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Auf dem Weg zu einem weltweiten Wettstreit um das weltweite Sparvermögen mittels Zinspolitik- Auszug GEAB N°31 (18. Januar 2009) -
Die neuen Maßnahmen der US-Zentralbank zeigen, dass sie, auch wenn sie es nicht einräumen möchte, erkannt hat, dass sie mit einem Problem der allgemeinen Zahlungsunfähigkeit in den USA zu kämpfen hat (ein Problem, das natürlich auch in Ländern, die wirtschaftlich eng mit den USA verbunden sind, wie Großbritannien (1), existiert); und dass es eine Insolvenz des Bundes, der Bundesstaaten, der Unternehmen, der Banken und der Privathaushalte ist. Also hat sie angefangen (2), selbst die Anleihen der Bundesregierung aufzukaufen. Dabei handelt es sich natürlich um nichts weiteres als Gelddrucken. Damit ist bewiesen, dass Washington sehr wohl gezwungen ist, seine nunmehr astronomischen Defizite durch die Neu-Ausgabe von Tausenden von Milliarden Dollar zu finanzieren. Dadurch wird natürlich das Problem der Zahlungsunfähigkeit auch auf die US-Zentralbank verlagert. Deren Bilanz ist schon bis zum Überlaufen mit toxischen Wertpapieren angefüllt, die sie den Banken in den letzten Monaten als Sicherheiten für Kredite abgenommen hat. Nun muss sie auch noch Staatsanleihen übernehmen, die, auch wenn die großen Finanzmedien dies noch abstreiten, heute auf dem Markt nicht mehr absetzbar sind. Aber es wäre doch sehr verwunderlich, dass die US-Zentralbank die Anleihen kaufen würde, wenn es andere Käufer gäbe.
Die allgemeine Situation läßt eher den Verdacht aufkommen, dass die US-Zentralbank schon seit vielen Monaten über seine „Primary Dealers“ US-Staatsanleihen kauft. Zwei Indizien stützen diese Vermutung: zum einen weigert sich die US-Zentralbank bekannt zu geben, wer (und also aus welchen Gründen) von den vielfachen Milliardensummen profitiert hat, die sie in die Banken gepumpt hat (3); zum anderen ist es allmählich auch für Deutschland, das über eine gesunde Wirtschaft, eine beispielshafte Haushaltsdisziplin und riesige Überschüsse verfügt, schwierig, seinen Bundesanleihen zu verkaufen (4).
China verlangsamt den Kauf von US-Staatsanleihen und anderen ausländischen Wertpapieren - Entwicklung des Anteils des chinesischen BSPs, der für die Anhäufung von Währungsreserven aufgewandt wurde - Quelle: National Bureau of Statistics / Banque popu
Wenn wir einmal von diesem Märchen absehen, nach dem die US-Staatsanleihen eine so sichere und begehrte Anlage wären, dass Investoren weltweit sie auch bei negativer Verzinsung unbedingt kaufen wollten, dann bleibt als einzig mögliche Erklärung für den regen Abfluss der US-Staatsanleihen, dass die US-Zentralbank selbst oder durch Mittelsmänner heimlich schon seit Monaten die US-Staatsanleihen aufkauft.
Dieses Vorgehen ist angesichts der globalen Zahlungsunfähigkeit im übrigen vollkommen zwingend. Die USA mussten zu einem Zeitpunkt, als es der Weltwirtschaft wenigstens scheinbar bestens ging, 80% der globalen Ersparnisse anlocken, um ihre Defizite abzudecken. Inzwischen sind ihre Defizite um mindestens 400% explodiert und drohen bis Ende 2009 um 1.000% größer zu sein (5), während das globale Vermögen um Tausende Milliarden geschrumpft ist (6). Damit steht Washington jeden Tag vor dem Problem, wie sie 500% des weltweiten Sparaufkommens anlocken könnten (bei unseren Prozentangaben gehen wir noch von einem gleichbleibend verfügbarem globalen Sparaufkommen aus, obwohl die Vermögensverluste sicherlich auch den Sparerfolg negativ beeinflussen dürften, andererseits die Krise die Tendenz zum Sparen verstärkt hat). Das ist natürlich eine Mission impossible, die zum Ende des Dollars als wichtigste Weltwährung (7) führen wird, es sei denn, den USA gelingt es, der