Die unerträgliche Leichtigkeit des QE des Sommers 2012 - Die amerikanische, britische und japanische Zentralbank zur Ohnmacht verdammt (Auszug)


- Auszug GEAB N°66 (17. Juni 2012) -



Die unerträgliche Leichtigkeit des QE des Sommers 2012 - Die amerikanische, britische und japanische Zentralbank zur Ohnmacht verdammt (Auszug)
Wie wir in der 61. Ausgabe des GEAB vom Januar 2012 schrieben, steht die US- Zentralbank inzwischen vor einem unauflösbaren Dilemma, ob sie ein QE3 wagen soll oder nicht:

"Wird die FED die Mittel besitzen, ein QE3 aufzulegen? Die Antwort ist positiv, wenn man ausschließlich die rechtlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Faktoren heranzieht. Die Funktionsweise der FED erlaubt ihr theoretisch, diese Art von Entscheidungen nach eigenem Ermessen zu treffen. Aber sogar unter diesen „traditionellen“ Entscheidungsprivilegien wird QE3 kein Beschluss sein, den die FED freudig treffen wird. Eine neue Runde der Monetarisierung wird lediglich das Produkt einer Verschärfung der Staatsschuldenkrise der USA sein, die immer verstärkter in den Fokus der Ratingagenturen und der Investoren kommen wird. Werden die Banken weiterhin bereit sein, die FED zu finanzieren? Die Frage hat wenig Berechtigung. Auf einem Finanzmarkt, der nur wenig Aktivität aufweist, wird das Geldleihen an die FED eine gute Geschäftsgelegenheit bieten. Natürlich sind die Zinsen niedrig, aber das Risiko ist null.

Wenn man jedoch die Frage unter einem geopolitischen und politischen Blickwinkel sieht, ist die Antwort negativ. Wie wir bereits ausführlich in vorhergehenden Ausgaben des GEAB erklärt haben, ist der Entscheidungskontext der FED nunmehr alles andere als „traditionell“. Die amerikanische Zentralbank ist in der Frage nach der Auflage eines massiven QE3 wie nie zuvor einem innenpolitischen und geopolitischem Widerstand ausgesetzt. Diese Wiederstände in einem Kontext, in dem Washington keine Entscheidungen mehr treffen kann, können bewirken, dass Ben Bernanke und seine Kollegen nicht ihr Ziel verwirklichen können, das Abenteuer von QE3 zu versuchen. Damit würden die USA weiterhin wie ein Korken auf den Wellen der Ereignisse driften, womit sich die Vorhersagen für 2012- 2016 realisieren würden, die wir in der 60. Ausgabe des GEAB vorgestellt haben, auch ohne die Etappe QE3 zurückzulegen.

Die Bedeutung der Antizipation über die Durchführung von QE3, die wir hier vorgestellt haben, liegt darin, dass sie ermöglicht, sich Klarheit darüber zu verschaffen, dass 2012 sehr wohl ein Jahr sein wird, in dem die geopolitischen Verhältnisse umgekrempelt werden: Keine der existierenden Optionen der amerikanischen Behörden, ob QE3 oder nicht QE3, vermag, den Sturz des Tandems Dollar/Staatsanleihen zu verhindern. Damit werden sich zum Jahresende 2012 mit der Tragödie einer amerikanischen Währungs- und Finanzkrise die Tore zur Welt nach der Krise öffnen."

Der amerikanischen, britischen (1) und japanischen Zentralbank bleibt nur festzustellen, dass ihre massiven Liquiditätsspritzen keinerlei Wachstumsimpulse ausgelöst haben. Und dass sie in Wirklichkeit der Realwirtschaft ihrer Länder immer teurer zu stehen kommen. In den USA nähert sich das Verhältnis von zusätzlicher Verschuldung zu generiertem Wachstum der Marke von 1:3 (3$ Neuverschuldung für 1$ zusätzliches Wachstum (2). Japan befindet sich trotz eines Überangebots an staatlich finanzierten Wachstumsimpulsen seit 20 Jahren in einer Stagnation. Und die Bank of England gerät in das Kreuzfeuer zunehmender Kritik, weil sie trotz einer Reihe von QE in ihrer Zielsetzung gescheitert ist, der britischen Wirtschaft den Rückfall in die Rezession zu ersparen (3).

Allmählich wird einer wachsenden Zahl von Politikern und Wirtschaftsfachleuten bewusst, dass die schuldenfinanzierten Rettungsprogramme nur einen Effekt mit Sicherheit produzieren (4): Sie würgen in ihrem untauglichen Versuch, insolvente Banken zu retten, immer stärker die Realwirtschaft (5) ab.

Die EZB befindet sich insoweit in einer anderen, ihr eigenen Kategorie, denn sie steht im Zentrum des komplexen und chaotischen Prozesses der Errichtung einer Wirtschafts- und Finanzgovernance für Euroland. Doch steht dieser Prozess erst an seinem Anfang und die Grenzen und Optionen ihres Handlungsspielraums werden sich in den kommenden sechs bis zwölf Monaten fortentwickeln. Im Gegensatz dazu stecken die drei anderen Zentralbanken im Korsett eines fest installierten und starren und damit leicht ausrechenbaren Systems.

