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Die großen internationalen Banken im Malstrom der Finanzkrise: Die vier Faktoren, die eine finanzielle Katastrophe auslösen- Pressemitteilung des GEAB vom 18. November 2007 -
Nunmehr geht LEAP/E2020 davon aus, dass zumindest eines der großen US-Finanzinstitute (Bank, Versicherung, Investitionsfond) bis Februar 2008 Bankrott machen wird; dies wird in einer Kettenreaktion den Konkurs von anderen Finanzinstituten und Banken in Europa (insbs. Großbritannien), Asien und in den Schwellenländern verursachen. Die Finanzkrise wirkt heute wie ein astronomisches "Schwarzes Loch" (um den Ausdruck zu benutzen, den Tony James (1), Vorstand von Blackstone ür die Subprime-Krise in den USA und die daraus entstehenden Folgen geprägt hat), das alles in sich einsaugt, was in seine Nähe kommt.
Die Faktoren, die ein solches Ereignis auslösen können, sind nunmehr so übermächtig und die Vorzeichen so zahlreich, dass nach der Auffassung unserer Wissenschaftler die mittelfristige Wahrscheinlichkeit (drei Monate) für ein solches Ereignis bei beinahe 100% liegt. Dies kann lediglich noch etwas hinausgeschoben werden, wenn die amerikanischen Wirtschafts- und Finanzbehörden alle denkbaren Anstrengungen unternehmen werden (was vergleichbar wahrscheinlich ist), ein Sicherheitsnetz an Garantien zu spannen (2), das die die Forrderungsausfälle auffangen soll, um somit ein Überschwappen der Panik auf den gesamten US-Finanz- und Bankenbereich zu verhindern. Auf Dauer erreichen werden sie damit jedoch nichts. Denn dieser Bankrott wird so massiv sein, dass die besonders risikoreich positionierten amerikanischen oder international tätigen Banken von den davon ausgehenden Schockwellen unweigerlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Besonders betroffen werden die Länder sein, deren Finanzbereich in besonderem Maße mit den US-Banken verflochten ist; also Großbritannien, Japan und China (3). Nach unseren Studien werden vier Hauptfaktoren den Zusammenbruch auslösen: 1. Massiver Rückgang der Gewinne bei den auf dem US-Markt tätigen Banken und Finanzinstituten 2. Massive Wertberichtigungen bei den im Besitz von US-Banken befindlichen Vermögensteilen als Folge der Einführung der neuen US- Buchführungsnorm für den Bankenbereich (FASB-Verordnung 157) 3. Wachsende Liquiditätsprobleme der Anleihen-Versicherer 4. Rezession in den USA Diese auslösenden Faktoren sind natürlich in einer Gesamtschau des Kontextes zu sehen, den LEAP/E2020 seit Beginn 2006 ausführlich beschreibt, also der umfassenden weltweiten Krise, deren Existenz die Politiker, Banker und Wirtschaftsführer weltweit gerade erst einmal beginnen, zur Kenntnis zu nehmen (4). Es ist eine traurige Tatsache: Seit nunmehr zwei Jahren beweisen uns die großen Zentralbanken, insbs. die der USA und die von Großbritannien, sowie die großen internationalen Banken, dass sie die Zeichen der Zeit (und der Krisen) erst erkennen, wenn es schon zu spät ist. Deshalb ist auch heute davon auszugehen, dass ihnen der wahre Umfang und die wahre Bedeutung der Bankenkrise erst zu Bewußtsein kommen wird, wenn eines der großen Finanzinstitute am Boden liegen wird. Aber dann werden die Schockwellen dieses Bankrotts schon das Gesamtgebäude der US-Finanzwelt erschüttern haben und Gegenmaßnahmen unmöglich sein.
Entwicklung der Verbraucherstimmung der Universität von Michigan (einschließlich November 2007) - Quelle US-Zentralbank von Saint Louis /LEAP/E2020
In dieser Pressemitteilung stellen wir die Analyse von LEAP/E2020 zu den zu erwartenden massiven Gewinneinbrüchen der in den USA tätigen Banken vor.