Welt vorzuspiegeln, sie würden ihre Defizite nicht mit frisch gedrucktem Geld, sondern mit ausländischen Krediten abdecken. Als Alternative bliebe ihnen noch, wie wir schon früher voraussagten, sie lösten einen globalen Wettstreit der Staatsanleihen aus, der die Staaten zwingen würde, zur Finanzierung ihrer Defizite deutlich höhere Zinsen für ihre Schulden zu bezahlen und sich gegenseitig in Renditeversprechungen an ihre Gläubiger zu übertreffen. Die Welt von 2009 ist zahlungsunfähig geworden, der Zinskrieg wird beginnen (8). Das wird all die ruinieren, die in Anleihen von stark verschuldeten Staaten oder Unternehmen investiert haben, die unweigerlich insolvent werden, wenn die Zinsen stark steigen. Um es auf einen Punkt zu bringen: Die Zentralbanken, die die US-Zentralbank imitieren, versuchen, Wirtschaftsakteure solvent zu machen, die es nicht mehr sind und es auch nicht mehr werden können, weil ihr Wirtschaftsmodell nicht mehr in die Zeit passt. Die Hoffnung der Zentralbanken besteht darin, sie mit Liquiditätsspritzen solange vor dem Konkurs zu bewahren, bis der Aufschwung wieder einsetzt und diesen Unternehmen trotz allem das Überleben sichert. Das mag ja schön schlau gedacht sein, aber Geschichte läßt sich nicht betrügen – und die aktuelle Krise ist eine, über die in Geschichtsbüchern geschrieben werden wird. Ihre Dauer dürfte für viele Länder (darunter die USA) an die der Krise von 1873 bis 1896 heran reichen, während ihre sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen mit denen von 1929 ff. vergleichbar sein dürften, und zwar weltweit (9). Die Strategie der Zentralbanken der USA und Großbritanniens führt unweigerlich in die Katastrophe; denn wenn erst einmal allgemein die Erkenntnis sich durchgesetzt hat, dass die Krise länger als 2009 anhalten wird (was bei der nächsten Verschärfung der Krise, von der wir für März 2009 ausgehen - vgl. 30. Ausgabe des GEAB - unvermeidlich ist), wird es nicht länger möglich sein, die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen, Banken und öffentlicher Stellen zu verschleiern; die tausenden Milliarden, die für Liquiditätsspritzen aufgewandt wurden, werden sich für die Staaten und Zentralbanken, die sie zur Verfügung gestellt haben, in Schulden verwandeln.
Perioden von Arbeitslosigkeit und Bankkrisen: Analyse der Höchststände - Anstieg der Arbeitslosigkeit in Prozent (links) / Dauer der Rezession (in Jahren) - Quelle: Reinhart/Roggoff, US National Bureau of Economic Research (19/12/2008)
Die Regierungen müssen endlich damit aufhören, in den Kategorien von „Ankurbelung“ und „Stimulanz“ zu denken. Denn zwischen Gestern und Morgen gibt es keine Lösung in der Kontinuität. Es ist vielmehr notwendig, dass darüber nachgedacht wird, wie wir die Krise überstehen können. Dazu bedarf es eines Schutzes für die Bevölkerungsgruppen, die besonders gefährdet sind (also insbs. die Arbeitslosen und die, die es bald sein werden), und der Wirtschaftsunternehmen, die finanziell noch auf soliden Füßen stehen und deren Geschäftsmodell auch erwarten lässt, dass sie es in den kommenden Jahren bleiben werden. Weiterhin müssen die Grundlagen für das neue Sozial- und Wirtschaftsmodell gelegt werden, das grundlegend anders sein wird als das der letzten zwanzig Jahre.
Wenn man auf die Sprache der Regierenden achtet, wird man erkennen können, wann die ersten zu verstehen anfangen, dass dies wirklich eine historische Krise ist. Für 2009 machen wir uns leider insoweit noch keine Hoffnungen. Wir müssen uns also auf auf ein sehr gefährliches Gemisch von Ineffizienz, Wirklichkeitsverdrängung und zielloser Hyperaktivität vor dem Hintergrund eines allgemeinen Wettlaufs um das weltweit verfügbare Sparvermögen einstellen.
