Das reale US-BIP liegt 30% unter den offiziellen Angaben


- Auszug Empfehlungen GEAB N°47 (18. September 2010) -



Die Verarmung der USA ist ein langer Prozess, der schon vor beinahe 30 Jahren eingesetzt hat. Die Krise und ihre Auswirkungen wie der Rückgang der Gehälter und Kapitalerträge sowie die Reduzierung der Verbraucherkredite sind nichts weiter als die neueste, sich beschleunigende Etappe in der Erosion des Lebensstandards der US-Mittelschicht. In all diesen Jahren wurde dank billiger Kredite die Verarmung der Mittelschicht verdeckt; Einkommensrückgang wurde durch Verschuldung ausgeglichen. Als mit der Krise die billigen Kredite verschwanden, auf die die Wirtschaft des Landes angewiesen war, versuchten die US-Regierung, der Kongress und die Zentralbank sie durch eine gigantische öffentliche Verschuldung zu ersetzen. Aber wie man jeden Tag feststellen kann, wenn man die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den USA betrachtet, ist dieser Versuch aus den bereits in dieser Ausgabe des GEAB genannten Gründen gescheitert.

Aber dieser Versuch hat dennoch unmittelbare Auswirkungen auf das US-BIP, auch wenn die meisten Wirtschaftswissenschaftler und Experten sich weigern, dies zuzugeben. Denn wenn sie einräumen würden, dass es tatsächlich zu diesen Auswirkungen gekommen ist, käme es zu einem Sturm an den internationalen Finanzmärkten, gegen den die Griechenlandkrise nur ein laues Lüftchen gewesen wäre. Schon die Lüge der griechischen Regierung über den wahren Verschuldungsgrad (Schulden im Verhältnis zum BIP) führte zu einer Panik an den Finanzmärkten. Was würde also geschehen, wenn bekannt würde, dass das US-BIP um 30% unter den offiziellen Zahlen liegt und damit der Verschuldungsgrad im Jahr 2009 nicht bei 83% lag, wie von der Regierung angegeben, sondern bei 113% (1)? Wir gehen jedenfalls von diesen Zahlen aus und sind überzeugt, dass sich diese Wahrheit 2011 nicht mehr verschleiern lassen wird. Die Unterschiede ergeben sich ganz einfach aus der Tatsache, dass zwischen 2007 und 2009 die USA sich um weitere 4.000 Milliarden USD verschuldet haben, das BIP dadurch jedoch nur um 200 Milliarden Dollar in drei Jahren gesteigert werden konnte (2).

Nettokäufe von Forderungen und Kreditderivaten durch US-Behörden und GSE (2007 – 2009)  - Quelle: US Federal Reserve / Criseusa, 08/2010
Nettokäufe von Forderungen und Kreditderivaten durch US-Behörden und GSE (2007 – 2009) - Quelle: US Federal Reserve / Criseusa, 08/2010
Aber diese zusätzliche Verschuldung der öffentlichen Hand ist nichts weiter als der Versuch, die wegen der Krise und des eingeschränkten Zugangs der US-Verbraucher zu Krediten weggebrochene Wirtschaftsleistung mit öffentlichen Geldern auszugleichen. Man könnte übrigens mit Fug und Recht argumentieren, dass schon seit mindestens einem oder zwei Jahrzehnten 30% des BIP reine Fiktion sind. Aber uns interessiert in diesem Zusammenhang nicht so sehr, was sich vor 20 Jahren ereignet hat, sondern vielmehr, was sich in der Zukunft ereignen wird. Und hier wird die den USA bevorstehende Sparpolitik diese Wirklichkeit ans Tageslicht bringen: Das US-BIP wird bei weitem überschätzt; es ist nur noch ein Schatten seiner selbst (3). Die Zahlen des US-BIP, die für Wirtschafts- und Finanzstatistiken benutzt werden, sind bei weitem überzogen. Deshalb weisen fast alle Wirtschaftsindizes und Statistiken enorme Abweichungen auf: Die Verschuldungsquote des Landes, sein Anteil an der Weltwirtschaft, das Verhältnis von Geldmengen zu BIP, der Wert des Dollars (der ja von dem Wert der US-Wirtschaft abhängig ist), all diese Angaben sind also bei weitem unzutreffend. Das vermag eventuell zu erklären, warum die US-Wirtschafts-und Geldpolitik so kläglich scheitert. Wenn man nicht weiß, wo man steht, kann man auch nicht in die richtige Richtung gehen (4).

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Noten:

(1) Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass die globale Nachfrage nach Gold weiterhin so schnell steigt, nämlich in der zweiten Jahreshälfte 2010um 36%. Quelle: MarketWatch, 25/08/2010

(2) Quelle: US Government spendings.

(3) Anderes sehr bezeichnendes Beispiel: Die Transaktionen auf dem Gewerbeimmobilienmakrt sind zwischen 2007 und 2009 um 90% eingebrochen; sie fielen von 522 Milliarden USD auf 52 Milliarden USD. Quelle: MyBudget360, 02/08/2010

(4) Wenn man sich vergegenwärtigen möchte, wie der berühmte double-dip aussehen wird, in dem wir schon stecken, der sollte sich die Lektüre dieses Artikels von Douglas McIntye in 24/7WallSt vom 13/08/2010 nicht entgehen lassen.

Jeudi 6 Janvier 2011
Marie-Helene Caillol
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GEAB N°90 - Zusammenfassung

- 15. Dezember 2014 -

Umfassende weltweite Krise 2015 – Erdöl, Währungen, Finanzmärkte, Soziales, Mittlerer Osten : Schwerste Stürme ziehen über die westlichen Staaten dahin

- « Umfassende weltweite Krise : Das Ende des Westens, wie er nach dem 2. Weltkrieg entstanden war“
- Die Erdölkrise ist umfassend (systemisch), da sie einhergeht mit dem Ende der Erdölzeit
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(vgl. 81. Ausgabe des GEAB von Januar 2014): Erfolgsquote liegt bei 69%
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