Die Tatsache, dass an der Spitze der amerikanischen, britischen und japanischen Zentralbank seit Beginn der Krise immer noch dieselben Personen stehen, nämlich Ben Bernanke bei der Fed seit 2006, Masaaki Shirakawa bei der japanischen Zentralbank seit 2008 und Mervyn King bei der Bank of England seit 2003, unterscheidet diese drei Zentralbanken ebenfalls von der EZB, die vor wenigen Monaten einen neuen Präsidenten bekommen hat. Ohne schon jetzt eine Einschätzung über die zukünftige Leistung von Mario Draghi an der Spitze der EZB abgeben zu wollen, so ist doch schon heute zweifelsohne klar, dass seine Kollegen bei den anderen Zentralbanken zur Welt von Gestern gehören. September/Oktober 2012 dürfte daher ihrer schon beschädigten Vertrauenswürdigkeit einen empfindlichen Schlag versetzen.

Die Märkte sollen nur weiter mit Ungeduld auf weitere QEs und Twist- Operationen warten (6). Angesichts der allgemeinen weltweiten Lage werden ihre Auswirkungen nicht von längerer Dauer sein, denn das allgemeine Vertrauen bröckelt und wird sich allmählich in der Hitze des Sommers 2012 vollständig verflüchtigen (7).

Für insbesondere die USA und Großbritannien, die auf erhebliche Kapitalimporte angewiesen sind, um ihre öffentlichen und privaten Defizite auszugleichen (8), wird diese Lage einen brutalen "Wirtschaftsinfarkt" auslösen, der für die Realwirtschaft so schädlich sein wird wie die Lehman- Pleite 2008 für die Finanzindustrie. In London und New York werden Rettungspläne für Banken in Höhe von zumindest 500 Milliarden USD erforderlich sein, die allerdings diesmal, insbesondere im Vorfeld der amerikanischen Wahlen, die Mehrheit der Aktionäre und Inhaber von Schuldverschreibungen auf ihren Verlusten sitzen lassen werden (9).

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Noten:

(1) Quellen: Telegraph, 24/05/2012; Telegraph, 23/06/2012; Independent, 11/06/2012; Wall Street Journal, 15/06/2012

(2) Quelle: MarketWatch, 14/06/2012

(3) In Großbritannien kritisieren inzwischen sogar Mitglieder der Konservativen Partei (einschließlich der Euroskeptiker) ihre Chefs David Cameron und Michael Osborne (Finanzminister) für ihre lächerliche Strategie, Euroland als Ursache für alle gegenwärtigen Probleme der britischen Wirtschaft zu geißeln. Das zeigt zum einen, wie ernst die Lage ist, zum anderen, wie absurd die britischen Verlautbarungen und Kommentare (Regierungen und Finanzmedien) zur Griechenlandkrise und dem Euro sind. Immer häufiger hat man den Eindruck, Sketche von Monty Python zu sehen. Zum Beispiel hat der Guardian am 26.05.2012 einen ganz ernst gemeinten Artikel über die Planungen der britischen Regierungen gebracht, wie beim unvermeidbaren Zusammenbruch der Eurozone die daraus unweigerlich folgende Zuwanderungswelle nach Großbritannien aufgehalten werden könnte. Auf die « Ministry of Silly Walks » folgt nun das « Government of Silly Statements »?

(4) Und es gibt inzwischen dafür einen weiteren Beleg mit der Ankündigung eines Plans mit einem Volumen von 100 Milliarden Pfund, um "Großbritannien vor der Eurokrise zu retten"; in Wirklichkeit handelt es sich dabei um den x-ten Versuch der Bank of England und des britischen Finanzministeriums, eine in Rezession befindliche Wirtschaft erneut auf den Wachstumspfad zu bringen und die außer Kontrolle geratenen öffentlichen Defizite zu finanzieren. Zu ihrer Entschuldigung lässt sich nur anführen, dass Barack Obama den gleichen Weg beschritten hat, um auf diese Weise zu versuchen, das Scheitern seiner Wirtschaftspolitik und des QE der Fed zu verschleiern. Die einzigen Katastrophen, die in den letzten Monaten nicht der Griechenlandkrise angelastet wurden, dürften die Waldfeuer im Westen der USA gewesen sein. Quellen: Telegraph, 10/06/2012; WashingtonPost, 15/06/2012; Telegraph, 15/06/2012

(5) Quelle: USAToday, 15/06/2012

(6) Quellen: Reuters, 13/06/2012; ZeroHedge, 14/06/2012

(7) Im Fall Großbritanniens kann man die Schwere der Situation dank des Berichts von Tullett Prebon vom 14.Mai 2012 ermessen. Es ist sehr selten, dass eine Firma der City die Politik einer britischen Regierung so massiv kritisiert, die schlichtweg als gescheitert qualifiziert wird, und bei der versucht werde, die Unfähigkeit, Ausgaben zu senken , hinter PR- Maßnahmen zu verstecken, mit denen ausländische Investoren dazu verleitet werden sollten, weiterhin britische Staatsanleihen zu kaufen. Auch dieser Bericht sagt voraus, dass sehr bald ein brutales Erwachen droht.

(8) Das Defizit der amerikanischen Zahlungsbilanz ist wieder so hoch wie zuletzt 2009. Quelle: MarketWatch, 14/06/2012

(9) Wie dies z.B. die Aktionäre und Obligationeninhaber von RBS gerade entdecken müssen. Quelle: Telegraph, 30/05/2012

Vendredi 1 Février 2013
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