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Noten: (1) Auch die Bank von England hat begonnen, grenzenlos Britische Pfund zu drucken. In einem Versuch, das Ausmaß der Geldmengenvermehrung zu verschleiern, hat die britische Regierung die seit 1844 bestehende Verpflichtung der Zentralbank abgeschafft, ihre Wochenbilanz zu veröffentlichen. Quelle: Telegraph, 12/01/2009. Und auch hier erheben sich Stimmen, die davor warnen, eine übermäßige Verschuldung mit noch mehr Verschuldung bekämpfen zu wollen, bzw., um im Rahmen unserer Analyse zu argumentieren, eine Solvenzkrise mit Liquidität lösen zu wollen. Quelle : Independent, 11/01/2009. (2) Dieses Vorgehen wird nach unserer Auffassung schon seit Jahren betrieben (wir haben schon mehrfach darüber geschrieben), aber früher geschah der Aufkauf diskret über die Primary Dealer. Inzwischen hat sich die Situation so verschlimmert, dass, angesichts der Summen, die abgenommen werden müssen, die US-Zentralbank es unmittelbar und öffentlich machen muss. (3) Bloomberg, dem man schwerlich eine Anti-Wall Street – Ideologie vorwerfen kann, hat übrigens einen Prozess gegen die US-Zentralbank angestrengt, um insbs. zu erfahren, welche Art von Sicherheiten die von der US-Zentralbank unterstützen Banken bei ihr hinterlegt hätten. Diese Klage hat bis zur Zeit noch keine Früchte getragen. (Quelle: SeekingAlpha, 15/12/2008). Und von dem neuen US-Finanzminister Timothy Geithner, der insbs. Citigroup erlaubte, zu einem Riesen auf tönernen Füßen zu werden, indem er die Aufsicht durch die Zentralbank von New York, deren Präsident er war, lockerte, darf man kaum erwarten, dass er eine Politik der bedingungslosen Transparenz verfolgen werde. (4) Quelle : Bloomberg, 07/01/2009 (5) Die aktuelle Voraussage eines US-Bundesdefizits 2009 von 1.200 Milliarden USD ist noch sehr vorsichtig, den sie schließt noch nicht die Finanzierung des Obama’schen Konjunkturprogramms ein, sie ist sehr optimistisch hinsichtlich der effektiven Kosten der Bail-outs des letzten halben Jahres und sie unterschätzt die Einbrüche in den zu erwartenden Steuereinnahmen. Wir hingegen gehen davon aus, dass sich das US-Bundesdefizit 2009 zumindest um 2.000 Millarden Dollar bewegen wird (im Vergleich zu 455 Milliarden Dollar 2008). Und niemand berechnet hierbei die Defizite von über 1000 Milliarden Dollar der Bundesstaaten ein, oder die unzureichenden Pensionsrücklagen der US-Unternehmen, deren Defizit 2009 auch voraussichtlich mehr als 100 Milliarden Dollar betragen dürfte. Quellen: Reuters, 13/01/2009; NewYorkTimes, 13/01/2009 (6) Die Währungsreserven Chinas sind 2008 zum ersten Mal seit fünf Jahren rückläufig. Quelle : Bloomberg, 22/12/2008. (7) Im übrigen hat China zwischen den Jahren 2008 den Exporteuren seiner wichtigsten Industrieregionen zum ersten Mal genehmigt, für den Handel mit Ländern des ASEAN den Yuan statt des Dollars zu benutzen. Dieser erste Test unter realen Bedingungen dürfte Vorzeichen für eine weitere beschleunigte Entwicklung in dieser Richtung im zweiten Halbjahr 2009 sein. Source : TimesofIndia, 25/12/2008. Um sich eine Vorstellung der Entwicklungen 2009 machen zu können, ist es nunmehr notwendig, Chinas Erwartungen und Befürchtungen für 2009 einzubeziehen. Dieser Artikel von Xinhuanet, der sich mit den Prognosen für 2009 befasst und den Titel „Deutliche Veränderungen in der globalen politischen und wirtschaftlichen Landschaft“ trägt, ist hierbei sehr hilfreich. Quelle: Xinhuanet, 28/12/2008 (8) Dieser Zinskrieg wird sich parallel zu einem Handelskrieg entwickeln, denn die USA, die mit ihren multiplen Rettungsplänen, die die Wettbewerbsregeln der WHO ignorieren, schon diesen Weg eingeschlagen haben, und die über einen demokratischen und damit historisch protektionsfreundlichen Kongress verfügen, werden dem Sirenengesang ihrer großen Automobil- und Stahlunternehmen erliegen und eine „buy American“- Politik verfolgen. Quelle: CNBC, 02/01/2009 (9) Diese Krise von 1873 bis 1896%E2%80%931896), die von den Wirtschaftswissenschaftlern auch die « Grand Depression » genannt wird, war die erste, die tatsächlich eine globale Dimension hatte. Ihre Dauer beweist, dass Krisen sehr lange andauern können, länger als die Weltwirtschaftskrise von 1929ff. Diese Krise dauerte 23 Jahre! Ihr Ablauf erinnert in vielem