Erster Faktor: Massiver Rückgang der Gewinne der auf dem US-Markt tätigen Banken und Finanzinstitute
Wir analysieren im Detail in der 19. Ausgabe des GEAB, wie die Einführung der neuen Buchführungsnorm FASB 157 am 15. November 2007 in den Bilanzen der in den USA tätigen Banken die massiven Wertverluste eines großen Teils ihrer Vermögenswerte offenlegen wird. Von diesen Wertverlusten werden immer größere Vermögensteile betroffen, denn die Subprime-Hypothekenkrise ist lediglich der Katalysator einer weit umfassenderen Finanzkrise, die nunmehr die gesamten amerikanischen Anlagevermögen egriffen hat. Alle Formen der CDOs sind nunmehr von der allgemeinen Vertrauenskrise betroffen (5). Und CDOs stellen heute einen großen Teil des Vermögens der großen Banken dar; denn diese haben in den letzten Jahren ihre Hauptgeschäftstätigkeit auf Investition und Spekulation verlegt; von Kreditgebern wurden sie zu Investoren und Spekulanten, statt Banken agierten sie wie Hedge Fonds.
Auch wurde für die großen internationalen Banken die Tätigkeit für Hedge Fonds im Verlauf des letzten Jahrzehnts zu einer immer wichtigen Gewinnquelle. Diese bezahlten den Banken im Rahmen ihrer Aktivitäten gewaltige Gebühren; Leverage Buy out (LBO, für die Hedge Fonds Riesensummen zusammenliehen, Unternehmensfusionen und - Aufkäufen (M&A; Merger and Acquisition) und Börsengänge neuer Unternehmen("IPO, ou « Initial Public Offering) waren die Tummelplätze der Hedge Fonds, auf denen sie die Unterstützung der Banken brauchten, die für ihre Dienste reich entlohnt wurden. Mit der Finanzkrise dieses Sommers ging diese Epoche endgültig zu Ende. Heute kämpfen die Hedge Fonds um ihr Überleben. Investitionsfonds häufen immer größere Verluste an und versuchen verzweifelt, den Sogkräften des "Schwarzen Finanzlochs" zu entgehen, von dem der Chef von Blackstone sprach, den wir in der Einführung dieses GEAB zitierten. Alle Projekt für Unternehmensverschmelzungen und -Aufkäufe liegen auf Eis. Selbst im Technologiesektor, der bisher das privilegierte Spielfeld für Fusionen und Aufkäufe war, musste Wall Street einen Rückgang der Operationen von einem Umsatz von 99 Milliarden USD im 3. Quartal 2006 auf 52 Milliarden USD im 3. Quartal 2007 hinnehmen, also ein Rückgang von beinahe 50%. Und das, obwohl die Kreditkrise in diesem 3. Quartal 2007 doch erst an ihrem Anfang steht. Nur die Kaufwut der Europäer, die die Schwäche der US-Währung im 3. Quartal 2007 ausnutzen, um wie nie zuvor auf Einfkaufstour bei den US-Unternehmen zu gehen, und erstmals soviel Geld investierten wie die US-Unternehmen und Investoren, verhinderte, dass der Geschäftsumfang nicht noch weiter zurückging (6).
Heute werden neue Börsengänge an der Wall Street, die in der Krise des Sommers noch ein anständiges Geschäftsvolumen sicherten, in der Hoffnung auf bessere Zeiten hinausgeschoben . Börsengänge mit einem Wert von über einer Milliarde USD fielen von 8 pro Quartal (3. Quartal 2006) auf 2 (3. Quartal 2007). Schlimmeres könnten noch kommen, wie man am Beispiel von RWE, dem deutschen Energiekonzern, oder auch Rusal, dem russischen Aluminiumkonzernablesen kann. RWE ließ mit Blick auf die Kreditkrise in den USA den Börsengang seiner US-Filiale American Water kurzer Hand aussetzen (7). Rusal annulierte seinen Börsengang, der der bedeutendste des Jahres 2007 zu werden versprach, ohne ein Ersatzdatum zu benennen, obwohl die Banken, die ihn organisieren sollten, nämlich Morgan Stanley, JP Morgan und Deutsche Bank, schon ausgewählt waren (8).
Bei den LBO (Leverage Buy out, also den "kreativen" Finanzkonstrukten, die ermöglichen, Unternehmen mit Blick auf deren zukünftige Gewinne unter geringstem Eigenkapitaleinsatz aufzukaufen; de fakto finanzieren die übernommenen Unternehmen ihren eigenen Kauf (9)) ist der Markt nicht nur so gut wie tot. Schlimmer noch - die Käufe, die nicht im letzten Moment ausgesetzt oder annuliert werden konnten, sind heute Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten, wie man an dem Aufsehen erregenden Fall von SallieMae, der Bank für Studentenkredite, oder JC.Flowers, einem sehr aktiven Investitionsfonds sehen kann. (JC.Flowers, dies sei hier nur als Anekdote angeführt, verfügt noch nicht einmal über einen Internetauftritt (10)). Im Oktober 2007 betrug der Anteil der LBOs an den Merger&Acquisitions nur noch 5%, im Juni 2007 waren es noch 31%.
