS-Markt ins Chaos stürzen. Dann wird es interessant sein zu sehen, wie die US-Regierung und -Zentralbank reagieren werden, die Fannie Mae, Freddie Mac und AIG als wichtige CDS-Marktteilnehmer gerettet haben. Dies wird zu einem gigantischen Anstieg der US-Schulden führen, was wiederum den Staatsbankrott näher bringen wird. 13. Gibt es eine Blase für US-Staatsanleihen, die platzen könnte? LEAP/E2020: Auf jeden Fall. Wenn Menschen anfangen, Geld zu investieren in Anlagen, von denen sie wissen, dass sie damit Verluste machen werden, ist etwas faul. Wir haben im GEAB des letzten Monats darüber geschrieben und sehen uns jetzt durch die Tatsachen bestätigt. Letzte Woche hatten die dreimonatigen Staatsanleihen eine negative Rendite. Das heißt, man bezahlt das US-Finanzministerium dafür, dass man ihm Geld leihen darf! Wenn man sich die Explosion der US-Defizite zu historischen Rekorden anschaut, ist das mehr als überraschend. LEAP/E2020 hat mehrfach darauf hingewiesen, dass in Krisenzeiten es darum gehen muss, Verluste zu vermeiden, nicht Gewinne zu erzielen, aber in diesem Fall ist eine Streuung der Investitionen der Schlüssel für jede ernsthafte Anlagestrategie. Wir erleben bei US-Staatsanleihen so etwas wie ein Lemminge-Verhalten: Jeder kauft kurzläufige US-Staatsanleihen ohne Rücksicht auf Risiken. Das kommt einem vor wie der Run auf Öl vor fünf Monaten. Und heute schmeißen die Besitzer von Fannie Mae - und Freddie Mac-Obligationen diese auf den Markt, um sich statt dessen US-Staatsanleihen zu kaufen. Und zwar unabhängig von den entstehenden Verlusten, da sie wohl am Überleben von Fannie Mae und Freddie Mac zweifeln. Dieser Trend kann nicht dauerhaft sein. Wir rechnen schon, dass spätestens im Frühjahr die Luft aus dieser Blase entweichen wird.
Vergleichende Entwicklung der Märkte für Anleihen des US-Finanzministeriums und pseudo-staatlichen Einrichtungen (einschließlich FannieMae und FreddieMac) (Febr. 2000 bis Sept.2008) - Quelle: HousingDoom
Jeudi 7 Mai 2009
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2. Quartal 2010: Massive Verschärfung der umfassenden weltweiten Krise – Verstärkung der fünf negativen Grundtendenzen