an die, die wir heute durchlaufen: Immobilienkrise, Finanzblasen, Banken, die wegen Spekulationsverlusten Konkurs machen, viele insolvente Wirtschaftsakteure, Verbreitung der Krise durch die Finanz- und Warenströme einer ersten Globalisierung in andere Weltgebiete, rücksichtslose Investition in das damalige Wirtschafts-El Dorado Amerika (heute China). Die sehr guten Arbeiten von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, aus denen wir die beiliegende Graphik über die Korrelation von Massenarbeitslosigkeit und Bankenkrisen entliehen haben, könten sehr dankenswerter Weise durch Arbeiten über diese Krise 1873-1896 ergänzt werden. Zur Ergänzung kann man auch noch einen sehr interessanten Artikel über diese Krise aus eher französisch-kanadischer Sicht in Devoir (09/10/2008)nachlesen. Mardi 26 Mai 2009
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GEAB N°61 - Zusammenfassung- 17. Januar 2012 -
Umfassende weltweite Krise – 2012: Das Jahr der Zeitenwende in den internationalen Machtverhältnissen
Mit dieser 61. Ausgabe des GEAB jährt es sich nun zum sechsten Mal, dass die Mitarbeiter von LEAP/E2020 mit ihren Abonnenten und Lesern seines monatlichen Informationsbriefs ihre Vorhersagen über die Entwicklung der umfassenden weltweiten Krise teilen. Und zum ersten Mal in diesen vergangenen Jahren sagen wir in dieser Januarausgabe, die eine Übersicht über unsere Vorhersagen für dieses Jahr enthält, ein Jahr voraus, in dem sich die Krise nicht einfach weiter verstärken wird, sondern auch die ersten Elemente der „Welt von Morgen“ (...) sich herauskristallisieren... (Seite 2) Lesen Sie die Pressemitteilung USA 2012: Auf dem Weg zur Tragödie eines QE3 Die amerikanische Finanzpolitik steht heute vor der Herausforderung der Staatschuldenkrise, deren ultimatives Opfer sie sein werden. Wie LEAP/E2020 vorhergesehen hat, wird die Schuldenkrise der Eurostaaten 2011 der Zünder sein, der die US-Schuldenbombe 2012 zur Explosion bringt, auch wenn in einer Medienkampagne verzweifelt versucht wird, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Der massive Verkauf von US-Staatsanleihen durch die großen Zentralbanken im zweiten Halbjahr 2011 belegt aber die Richtigkeit unserer Vorhersage in beeindruckender Weise… (Seite 7) Abonnieren Sie VORHERSAGEN 2012: 20 MAL RAUF UND 15 Mal RUNTER, 35 SCHLÜSSELTHEMEN FÜR 2012 Up oder Down? Die politische Pattsituation in den USA; Die Londoner City und Wall Street; Der Westen als Interessen- und Wertegemeinschaft; Der Anstieg der Zinsen; Wall Street und die City als Schwarze Löcher des Finanzsystems; Der Wert der chinesischen Währungsreserven; Das britische Pfund (und die Gilts); Die Entstehung eines neuen europäischen Souveräns: Euroland; Der « kleine kalte Krieg » zwischen USA und China; Italien; Die Eurokrise; Die Bedeutung des Dollars in den globalen Handelsbeziehungen; Die Ratingagenturen; Die « große europäische Staatsschuldverschreibung » (GESSV); MerkHollMont ; Ron Paul ; Der weitere Vormarsch von Gold im internationalen Währungssystem; Die Rezessflation; Die Zahl, die Größe und der Einfluss der westlichen Banken; Sarkozy, Cameron, Netanjahu und Medwedew; Die Reifung der BRICS zu einem wichtigen Akteur auf der internationalen Bühne; Die Türkei verlässt das westliche Lager; Die europäische Tobin-Steuer; Die laizistischen und prowestlichen Bewegungen in der islamischen Welt; Wachstum; Klagen und Strafverfahren gegen Bankvorstände und Hedge Fonds- Manager; Der Zerfall des Weltwährungssystems in drei Zonen: Dollar, Euro, Yuan; Die allgemeine Abwertung der Schulden der westlichen Staaten; Die Wutbürger; Die EU als „Europa“; QE3 als Wunderwaffe zur Rettung der US-Wirtschaft; Die Fähigkeit der USA zu Militäreinsätzen; Die Meerenge von Hormus und eine neue Fassette der Krise im Mittleren Osten; Schottlands Unabhängigkeit; Die Nützlichkeit der G20 (page 19) Abonnieren Sie Der GlobalEurometer - Ergebnisse & Auswertung (...) nimmt auch die Mehrheit zu, die die Auffassung vertritt, europäische Bekämpfungsmaßnahmen der Krise seien wirksamer als nationale Alleingänge (80% im Januar 2012 im Vergleich zu 77% im Vormonat) … (Seite 36) Abonnieren Sie
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Umfassende weltweite Krise – USA 2012/2016 : Ein zahlungsunfähiges und unregierbares Land