All dies läuft auf einen gemeinsamen Punkt hinaus: Die in den USA tätigen Banken werden den Löwenanteil ihrer gewinnstarken Tätigkeiten einbüßen. Eine deutlich verringerte Ertragslage zu einem Zeitpunkt, in dem die Banken wegen der Einführung der Buchführungsnorm FASB 157 und der CDO-Krise gewaltige Verluste schultern müssen, kommt für die Banken besonders ungelegen und wird sich mit Wertberichtigungen und Forderungsausfällen zu existentiellen Schwierigkeiten addieren.
2006 betrugen die Einnahmen aus Beratungshonoraren und Provisionen für Unternehmensfusionen und -Aufkäufe 27% der Gesamteinnahmen der Banken. Diese Einahmesparte konnte in diesem Jahr den stärksten Zuwachs der vergangenen sieben Jahre erzielen, waren, also das beste Jahr seit 1999, also knapp vor dem Platzen der Internetblase. Schon im Jahr 2006 waren diese besonders hohen Einnahmen notwendig, um die Verluste auszugleichen, die durch die gerade erst einsetzende Subprimekrise verursacht wurden. 2007 sind die Verluste aus dem Hypothekenkreditmarkt förmlich explodiert, während gleichzeitig die Gebühren aus dem bisher so einträglichen Investmentbanking versiegten (11). Daraus läßt sich unschwer ausrechnen, dass die Banken gegen Ende 2007 und Anfang 2008 in schwerstes Fahrwasser geraten werden, was bei einigen zu Verlusten führen wird, die sie nicht werden verkraften können. Heute, davon ist LEAP/E2020 überzeugt, sehen wir von der Bankenkrise erst die Vorzeichen. Die anderen Faktoren und die Auswirkungen für Investoren und Sparer beschreiben wir ausführlich in der 19. Ausgabe des GEAB.
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Noten: (1) Tony James hat diesen Ausdruck benutzt, um die allgemeine Finanzsituation zu beschreiben, die dazu geführt hat, dass sein Unternehmen für Kapital und Investitionen, das vor kurzem noch als eines der Wall Street Wunder galt, Verluste in Höhe von 113 Millionen USD (Quelle Forbes vom 12.11.2007) ausweisen musste. Blackstone ging, wie andere Mega-Fonds vor ihm (u.a. KKR und Fortress) im letzten Jahr an die Börse. Wir stellten schon im vergangenen Frühjahr die These auf, dass diese Börsengänge sicherlich das Ziel verfolgten, die kommenden Verluste zu verteilen, nicht etwa die vergangenen Gewinne. Diese These ist nunmehr bestätigt. (2) Wie dies auch schon mit dem Sicherheitsfonds Paulson der Fall ist (vgl. 18. Ausgabe des GEAB) (3) Für weitere Informationen über den Grad der Exponierung für US-Finanzrisiken empfehlen wir die Lektüre von insbs. der 16., 17. und 18. Ausgabe des GEAB (4) Das heißt, sie beginnen erst allmählich zu erahnen, dass es sich bei dieser Krise um eine umfassende Krise handelt. Bis vor kurzem leugneten sie überhaupt die Existenz einer irgendwie gearteten Krise; seit einigen Monaten versuchen sie sie als eine Episode im üblichen Auf und Ab der Wirtschafts- und Finanzzyklen darzustellen. (5) Quelle : Bloomberg, v. 13.11.2007 (6) Quelle : The451Group, v. 01.10.2007 (7) Quelle : YahooNews/Reuters, v. 14.11.2007 (8) Quelle : Financial Information Service, v. 21.09.2007 (9) Soweit es gelingen sollte, eine ausreichende Zahl von Banken und Investoren zu überzeugen, die entsprechende Summe zur Verfügung zu stellen (10) Quelle : SeekingAlpha, v. 25.11.2007 (11) Zu diesem Thema ist der bemerkenswerte Artikel von Diana Choyleva von der Lombard Street Research, veröffentlicht in AlphaVille vom 06.08.2007 sehr instruktiv. Dimanche 18 Novembre 2007
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GEAB N°61 - Zusammenfassung- 17. Januar 2012 -
Umfassende weltweite Krise – 2012: Das Jahr der Zeitenwende in den internationalen Machtverhältnissen
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